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Streit um die Verleihung des Ehrenbürgerrechts in Meran

Zusammenfassung

Eine Zuschrift im Boten für Tirol äußert scharfe Kritik an der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an einen Kurgast in Meran. Dem Geehrten wird vorgeworfen, das Stadtwappen und den Bürgerausschuss öffentlich verspottet zu haben, während der Gemeinderat aus Furcht vor einer einflussreichen Partei eingelenkt habe.

Vollständige Transkription

An die löbl. Redaktion des Tirolerboten.

Da die Redaktion der „Innsbrucker Zeitung“ der hier folgenden Erwiderung die Aufnahme versagte, so werden Sie um Veröffentlichung derselben ersucht.

Von der Etsch. Erwiderung auf die in Nro. 144 der „Innsbrucker Zeitung“ gestellte Anfrage an die öffentliche Meinung:

Von der Etsch, vermuthlich aus dem kurgastlichen Städtchen Meran, wird in der Innsbrucker Zeitung die Anfrage an die öffentliche Meinung gestellt, ob eine freie Gemeinde einem um sie hochverdienten Manne und liebgewordenem Kurgaste das Ehrenbürgerrecht verleihen dürfe, zumal wenn solches durch Stimmeneinhelligkeit des Gemeinderathes votirt wird, oder ob sie früher mißliebige Insinuationen vor- und nachmärzlicher Hellseher anhören müsse, deren Begriffe von Bürgerautonomie große Wahlverwandtschaft zur Sonnenfinsterniß des künftigen Montags haben? Wir bedauern, daß das gefürchtete Halblicht der nahen Sonnenfinsterniß auf die Seh-Nerven des Hrn. Anfragesellers jetzt schon so schwächend einwirkte, daß er wesentlich verschiedene Dinge nicht mehr zu unterscheiden vermochte. Wir können die Anfrage in ihrer Allgemeinheit nur bejahen, denn wo in der Welt sollte eine Gemeinde, selbst in despotisch regierten Staaten, nicht das Recht haben, einem um sie hochverdienten Manne und liebgewordenen Gaste ihre Dankbarkeit zuzuwenden, und das Edelste was sie hat, einen Theil ihrer Ehre, das Bürgerrecht, zuzuerkennen? Dagegen läßt sich nichts einwenden, da braucht es weder Insinuationen dafür noch dawider. — Allein was sagt die öffentliche Meinung zum speziellen Falle, von dem in der Anfrage die Rede ist? Darf eine Gemeinde, ohne sich selbst zu entehren, einem auch noch so liebgewordenem Kurgaste, der in muthwilliger Gesellschaft das Stadt-Wappen mit langem Zopf und nach oben mit zwei länglich zugespitzten Arabesken ausschmückt u. höhnt, der den Bürgerausschuß in einem öffentlichen Aufzuge mit Eselsohren erscheinen läßt, das Ehrenbürgerrecht verleihen? Darf ein Bürgermeister, welcher mit Recht entrüstet über die Profanirung des Stadt-Wappens es mit eigener Hand von der Mauer gerissen und in seine Tasche gesteckt hat, später, ohne sich selbst zu beschämen, einen solchen Kurgast als hochverdienten Mann dem Gemeinderathe zum Ehrenbürger in Antrag bringen? Kann von Stimmeneinhelligkeit des Gemeinderathes die Rede sein, wenn nach dem allerdings einstimmigen Wahlakte Männer aus der Gemeinde-Vertretung selbst erklären, sie wären mit dem Antrag nicht einverstanden gewesen, sie hätten gewußt, daß die allgemeine Stimmung der Stadt dagegen sei, sie hätten aber geschwiegen, um sich nicht den Haß einer größeren Partei zuzuziehen, die an dem ihr liebgewordenenen Kurgaste freilich hohe Verdienste erblickt? Ist nicht vielmehr der ganze Akt eine Persiflage auf die Ehre der Bürger, in der die hohen Verdienste des liebgewordenenen Kurgastes fast ihre Rechtfertigung finden? Und dürfen endlich Stimmen, welche, auf die fortwährende Selbstbeschämung hinweisend, die Ehre der Stadt wahren möchten, mißliebige Insinuationen vor- u. nachmärzlicher Hellseher genannt werden? — Ja, sie mögen mißliebig sein; die öffentliche Meinung urtheile aber bei wem?

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"Streit um die Verleihung des Ehrenbürgerrechts in Meran." Der Bote für Tirol, 24. Juli 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/24.07.1851/153456/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-07-24-streit-um-die-verleihung-des-ehrenbuergerrechts-in-meran