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Witterungsverlauf und Ernteaussichten im südlichen Tirol

Zusammenfassung

Ein Bericht aus Bozen schildert die Witterung im Mai und Juni 1823 sowie die Erwartungen für die anstehende Wein- und Getreideernte. Trotz unbeständigen Juniwetters wird eine ergiebige Weinlese erwartet, was zu einem Preisverfall bei den Altweinen führt. Zudem fielen die Erträge bei den Seidenkokons und Getreide dank der Zufuhr aus Italien reichlich aus.

Vollständige Transkription

Tirol.

Botzen, den 17. Juni. Der schöne Mai hat dießmal seinen Ruf bewährt. Wir haben im südlichen Tirol die anmuthigsten Tage gehabt. Dagegen ist der Juni bis jetzt unbeständig, meistens trüb, naßkalt, regnerisch gewesen. Der schnelle Wechsel der Witterung mag vielleicht der Weinrebe etwas geschadet haben, indessen sind noch Trauben in ungeheurer Menge vorhanden, und wir dürfen getrost einer sehr gesegneten Weinlese entgegensehen. Die alten Weine fallen daher im Preise, und die unsrigen am meisten, die ohnehin zu dick, und zu stark gedeckt sind, folglich wenig Ausfuhr haben, sondern in der Stadt selbst verbraucht werden. In den Weinschenken sind die besten Sorten, die unlängst 12 kr. galten, zu 10 und 8 kr. die Wiener Maaß ausgeboten, und Jedermann muß froh seyn, mit dem alten Vorrathe bald aufräumen zu können, weil man zur Zeit der Weinlese mit den nöthigen Gefäßen in Verlegenheit seyn dürfte, und dann auch, weil mit Grund zu befürchten ist, daß der edle Saft das künftige Jahr wenig Werth habe. Leider können wir bald die Konkurrenz mit dem benachbarten Etschlande nicht mehr aushalten, dessen meiste Lagen leichte, gesunde, schmackhafte Sorten liefern, die sich am besten verführen lassen, und am längsten halten. Die Erndte der Seidenkokons ist auch bei uns im Süden, so wie in Italien, außerordentlich ergiebig ausgefallen. An Getreide werden wir ebenfalls keinen Mangel leiden, und fruchtlos ist jeder Versuch, die Preise in die Höhe zu treiben. Auf dem letzten Kornmarkte ist der Weitzen zu 2 fl. 24 kr. das Star bezahlt worden. Diese Wohlfeile verdanken wir aber einzig und allein unsern italienischen Nachbarn, die uns mit ihrem Ueberfluß fleißig und reichlich versehen.

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter

    Merkwürdigkeiten aus Bozen: Ein außergewöhnlich schwerer Ochs und ein mißgebildetes Kalb

    Im Mai 1823 wird aus Bozen über den außergewöhnlich großen und schweren Ochsen des Metzgermeisters Stephan Pitschieler berichtet, der aus dem Ultental stammte und ein Gewicht von über 21 Zentnern erreichte. Ein Teil des Fleisches wurde den Ortsarmen sowie zwei Bettelordenklöstern gespendet. Zudem wird von einem im Dezember 1822 geborenen zweiköpfigen Kalb berichtet, das ausgestopft und zur Schau gestellt wurde.

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"Witterungsverlauf und Ernteaussichten im südlichen Tirol." Der Bote für Tirol, 26. Juni 1823. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/26.06.1823/149949/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1823-06-26-witterungsverlauf-und-ernteaussichten-im-suedlichen-tirol