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Öffentlicher Dank der Gemeinden Algund und Gratsch für Spenden nach Unwetterschäden

Zusammenfassung

Die Bürgermeister von Algund und Gratsch sprechen ihren öffentlichen Dank für Spendengelder in Höhe von 11.000 Gulden aus, die nach schweren Unwetterschäden von privaten Wohltätern gesammelt wurden. Der Betrag wurde im Verhältnis von zwei zu eins zwischen den beiden Nachbargemeinden aufgeteilt.

Vollständige Transkription

Oeffentlicher Dank.

Algund, 4. Okt. Schwer sind die zwei Gemeinden Algund und Gratsch bei Meran im verflossenen und auch im heurigen Jahre durch Elementarereignisse und Wetterschläge geprüft worden. Hart haben die Getroffenen die Verwüstung ihrer Felder, die Zerstörung ihrer Häuser und den Verlust ihrer Früchte, ja auch ihres ganzen Eigenthums empfunden. Doch ihr Gottesvertrauen haben sie nicht verloren, zu den Höhen haben sie aufgeschaut, von wo oft allein nur Hülfe kommen kann - und der Herr hat die Herzen der Menschen gelenkt, und reiche Gaben sind geflossen den Hülferufenden, die dadurch aus ihrer Noth Rettung gefunden haben.

Furchtbar ist der Herr in seinen Wettern, drohend, wenn sein Finger winkt, daß die Elemente seiner Schöpfung sich empören dürfen; aber alles verherrlicht nur den Glanz seiner Allmacht und die Größe seiner Güte. Ist der Anblick der Zerstörung seines Besitzes entmuthigend zum Verzagen, der Schmerz über den Verlust seiner Habe ein großer, so ist das Gefühl der Freude nicht minder groß und in gleichem Maße aufrichtend und erhebend; wenn der Verunglückte sieht, wie sein Nachbar, sein Freund ihm helfend unter die Arme greift, wie nahe und ferne Brüder ihm ihr Entbehrliches zur Hülfe senden, ja sogar das Nothwendige mit ihm theilen.

Dieses Gefühl ist in uns geweckt und lebendig geworden, wir haben es empfunden, wie wohl es thut, in der Noth Hülfe zu erhalten, Wohlthaten zu empfangen; es lehnt sich an die Freude an, sich auch im Unglücke gekannt und die Hand der Freundschaft gereicht zu sehen. Erst jezt begreifen wir ganz das Glück derjenigen, welche in der Lage sind, Armen, Bedrängten Hülfe bringen, ihre Noth heben, ihren Schmerz lindern zu können. Wir werden dieses Gefühl in uns bewahren, und nicht vergessen, was wir bei fremdem Unglücke thun sollen, wenn wir von dem erhaltenen Schlage uns aufgerichtet, uns wieder in den Stand gesetzt haben, mit andern Nothleidenden theilen zu können.

Unsere Wohlthäter, welche sich im Gefühle dieses Glückes freuen, haben es nicht unterlassen, sich den Vollgenuß desselben zu verschaffen: 11,000 fl. RW. haben sie in unserm Unglücke zu unserer Hülfe gesteuert!

Jetzt, da die beiden Gemeinden Algund u. Gratsch diese große Unterstützung von Privaten nach Verhältniß unter sich getheilt haben, daß Algund zwei Theile und Gratsch einen Theil daraus erhalten hat, finden die beiden Vorstände dieser Gemeinden den schicklichsten Zeitpunkt, die Summe der erhaltenen Beiträge zu veröffentlichen, und im Namen aller damit Unterstützten den wärmsten Dank ihres Herzens gegen alle Wohlthäter auszusprechen. Gott segne sie, und vergelte ihnen hundertfach die in unserer Noth gespendeten Gaben!

Joseph Ladurner,

Bürgermeister von Algund.

Franz Ladurner,

Bürgermeister von Gratsch.

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"Öffentlicher Dank der Gemeinden Algund und Gratsch für Spenden nach Unwetterschäden." Der Bote für Tirol, 7. Oktober 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/07.10.1851/153518/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-10-07-oeffentlicher-dank-der-gemeinden-algund-und-gratsch-fuer-spenden-nach-unwettersc