Merkwürdigkeiten aus Bozen: Ein außergewöhnlich schwerer Ochs und ein mißgebildetes Kalb
Im Mai 1823 wird aus Bozen über den außergewöhnlich großen und schweren Ochsen des Metzgermeisters Stephan Pitschieler berichtet, der aus dem Ultental stammte und ein Gewicht von über 21 Zentnern erreichte. Ein Teil des Fleisches wurde den Ortsarmen sowie zwei Bettelordenklöstern gespendet. Zudem wird von einem im Dezember 1822 geborenen zweiköpfigen Kalb berichtet, das ausgestopft und zur Schau gestellt wurde.
Vollständige Transkription
Botzen, im Monate Mai. In der letztverflossenen Fastenzeit wurde hier ein Ochs von nicht gewöhnlicher Größe zur Schau ausgestellt, welcher die Neugierigen um so mehr anlockte, als dessen Mastung das Werk eines der hiesigen Einwohner war, die sich sonst bekanntlich damit nicht befassten. Der thätige Metzgermeister Stephan Pitschieler wollte aber einmal einen Versuch machen. Er kaufte daher einen kaum dritthalb Jahre alten Ochsen aus dem Thale Ulten und hielt ihn 2 Jahre und 7 Monate hindurch in der Mast. Als dieser nicht mehr zunehmen zu wollen schien, ließ er ihn unter ämtlicher Aufsicht wägen. Dieß geschah 5 Wochen, ehe er ihn schlachtete, und der Ochs wog dazumal 21 Zentner 71 Pfund, ein für die hiesige Gegend allerdings seltenes Gewicht. Die größte Höhe dieses stattlichen Thieres, dessen Anblick wirklich Vergnügen gewährte, betrug 6 Schuh. Sein Fleisch wurde sehr schmackhaft gefunden. Uebrigens soll nach Aussage des Eigenthümers der Gewinn die Mastungskosten nicht abgeworfen haben. Es wurde ihm bewilligt, den Ochsen einige Tage vor dem Schlachten gegen ein geringes Eintrittsgeld sehen zu lassen. Indessen war es dabei mehr auf einige Entschädigung wegen vielfacher Nebenauslagen, als auf Erzielung eines bedeutenden Gewinnes abgesehen. Es blieb ihm daher auch schon an sich von dieser Einnahme wenig übrig, und selbst den Ueberrest verwendete er meistentheils dadurch zum Guten, daß er den hiesigen Armen 136 Pfund, und den hiesigen 2 Mendikanten-Klöstern ebenfalls etliche 60 Pf. Fleisch von diesem Rinde, folglich zusammen über 2 Zentner als ein freiwilliges Almosen zukommen ließ.
Bei dieser Gelegenheit sei es auch erlaubt, einer äußerst merkwürdigen Mißgeburt zu erwähnen, welche sich am 20. Dezember v. J. in dieser Gemeinde ergab. Sie besteht in einem Kalbe mit 2 Köpfen, 2 Schwänzen und 8 Füßen, wovon 4 nach der entgegengesetzten Seite gerichtet sind. Die Kuh, welche damit 14 Tage über die gewöhnliche Zeit ging, konnte es nicht zur Welt bringen, und musste daher geschlachtet werden. Hierauf nahm man die Missgeburt todt heraus. Ein hiesiger Kirschner stopfte sie aus. Die Eingeweide waren nur einfach vorhanden; der Nabel aber doppelt. Die Oeffnung am After wurde ganz vermißt. Der Eigenthümer verkaufte die ausgestopfte Missgeburt um 10 Louisd´or an einen gewissen Simon Marth, welcher die Erlaubnis erhielt, dieselbe als ein gewiß seltenes Naturspiel zur Schau herumtragen und ausstellen zu dürfen.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter
Witterungsverlauf und Ernteaussichten im südlichen Tirol
Ein Bericht aus Bozen schildert die Witterung im Mai und Juni 1823 sowie die Erwartungen für die anstehende Wein- und Getreideernte. Trotz unbeständigen Juniwetters wird eine ergiebige Weinlese erwartet, was zu einem Preisverfall bei den Altweinen führt. Zudem fielen die Erträge bei den Seidenkokons und Getreide dank der Zufuhr aus Italien reichlich aus.
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"Merkwürdigkeiten aus Bozen: Ein außergewöhnlich schwerer Ochs und ein mißgebildetes Kalb." Der Bote für Tirol, 5. Juni 1823. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/05.06.1823/149943/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1823-06-05-merkwuerdigkeiten-aus-bozen-ein-aussergewoehnlich-schwerer-ochs-und-ein-missgebi