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Auszeichnung des Bürgermeisters Valentin Haller mit dem goldenen Verdienstkreuz

Zusammenfassung

Anlässlich des kaiserlichen Namensfestes wird dem langjährigen Meraner Bürgermeister Valentin Haller das goldene Verdienstkreuz für seine Verdienste um Spital, Schulwesen und Bürgerschaft verliehen. Nach einer Ansprache des Bezirkshauptmanns verspricht Haller, die Auszeichnung dereinst der Stadt zu vermachen, worauf ein feierliches Bankett für den Geehrten folgt.

Vollständige Transkription

Oesterreich.

Meran, 8. October. Es gereicht mir zu ganz besonderer Freude, Ihnen berichten zu können, wie die a. h. Huld Sr. kais. Majestät wie vor Kurzem Höchstdessen Geburtstag, so auch jetzt Höchstdessen Namensfest bei uns unaussprechlich erhöht und verherrlicht hat. Dieses Fest ward nämlich auserkoren, um die Brust unseres ausgezeichneten Hrn. Bürgermeisters, V. Haller, feierlich mit dem goldenen Verdienstkreuze zu schmücken, womit die Majestät unseres allergnädigsten Kaisers mit Decret vom 7. d. Mts. dessen hohe Verdienste um den Staat und insbesondere um diese Stadtgemeinde auszuzeichnen und zu belohnen geruthen. Nach dem feierlichen Hochamte begaben sich demgemäß die Behörden und die Honoratioren der Stadt nebst mehreren Fremden (bei denen wohl nicht leicht Einer bei uns die Stadt so rühmlich vertreten möchte) in den geschmackvoll decorirten Magistratssaal, wo der vortreffliche Hr. Bezirkshauptmann die vielen Verdienste des Gefeierten glänzend hervorhob. Er erinnerte an die herrliche Schöpfung, die Hr. Haller schon im Beginne seiner 38jährigen Amtsthätigkeit, ohne sich durch die kleinlichten Einwendungen kaltherziger Pedanten beirren zu lassen, durch die Hilfe eigener großmüthiger Geschenke und bedeutender von ihm betriebenen Beiträge gegen alle Erwartungen hervorrief — an den Neubau und die zweckmäßige Reorganisation des städtischen Spitals. Er wies darauf hin, von welchem Geiste der Gefeierte dabei beseelt gewesen sei, indem er im Jahre 1836, als ringsum die Cholera ihre furchtbare Sense schwang, nicht bloß zeitig die weisesten Anstalten zur Abwehr derselben traf, sondern auch mit unbegränzter Selbsthingebung selbst in´s Krankenhaus sich begab, wo er mit väterlicher Sorgfalt Alles leitete und überwachte. Mit Recht sagte dann der verehrte Hr. Redner, daß Hr. Bürgermeister Haller sein Hauptaugenmerk immer auf den Glanz- und Ehrenpunkt der Stadt Meran, auf die so ausgezeichnete Gymnasial- Lehranstalt gerichtet habe, wo er vom J. 1827—1848 die Stelle eines Vize-Directors versah. Was er durch unerschöpfliche Spenden an nothleidende würdige Studenten, durch Ermunterung und Ermahnungen, durch Empfehlungen der vorzüglicheren Studenten auch in der ferne gethan, ist unvergeßlich. Es steht im Buche des Lebens aufgeschrieben, und wir wollen seiner demüthigen Bescheidenheit durch eine Aufzählung nicht zu nahe treten. Nur sei mir erlaubt, daß es seiner rastlosen Mitwirkung zuzuschreiben sei, wenn die nöthigen Mittel herbeigeschafft und die Lehranstalt zu einem Obergymnasium erklärt wurde. Wenn ich nicht befürchten müßte, zu weitschweifig zu werden, würde ich aus genannter Rede die hohen Verdienste des Hrn. Bürgermeister um die Verschönerung der Stadt, um das hiesige Schützenwesen, wie ganz besonders seine patriotischen, edlen Gesinnungen in den Wirren des 48ger Jahres hervorheben, doch sei genug, wenn ich sage, daß seine unermüdliche Thätigkeit, durch des seltensten Seelenadel, durch die großmüthigste Uneigennützigkeit, durch die leibreichste Aufopferung auf eine Höhe potenzirt wurde, die der a. h. Anerkennung vorzugsweise würdig war. — Der Hr. Bezirksrichter, heftete ihm nach vollendeter Rede das goldene Verdienstkreuz an die Brust, wobei auf einen gegebenen Wink unter den Fenstern feierlich die Kaiserhymne erschallte.

Hierauf antwortete Hr. Haller mit gewohnter inniger Bescheidenheit — nicht als eine Belohnung betrachte er dieses Ehrenzeichen, sondern als Ausfluß allerhöchster Gnade, denn, wenn er immer Gutes bezweckt und zum Theil bewerkstelligt habe, so gebühre Gott die Ehre, der ihn als seine heiligste Pflicht es erkennen ließ, wie und wo immer das Wohl der Stadt zu befördern und auf jeden Fall seinen theuren Eltern die Anerkennung, die ihm diese Gesinnungen ins Herz gepflanzt. Wie immer habe er auch in diesem feierlichen Momente pflichtgemäß das Wohl der Stadt nur im Auge und verspreche daher öffentlich, dieses ihm so theure Merkmal allerhöchster Huld, so werth und lieb es auch seinen Kindern wäre, nach seinem Tode der Stadt zu hinterlassen, damit es allen seinen Nachfolgern eine Triebfeder zur gewissenhaftesten Pflichterfüllung sein. – Unglaublich, aber doch wahr – bei der frischen Erinnerung an so seltene Verdienste, bei diesen gerade jetzt ausgesprochenen so edlen Gesinnungen öffnet sich kein Mund, um die schuldige Erkenntlichkeit auszudrücken, eine abscheuliche Stille herrschte durch den Saal. Und es befanden sich doch Leute darunter, die ganz besonders vom Hrn. Bürgermeister mit Wohlthaten überhäuft waren, und die Einen unwillkürlich an jene Parasiten erinnerten, von denen Jemand schreibt, daß ihr Gedärm länger sei, als ihr Gedächtniß.

Wir fühlten uns aber daher dem ausgezeichneten Hrn. Bezirkshauptmann zu ganz besonderem Danke verpflichtet, daß er mit einem Tiefblicke in die Herzen der Menschen die gutgesinnte Bürgerschaft vertrat und dem Gefeierten zu Ehren ein Gastmahl in seinem Hause bereite, wozu er die Häupter der kaiserlichen und städtischen Behörden, des Clerus, des Gymnasial-Lehrkörpers, der Bürgergarde und des Hauptschießstandes einlud, und wo sich die herzlichsten lautesten Ergüsse der Liebe, Dankbarkeit und Hochachtung für den Gefeierten in lauten Toasten kundgaben. Der schönste Lohn für den hochverdienten Mann ist die Anerkennung Sr. Majestät und die begeisterte Liebe und Dankbarkeit der Guten. In dieser Liebe und Dankbarkeit wiederhole ich hier die Schlußworte oben berührter Rede: „Hr. Bürgermeister! Möge Ihre Brust durch viele Jahre mit diesem so schmeichelhaften Merkmale dee a. h. Gnade Sr. Maj. unsers ritterlichen Kaisers geziert bleiben, mögen Sie in demselben sowie in der allgemeinen Freude der Bürgerschaft über die Ihnen zu Theil gewordene Auszeichnung einen reichlichen Ersatz für die oft bittern Tropfen finden, mit welchen unausweichbar nicht selten der Kelch eines Bürgermeisters gemischt wird!“

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"Auszeichnung des Bürgermeisters Valentin Haller mit dem goldenen Verdienstkreuz." Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken, 11. Oktober 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/21006/1/11.10.1851/211112/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-10-11-auszeichnung-des-buergermeisters-valentin-haller-mit-dem-goldenen-verdienstkreuz