Nachwirkungen der Volksmission und Sonntagsruhe in Meran
Ein Bericht aus Meran zieht eine erste Bilanz der jüngst abgehaltenen Volksmission und hebt die rege Andacht der Gläubigen hervor. Zugleich wird scharfe Kritik daran geübt, dass die meisten Kaufleute trotz kirchlicher Mahnungen das Gebot der Sonntagsruhe weiterhin missachten.
Vollständige Transkription
Oesterreich.
† Meran, 14. Nov. Jetzt schon eine Rundschau über die Früchte der Mission zu halten, wäre voreilig, da Bekehrungen sich der Natur der Sache nach mehr zurückziehen, als vordrängen. Der hochw. P. Patiß äußerte sich im Allgemeinen sehr günstig über die Theilnahme des Volkes an derselben, und manche gute Wirkungen liegen klar am Tage. Das mit Blumengewinden geschmückte Missionskreuz steht allstündlich bis in die Nacht um sich her Schaaren von Knieenden, die voll Vertrauen eine kleine Gebetsspende im Vorbeigehen bringen, um den Ablaß zu gewinnen. - Ein forschendes Auge möchte wohl bei Vielen noch größere Andacht im Innern gewähren, als sie äußerlich an den Tag legen. - Wie es jedoch hienieden kein Licht ohne Schatten gibt, so fehlte es auch andererseits nicht an Menschen, die, nachdem sie bisher mäuschenstill geschwiegen, oder wie matte Fliegen umhergesessen, nun, nachdem die Patres fortgezogen, zu kläffen, zu witzeln und zu verdrehen anfangen. - Läßt man sie! Aber Eins ist der Rede werth, da es dem hochw. P. Superior den bittersten Schmerz verursacht hat, nämlich: daß trotz seiner dringenden Ermahnungen, die er im Namen des lebendigen Gottes an die Inhaber der Kaufläden gerichtet, die Sonn- und Festtage nicht ferner zu entweihen, trotz der öffentlich geäußerten guten Vorsätze, dennoch am ersten Sonntag, wie zum Hohne, die meisten Läden offen standen, bis auf einige, deren Besitzer nicht erst auf einen Polizeibefehl oder eine städtische Uebereinkunft warteten, um dem Geiste des kirchlichen Gebotes nachzukommen, sondern ohne viel zu fragen, thaten, was ihr Gewissen ihnen als recht vorschrieb. *) Uebrigens muß ich noch hinzufügen, daß die Kosten der Mission vom Herrn Dekan getragen wurden.
*) Wir bemerken, daß sich dieß nicht auf die Spezereigewölbe bezieht, bei denen die Nothwendigkeit eintritt, daß sie auch an Sonn- und Feiertagen zu gewissen Stunden offen gehalten werden.
1852 im Überblick
Das Jahr 1852 war in Meran stark von landwirtschaftlichen Krisen durch anhaltende Pilzkrankheiten im Weinbau und Naturereignissen geprägt, die den Strukturwandel voran trieben. Gleichzeitig entwickelten sich Infrastrukturprojekte wie die Etschregulierung und der Kur- sowie Schulbetrieb weiter, während politische Veränderungen des Neoabsolutismus auf lokaler Ebene durch ziviles Engagement abgefedert wurden. →
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"Nachwirkungen der Volksmission und Sonntagsruhe in Meran." Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken, 18. November 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/21006/1/18.11.1852/211442/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-11-18-nachwirkungen-der-volksmission-und-sonntagsruhe-in-meran