Zur Geschichte der Knillenberger in Obermais (1. Teil)
Eine historische Abhandlung über das Adelsgeschlecht der Knillenberger, deren Stammvater Andreas Knilling 1506 geadelt wurde und deren Sitz sich über Jahrhunderte in Obermais befand. Der erste Teil beleuchtet die Familiengeschichte, militärische Verdienste und Verwaltungsämter der ersten Generationen im 16. und 17. Jahrhundert.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die Knillenberger. 1/2
In dem Anhang zum Bothen von Tirol 1821 Nro. 100. wird sich auf ein Schreiben des Christoph v. Knillenberg d. d. Wien 3. November 1537 bezogen, welches in dem Archiv für Geographie, Jahrgang 1810, Heft 11, enthalten war.
Diese Landes-Edlen, Ritter v. Knillenberg, hatten an die 300 Jahre ihren Sitz in Obermais nächst Meran, theils im Schlosse gleiches Namens, theils in Reichenbach. Ihr Stammvater war
I. Andreas, ein Sohn Sigmunds Knilling, Bürgers zu Mittenwald in der ehemaligen Grafschaft Werdenfels. Im Jahre 1493 diente er mit seinem Bruder Kaspar in dem Heere des Kaisers Max I. in dem glorreichen Feldzug gegen die Türken. Zur Belohnung ihrer Verdienste erhielten beide Brüder von eben diesem Kaiser d. d. Salzburg den 25. November 1506 das Adels-Diplom mit der Erlaubniß, ihr bisheriges Wappen verbessern, und sich in Zukunft Knillenberger oder v. Knillenberg schreiben zu dürfen.
Gleich nach seiner Rückkehr aus Ungarn begab sich Andre, damals noch Knilling, nach Tirol, wurde anfangs Sekretär bei denen einander folgenden Landes-Hauptleuten an der Etsch und Burggrafen zu Tirol, den Freiherrn v. Firmian und v. Völs; *) dann Pfleger auf dem Schlosse Eschenloch in Ulten, einem südwestlichen Seitenthal zwischen Botzen und Meran.
Im Jahre 1513 kaufte er den Edelsitz der Zekolf in Obermais, welchem Kaiser Max I. aus Innsbruck 1518 den 28. Oktober alle bisherige Freiheiten bestätigte, und den Namen Knillenberg schöpfte.
Im Jahre 1524 wurde Andre v. Knillenberg mit vielen andern Edlen in die Tiroler Landes-Matrikel aufgenommen, und im Jahre 1526 vom Kaiser Karl V. (d. d. Eslingen den 12. Juli) in den Ritterstand erhoben, auch seinem Wappen statt des bisherigen Stechhelm ein Turnierhelm aufgesetzt.
In den durch die damals aufgestellte und sich schnell verbreitende Freiheits- und Ungebundenheits-Lehre erregten Volksunruhen im Monat Mai 1525 wurde auch die feste Burg Eschenloch von den Empörern erstürmt und geplündert. Jetzt bezog der Knillenberger seinen eigenthümlichen Ansitz in Obermais.
Unterm 22. Jänner 1530 ernannte ihn Christoph Freiherr v. Madruz, damals Pfarrer von Tirol (dem Dorfe), nachhin Bischof zu Trient und Kardinal, zum Verwalter der Rentenbezüge jener Pfarre.
Er hatte sich zweimal verehelicht. Das erstemal 1505 mit Katharinen v. Kostlan bei Brixen. Nach ihrem Tod 1533 mit Lukrezia, einer geborenen Kastner, der hinterlassenen Witwe des Paul Ursin, Medizin-Doktors zu Brixen. Er folgte seiner ersten Gemahlin den 4. Mai 1540, und ruhet mit beiden unter einem schön bearbeiteten rothen Marmor an der Kirchenmauer des St. Vigili-Pfarrgotteshauses in Untermais.
Aus der ersten Ehe hatte er zwei Söhne, Christoph und Oswald; aus der letztern einen Heinrich.
Oswald starb zu Wien 1541 noch ungeehelicht.
Heinrich befand sich in Diensten des Grafen Franz v. Thurn an dem Hof des Erzherzogs Ferdinand zu Prag, dann zu Gräz, eine Zeit lang zu Görz; war daher nebst der Muttersprache und lateinischen, auch der böhmischen, slavonischen, kroatischen und italienischen kündig. Später ließ er sich auf dem Köstbamhof in Untermais nieder. Sein Sohn, Hans Christoph, war als Soldat bei dem Herrn Philipps II., Königs von Spanien, in den Niederlanden, wo er sich verehelichte. Von dessen Kindern kam nur Heinrich im Jahre 1611 nach Tirol, hielt sich da eine kurze Zeit auf in Diensten des Grafen v. Lichtenstein auf dem Schlosse Schenna, und begab sich dann wieder ins Ausland.
II. Christoph v. Knillenberg, Andre´s Erstgeborner, hielt sich in Diensten des Freiherrn Leonhard v. Völs (des römischen Königs Ferdinand I. Rathes, Obersthofmeisters und obersten Feldhauptmanns, ehedem Landeshauptmanns in Tirol) längere Zeit am Hofe auf, machte mehrere Feldzüge gegen die Türken mit, wurde 1542 den 13. Dezember oberster Einnehmer des Aufschlags und der Mauth zu Laibach in Krain; den 1. Jänner 1547 Rath Sr. r. k. Majestät und Vizedom im besagten Lande, starb endlich den 31. Juli 1558 im Schlosse zu Görz, wohin er sich als kaiserl. Bevollmächtigter zu der Ständeversammlung jener Grafschaft begeben hatte.
Die Witwe Helena, geborne Ursin, von Brixen, verkaufte die in Krain erworbenen Güter, und kehrte mit ihren Kindern, Andre, Christoph, Philipp, Friedrich und Lukrezia, zurück nach Tirol auf ihren Ansitz Knillenberg.
Der älteste Sohn, Andre, starb als kaiserl. Soldat, noch jung, vor Siget in Ungarn.
Christoph wurde des Erzherzogs Ferdinand Rath und Pfleger zu Landeck. Im Jahre 1578 brachte er den adelichen Ansitz Sigmundsried im obern Innthal an sich, als das Erbtheil seiner Ehefrau Helena v. Wechingen zu Sigmundsried. Dessen Söhne, Christoph Franz und Andre v. Knillenberg zu Sigmundsried, folgten nacheinander ihrem Vater in dem Amte als Pfleger zu Landeck, und im Besitze des Schlosses Sigmundsried. Beide starben ohne männliche Erben.
Friedrich begleitete den Kardinal Andreas von Oesterreich, Markgrafen zu Burgau rc., des Erzherzogs Ferdinand und der Philippina Welser Sohn, auf seiner Romer-Reise, kehrte aber schon 1577 wieder zurück, und verehelichte sich auf dem ihm zugetheilten Schlosse Knillenberg mit Magdalenen v. Sarnthein zu Kellerburg und Kränzelstein. Er starb unbeerbt den 23. Hornung 1597.
und Kränzelstein. Er starb unbeerbt den 23. Hornung 1597.
III. Philipp, der Drittgeborene, seit 1568 Gemahl der Benedikta Susanna Edlen Freyling zu Winkl, kaufte 1573 den Freisitz Reichenbach von Philipp Albrecht v. Wanga zu Wangen, Herrn auf Rubein; war Pfleger zu Greifenstein, Burgstall und Mölten, auch Beisitzer beim adelichen Hofgericht zu Botzen.
Er hinterließ bei seinem Tode den 25. März 1593 vier Söhne und zwei Töchter.
Augustin, der älteste, starb ledig, 51 Jahre alt, zu Meran. Even so Sigmund, nachdem er in den Niederlanden und im Mailändischen lange beim Militär gedient hatte, im 73. Jahre seines Alters.
Auch der dritte, Hildebrand, war lange in Italien, und begleitete von dort den venezianischen Gesandten Oktavian Bon nach Valadolid. Dann verehelichte er sich mit Helena Trotlinn v. Troiburg, und starb mit Hinterlassung eines Sohnes, Hans Philipp, den 7. März 1609. Dieser lag den Studien ob zu Wien, Bologna, Nonzi und zu Pont-a-Mouson in Frankreich, praktizirte dann noch eine Zeit lang beim geheimen Rath und Direktor Pemelberg (in Innsbruck?) Endlich kam er als Kammerherr, Schatzmeister und geheimer Hof-Kriegs-Sekretär unter Kaiser Ferdinand III. nach Wien. Dort verband er sich mit Elise Veronika v. Lasi, der einzigen Tochter eines kroatischen Obersten. Auf einer Reise des Erzherzogs Leopold nach Prag in Kriegs-Angelegenheiten war er in seinem Gefolge, erkrankte aber dort, und starb den 22. Oktober 1639. Dessen einzige, erst nach seinem Tod geborene Tochter, trat in das Fräulein-Stift zur Himmelspforte in Wien.
(Beschluß folgt.)
*) Niklaus Herr zu Firmian war Landeshauptmann rc. vom Jahre 1490 – 99. Leonhard I. vom Jahre 1499 – 1531. Leonhard II. beide Freiherrn v. Völs, vom Jahre 1531 – 1532.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter
Die Geschichte der Familie Knillenberg zu Reichenbach und Knillenberg
Zweiter und letzter Teil der Chronik über die Adelsfamilie Knillenberg zu Reichenbach und Knillenberg bei Meran. Der Artikel beschreibt die nachfolgenden Generationen vom 17. Jahrhundert bis zum Erlöschen der männlichen Linie im Jahr 1812 sowie die Wiederherstellung des Neuwahls.
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"Zur Geschichte der Knillenberger in Obermais (1. Teil)." Der Bote für Tirol, 21. Februar 1822. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/21.02.1822/149809/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1822-02-21-zur-geschichte-der-knillenberger-in-obermais-1-teil