Die Geschichte der Familie Knillenberg zu Reichenbach und Knillenberg
Zweiter und letzter Teil der Chronik über die Adelsfamilie Knillenberg zu Reichenbach und Knillenberg bei Meran. Der Artikel beschreibt die nachfolgenden Generationen vom 17. Jahrhundert bis zum Erlöschen der männlichen Linie im Jahr 1812 sowie die Wiederherstellung des Neuwahls.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die Knillenberger 2/2
(Beschluß.)
IV. Niklaus v. Knillenberg zu Reichenbach, Philipps jüngster Sohn, nachdem er seine Studien zu Innsbruck, Dillingen und Ingolstadt vollendet hatte, reiste noch nach Italien, und verweilte ein Jahr in Rom. Zurückgekehrt, verband er sich ehelich mit Barbara, aus dem alten edlen Geschlechte der Zötl v. Griefenstein zu Meran, den 9. Hornung 1616.
Den 25. April des nämlichen Jahres verkaufte er für sich und seine Geschwisterte, auch mit Einvernehmen des Adam v. Kleinhans zu Labers und Mihlrain, als Vormünders seines minderjährigen Bruders-Sohnes Hans Philipp, das Schloß Knillenberg an Hans Ekhard v. Rosenberg zu Winkel. Im Jahre 1641 brachte dasselbe Johann der Jüngere Freiherr v. Flugi zu Aspermont, Bischof zu Chur, an seine Familie, welche sich, da sie der heiligen katholischen Religion nicht entsagen wollte, aus Bünden nach Tirol flüchtete, und in Knillenberg niederließ. *)
Niklaus zeichnete sich durch eine besondere Frömmigkeit aus. 45 Jahre lang habe er täglich das Brevier gebethet. Er war der erste, der einem am 15. August 1623 zu Meran errichteten, Sittlichkeit und Erbauung befördernden Marianischen Verein beitrat.
76 Jahre alt, schied er von hinnen den 13. März 1664. Seine Ehe war mit drei Söhnen und mehreren Töchtern gesegnet.
Christoph, der Erstgeborne, wurde 1641 als Kleriker dem Stifte Stams einverleibt, und starb dort 1673. Johann Baptist gieng als kaiserl. Offizier in der Blüthe seines Alters zu Prag mit Tod ab.
V. Thomas blieb als die Stütze seines alternden Vaters bei demselben auf dem Schlosse Reichenbach, und verlegte sich auf die Güter-Kultur, Baumzucht, auf alle Zweige der Ökonomie. Er machte sich um die ganze Umgebung verdient durch die Betreibung der Wiederherstellung des sogenannten Trag- oder Neuwahls. **)
Er erzeugte mit seiner Gemahlin Maria v. Söll zu Aichberg vier Söhne mit mehreren Töchtern. Er endete den 7. Juni 1706. – Seine Söhne Joseph und Philipp waren schon in ihrer Kindheit gestorben.
Andre, geboren den 19. Juli 1699, verehelichte sich auf dem kleinen Gute Erlacher mit Romana Rosina Lutz den 3. August 1706, und starb den 8. März 1737. Sein Sohn Rochus hinterließ bei seinem Tode den 3. Mai 1760 einen einzigen elfjährigen Sohn, Sebastian Johann, aus seiner edlen Gemahlin Elise v. Wailand, der ihn aber nur bis zum 26. November des nämlichen Jahres überlebte.
VI. Christoph Ulrich, geboren am 4. Juli 1683, der Besitzer des Schlosses Reichenbach, verband sich den 21. November 1730 mit Helena Emerenziana Wunderer, starb aber schon am 15. Dezember 1741. Sein zurückgebliebener Sohn (Leopold war seinem Vater schon vorangegangen.)
VII. Sebastian Venerand war damals erst 7 Jahre alt. Obschon der Vermögensstand des Hauses sehr herabgesunken war, wandte die rechtschaffene Mutter doch alles an, ihm eine standesmäßige Erziehung zu verschaffen. Mit beiderseitiger größter Sparsamkeit ließ sie ihn studieren zu Meran und zu Innsbruck, sah sich aber bei zunehmender Altersschwäche nothgedrungen, ihm noch vor gänzlicher Vollendung der Studien die eigene Verwaltung der Güter zu überlassen. Bald darauf, den 18. April 1758, verließ sie das Zeitliche.
Vermählt den 12. Jänner 1762 mit Anna Waldburg Hanifle, einer reichen, tugendhaften und haushälterischen Bürgerstochter von Meran, brachte er durch kluge Wirthschaft ohne schmutzige Kargheit seinem Hause den einstmaligen Wohlstand wieder. Nach dem am 30. Juli 1776 erfolgten Ableben des Freiherrn Simon Adam Flugi v. Aspermont und Knillenberg — des letzten dieses von der höchsten Stufe des Reichtums und Ansehens in die tiefste Armut und Dunkelheit versunkenen Geschlechts — kaufte er auch wieder sein Stammschloß Knillenberg, bezog und bewohnte dasselbe, bis der Tod sein verdienstvolles, sanftes Leben im gesegneten Greisenalter endete den 26. November 1808. Seinen geliebten einzigen Sohn
VIII. Sebastian Anton v. Knillenberg zu Knillenberg und Reichenbach, geboren den 21. Oktober 1764, getraut mit Antonia v. Vintler zu Platsch und Runggelstein den 25. Jänner 1791, überraschte der Tod, noch ehe er seinen Vatersitz bezogen hatte. Er starb auf dem ihm schon bei der Verehelichung abgetretenen Gute Erlacher den 15. Juli 1812. Fünf Söhne waren ihm vorangegangen, drei Töchter und zwei Schwestern ließ er zurück.
Mit ihm erlosch der Mannsstamm dieser durch Gottesfurcht, Gerechtigkeitsliebe und stilles Wohlthun unter allen Abwechslungen des Glückes sich immer auszeichnenden Familie. – Aber noch lange sollen die an ihrem Sarg Vorübergehenden Blumen des warmen Dankes auf denselben streuen. Ewig sollen ihre enthüllten Seelen des Lohnes sich freuen, den der Vater der Barmherzigkeit den Gottesfürchtigen, den Gerechten, den Barmherzigen versprochen hat!
*) Zur nämlichen Zeit und aus der nämlichen Veranlassung kamen auch die Bündner Edlen Planta v. Wildenberg in diese Gegenden, und setzten sich auf dem Schlosse Greifen, dessen Neffe noch ihren Namen tragen, dann auch auf dem Schlosse Rametz.
**) Vermöge einer noch vorhandenen Urkunde vom Jahre 1668 wurde diese Wasserleitung, welche das vortreffliche Wässer-Wasser aus der Passer bei Saltaus fängt, und durch Obermais führt, mit Genehmigung des Landesfürsten, Erzherzogs Sigmund, schon vor dem Jahre 1462 errichtet. Durch mehrere Lahn- und Muhrbrüche zerstört, blieb sie gegen 40 Jahre lang unbenützt. Von deren Unentbehrlichkeit überzeugt, beschloß man im Jahre 1657 ihre Wiederherstellung, die auch im folgenden Jahre begann, aber erst 1667 vollends zu Stande kam. Am 18. Mai desselben Jahres wurde im Schlosse Reichenbach eine genaue Ordnung wegen Einhaltung des Wahls, Vertheilung des Wassers u. s. w. zusammen getragen, und unterm 13. Oktober des nämlichen Jahres von der oberösterreichischen Regierung und Hofkammer bestätigt. In dieser Urkunde werden die mehrern damaligen Schloß-Inhaber namentlich aufgefühet, als: Pompejus v. Planta — vom Ansitz Greifen; Karl Max v. Rosenberg — v. Rosenstein; Graf Zenobio — v. Wintl; Engelbert Zötl — v. St. Valentin; Georg Dietrich v. Wanga — v. Rubein; Thomas v. Knillenberg — v. Reichenbach; Franz Graf v. Trautmannsdorf — v. Neuberg; Johann Venerand v. Witenbach, oberösterr. Vice-Kammer-Präsident — v. Rottenstein; Johann Andre Baron Flugi — v. Knillenberg; Rochus v. Mamming — v. Pflanzenstein; Benedikt v. Mamming — v. Rundeck; Franz Noderer, in den Fußstapfen des Hans Christoph v. Neuhaus — vom Gute Erlacher; Peter Paul Söll v. Aichberg — vom Tschengelserhofe u. s. w. — Die Erhaltung dieser Wasserleitung kostet noch jährlich von 126 bis 600 fl. nebst wenigst 168 Tagschichten.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter
Zur Geschichte der Knillenberger in Obermais (1. Teil)
Eine historische Abhandlung über das Adelsgeschlecht der Knillenberger, deren Stammvater Andreas Knilling 1506 geadelt wurde und deren Sitz sich über Jahrhunderte in Obermais befand. Der erste Teil beleuchtet die Familiengeschichte, militärische Verdienste und Verwaltungsämter der ersten Generationen im 16. und 17. Jahrhundert.
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"Die Geschichte der Familie Knillenberg zu Reichenbach und Knillenberg." Der Bote für Tirol, 25. Februar 1822. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/25.02.1822/149810/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1822-02-25-die-geschichte-der-familie-knillenberg-zu-reichenbach-und-knillenberg