Versuche mit chinesischem Bergreis im Kreis Bozen im Jahre 1820
Im Jahr 1820 wurden im Kreis Bozen Versuche zur Anpflanzung von chinesischem Bergreis durchgeführt. Während der Anbau in höher gelegenen Orten wegen ungünstiger Witterung misslang, erzielten Standorte wie Bozen, Lana, Meran, Andrian und Tramin positive Ergebnisse. Kreishauptmann Ritter von Hauer plant für das Folgejahr weitere Versuche in der Bozner Talebene.
Vollständige Transkription
Anhang.
Ueber die Resultate der Pflanzungs-Versuche des chinesischen Bergreises im Jahre 1820 im Kreisbezirke Botzen.
Die im Jahre 1819 begonnenen Versuche mit Pflanzung des chinesischen Bergreises wurden auch im Jahre 1820 hierlandes fortgesetzt, und in so fern es den Kreis Botzen betrifft, sind wir in den Stand gesetzt, hierüber folgende Nachrichten zu ertheilen:
Der ganze Saamen-Vorrath des Herrn Kreishauptmanns, Ritter v. Hauer, bestund in 590 Körnern ächten, 451 Körnern bereits in Botzen, und 24 Körnern in Ungarn erzielten chinesischen Bergreises, die von demselben unter 18 Landwirthe vertheilt wurden. Jedoch nur 8 Pflanzen waren so glücklich wirkliche Erzeugnisse zu erhalten.
In den Gebirgsorten zu Castelruth, Gufidaun, Ritten, Schlanders, Kaltern und Sarnthal sind die Versuche gänzlich mißlungen, das sehr kalte Klima dieser Gegenden, das beim frühern Anbau durch Frost diesem Saamen schadet, und bei spätem Anbau nicht hinlänglich Zeit zur Anreifung darbiethet – die im verflossenen Jahre ungewöhnlich oft eingetretenen kalten Winde und Regen, auch die theilweisen Hagelwetter waren die Ursachen dieses Mißlingens.
Die Orte, wo aber diese Pflanzung gelang, waren Bozen, Andrian, Mittellana, Meran und Tramin.
Die Resultate der Versuche sind folgende: Von 211 Saamenkörnern ächt chinesischer Herkunft keimten 88 auf, welche zusammen 16633 Körner lieferten, folglich sich im Durchschnitte 189fach vervielfältigten.
Von 204 Körnern derlei Bergreises, der im Jahre 1819 in Botzen erzeugt wurde, keimten 34 Körner auf, welche 1320 Körner trugen, folglich im Durchschnitte sich 39fach vervielfältigten. Von 24 Körnern, welche in Ungarn im Jahre 1819 erzeugt wurden, keimten endlich 9 Körner, welche eine Fechsung von 2292 Körnern lieferten, folglich sich 255fach vervielfältigten.
Die Pflanzung geschah bei allen diesen Versuchen im April, und März v. J., dabei verdient auch noch bemerkt zu werden, daß jene Körner, welche in Tramin gepflanzt wurden, zweimal bei 13 Tagen unter dem Etschwasser stunden, was denselben jedoch nicht schadete.
Diese Versuche wurden durch den thätigen Herrn Kreishauptmann v. Hauer zu Botzen im künftigen Jahre mit einem größern Vorrathe in drei verschiedenen Orten in der Thal-Ebne zu Botzen gemacht werden, deren Resultate sohin ungesäumt durch diese Blätter werden öffentlich bekannt gemacht werden.
Die allgemeinen Bemerkungen über den Bau dieses Bergreises im Kreise Botzen behalten wir uns bevor unsern Lesern nachträglich zu liefern, und können hier zugleich den Wunsch nicht bergen, daß auch alle übrigen Herrn Landwirthe, welche mit dem Anbau dieses Reises im verflossenen Jahre Versuche gemacht haben, die Resultate derselben mit ihren Bemerkungen ehestens zur Kenntniß der Regierung bringen möchten.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1819–18293 Schlagwörter
Arbeiten an den Wassergebäuden von Eisack und Etsch
An den Wassergebäuden von Eisack und Etsch werden derzeit zahlreiche Arbeiter beschäftigt. Der k. k. Kreis-Ingenieur sucht weiterhin Arbeitskräfte gegen einen angemessenen Taglohn.
- Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter
Die Hohlepfannfeuer in der Gegend von Meran
Ein Bericht über die Entstehung der Hohlepfannfeuer bei Meran, die auf die Pestjahre 1634–1635 zurückgeführt werden. Damals dienten die Feuer den in die Berge Geflüchteten als Lebenszeichen. Im Jahr 1821 wurden die Feuer aus Sorge vor Brandgefahren nur spärlich entzündet.
1821 im Überblick
Das Jahr 1821 in Meran war geprägt von Berichten über die lokale Landwirtschaft, darunter der Weinbau und erfolgreiche Anbauversuche mit chinesischem Bergreis. Infrastrukturarbeiten und wasserbauliche Maßnahmen an den Flüssen standen im Fokus, begleitet von Naturereignissen wie dem Hochwasser im Mai, das die Verkehrsverbindungen störte. Ergänzt wurde das Jahr durch amtliche Auszeichnungen für Verdienste um die Landesverteidigung und die Beibehaltung traditioneller Bräuche. →
Zitieren & Teilen
"Versuche mit chinesischem Bergreis im Kreis Bozen im Jahre 1820." Der Bote für Tirol, 30. April 1821. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/30.04.1821/149724/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1821-04-30-versuche-mit-chinesischem-bergreis-im-kreis-bozen-im-jahre-1820