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Historische Betrachtungen über die ehemaligen Feuersbrünste und die Bevölkerung von Bozen

Zusammenfassung

Ein Artikel im Boten für Tirol befasst sich mit den historischen Feuersbrünsten in Bozen, insbesondere dem Großbrand von 1224. Unter Rückgriff auf zeitgenössische Abhandlungen über mittelalterliche Städte wird die hohe Opferzahl und die damalige Bevölkerungsdichte erklärt. Freiherr von Hormayr stützt zudem die Annahme einer damals im Vergleich zu heute bedeutend größeren Bevölkerung.

Vollständige Transkription

Anhang.

Geschichte.

Von den ehemaligen Feuersbrünsten der Stadt Botzen.

In Beziehung auf jenes, was in Nr. 94. J. 1821 dieser Blätter von einer großen Feuersbrunst zu Botzen im Jahre 1224 gemeldet worden, in welcher 1500 Menschen umgekommen seyn sollen, erlauben wir uns, aus einer schönen Abhandlung: die Staatswirthschaft im deutschen Reich, bis auf Kaiser Rudolph von Habsburg, in den Europäischen Annalen Nro. XII. des Jahrgangs von 1820 einige Stellen auszuheben, worin der Zustand der deutschen Städte in jener alten Zeit geschildert wird.

»Die Mensch häuften sich in ihnen (in den Städten) schnell, drängten sich in dem engen Raum und den noch engern Straßen dicht aneinander, lebten immer in Schmutz und Unreinlichkeit, weil der Vorrath an Leinwand noch gering, für öffentliche und häusliche Sauberkeit – Abtritte gab es nicht – noch nicht gefordert war. So brachen Seuchen aus, welche sich dem Landvolke mittheilten, und einigemal das Drittheil der Bevölkerung weggerafft haben sollen. Dem ungeachtet blühten die Städte immer herrlicher auf. . . . «

»Auf die erste neue Arbeit des Zeitalters, den Bau von Stadtmauern, folgte der Bau von Rathhäusern, Marktplätzen, öffentlichen Brunnen u. s. w. – Im 12. Jahrhunderte wurden Ziegelbrennereien häufig; Schornsteine erst im 14. Jahrhundert. . . . «

»Ueberhaupt zeigte sich in allen öffentlichen Anlagen Größe und Pracht, in den Anlagen des Einzelnen noch immer Armseligkeit; man sah nur Bürgerhäuser von Holz, mit Stroh gedeckt, ohne Rauchfang. . . . «

»Der Menschenstamm war kräftig und stark; die siechen Stubenarbeiter der jetzigen Zeit gab es nicht; dagegen lebten aber die Fürsten noch weniger gemächlich und bequem, als jetzt die Bauern. . . . «

»So scheint, daß ein Viertel der Bevölkerung in den befestigten Ortschaften gelebt habe.« Als ein Beweis des großen Volközahl in den Städten wird angeführt, daß unter Kaiser Heinrich V. zu Oppenheim über 1200 Einwohner verbrannt sind.

Wenn wir dieses Bild der damaligen Zeit auf die Stadt Botzen übertragen (und wir haben wohl keinen Grund, uns von dieser ein anderes und besseres vorzustellen), so verschwindet das Unglaubliche, was in der Angabe von 1500, in einer einzigen einzigen Feuersbrunst, verbrannten Menschen, nach unsere heutigen Begriffen zu liegen scheint, großentheils. Auch wird ohne Grund vermuthet, Botzens damalige Bevölkerung sey kleiner als die heutige gewesen. Ohne Zweifel war sie viel größer. – Alles, was konnte, suchte Schutz innerhalb der befestigten Städten. Der Herr Hofrath Freiherr von Hormayr behauptet B. II. S. 164. seine sämmtl. Werke im Allgemeinen, Tirols Bevölkerung sey in jenen Tagen (zur Zeit der im 13. Jahrhundert ausgestorbenen Grafen von Eppan) offenbar weit zahlreicher als heute gewesen.

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1819–18295 Schlagwörter

    Wohlthätigkeit und Spenden für Armenfonds in Bozen, Sillian und Schlanders

    Im Jahr 1822 erbrachten Spenden aus dem Verkauf von Entschuldigungskarten in Bozen und dem Gerichtsbezirk Schlanders 480 Gulden für den Bau eines Zwangs-Arbeitshauses. Insbesondere der Bauernstand in Schlanders trug maßgeblich dazu bei. Auch in Sillian wuchs die vom Landrichter Kaspar von Ottenthal initiierte Spendenaktion für Hausarme statt traditioneller Neujahrswünsche.

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"Historische Betrachtungen über die ehemaligen Feuersbrünste und die Bevölkerung von Bozen." Der Bote für Tirol, 31. Januar 1822. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/31.01.1822/149803/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1822-01-31-historische-betrachtungen-ueber-die-ehemaligen-feuersbruenste-und-die-bevoelkeru