Die Feier des Kaisergeburtstags in Meran
Bericht aus Meran über die kirchliche Begehung des Kaisergeburtstags im August 1852. Die Bürgerschaft nahm zahlreich am Hochamt teil, während 60 Priester im Rahmen geistlicher Exerzitien im Benediktinerkollegium für das Staatsoberhaupt beteten.
Vollständige Transkription
Oesterreich.
x Meran, 20. August. Ich kann Ihnen zwar heuer keinen außergewöhnlichen, merkwürdigen Umstand anführen, wodurch sich, wie es die zwei letztvergangenen Jahre der Fall war, die Feier unseres geliebtesten Kaisers besonders ausgezeichnet hätte; dennoch kann ich es nicht unterlassen, Sie an der Freude unserer Herzen Antheil nehmen zu lassen, indem ich Ihnen zwar Nichts von den Festlichkeiten des Tages, von der zu Ehren des Kaisers veranstalteten Tafel, von dem das Ganze beschließenden herrlichen Zapfenstreiche berichte, wohl aber dafür einen Umstand erwähne, der in meinen Augen die kostbarsten Triumphpforten und Beleuchtungen aufwiegt und unaussprechlich unsere Herzen gerührt hat — ich meine die innige, religiöse Theilnahme, welche die hiesigen Bürger an der kirchlichen Feier dieses Tages genommen haben. Es ist zwar schon der Anblick der Beamteten höchst erhebend, wenn man sie an diesem Tage in voller Amtstracht erblickt; wenn aber auch eine zahlreiche Bürgerschaft freiwillig, gedrängt vom Gefühle kindlicher Liebe alle ihre Geschäfte auf die Seite schiebt, nicht etwa um den festlichen Militär-Aufzug anzugaffen, oder sich an den von der Musikbande ausgeführten Stücken zu ergötzen, sondern um beim Hochamte zu erscheinen und da für den Landesvater Licht und Kraft von Dem zu erbitten, in dessen Händen die Herzen der Könige sind; wenn Mütter mit ihren Kleinen zu Hause bei dem gewöhnlichen vorgesprochenen Gebete am heutigen Tage auch ein besonderes Vaterunser für den Kaiser nicht vergessen; wenn endlich fast allgemein aus den Gesichtern jene herzliche Freude hervorleuchtet, welche christlich und gut erzogene Kinder an der Geburts- oder Namensfeier ihrer Eltern zu empfinden pflegen — o dann kann man sich, so düster und traurig auch die Zeitläufte sind, des freudigen Ausrufes nicht entschlagen: „Land der kindlichen Liebe zu dem theuren Landesvater, Land des lebendigen Glaubens verzage nicht, es wird dir wohl ergehen!“ Es erhob aber noch eine andere ansehnliche Schaar Beter — wenn auch den Augen der Menge entrückt — ihre Hände zum Himmel, Gnade herabflehend auf den geliebten Kaiser — eine Schaar von 60 Priestern, welche vom 16. bis 20. d. M. im hiesigen Benedictiner-Collegium unter der Leitung des ehrwürdigen P. Thuiner den geistlichen Exercitien oblagen. Im innigen Bewußtsein ihrer erhabenen Sendung, dem Moses gleich, ihre Arme betend zu Gott zu erheben; während des Volkes jugendliche Kraft sich in den heißen Kampf gegen die Feinde stürzt, flehte sie mit besonderer Innigkeit an diesem Tage für den geliebten Landesvater. Ueber die Priester-Exercitien selbst erlassen Sie mir jeden Bericht, der doch für so Manchen überflüssig, für Viele unerklärlich wäre. Als die versammelten Priester dem erleuchteten Gottesmann ihren wärmsten Dank für dessen Bemühungen aussprechen, machte dieser die treffliche Bemerkung: „Ja gewiß, ich weiß es aus Erfahrung, die Gnaden, die der Herr bei den Geistesübungen austheilt, sind namenlos; die Exercitien“, setzte er, deren Freunde und Feinde genau bezeichnend, hinzu, „sind ein sehr löblicher Mißbrauch!“ Gott vergelte es ihm und segne und erhalte unsern lieben Kaiser!
Auch in diesem Monat
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"Die Feier des Kaisergeburtstags in Meran." Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken, 24. August 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/21006/1/24.08.1852/211370/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-08-24-die-feier-des-kaisergeburtstags-in-meran