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Militärlosung im Landgericht Meran und Betrachtungen über die Heereskosten

Zusammenfassung

Ein Bericht über den ruhigen Verlauf der Militärlosung im Gerichtsbezirk Meran mündet in eine eingehende Kritik der hohen Heeresausgaben und des Ausnahmezustands in Österreich. Angesichts des massiven Staatsdefizits und vernachlässigter Schulen fordert der Verfasser eine rasche Reduzierung der Armee.

Vollständige Transkription

P. Meran, 8. Nov. Die Militärloosung der Gemeinden des hierortigen Landgerichtes ist in aller Ordnung und Ruhe vor sich gegangen. Nur die Bauern von Schönna gaben sich anfangs in einem Anfluge ihrer bekannten Widerhaarigkeit das Ansehen, als ob sie es auf eine dringlichere Einladung abgesehen hätten; nachgerade aber zeigte es sich, daß auch sie keine Ausnahme machen wollten. Die frühere allgemeine Abneigung gegen den Waffendienst scheint sich zu mildern, seit die Leute sich den Krieg und das Soldatenleben mit eigenen Augen mitangesehen und das Schauerliche alter Erzählungen und Mährchen auf das gehörige Maß beschränkt worden ist.

Bei Gelegenheit dieser Rekrutirung können wir nicht umhin unseres gewaffneten Friedens zu gedenken. Italien und Ungarn sind niedergekämpft und haben alle Möglichkeit sich bald wieder zu erheben verloren, das Ausland weit entfernt Oesterreich zu beunruhigen verlangt im Gegentheit nichts anderes, als daß nur seine Ruhe nicht gestört werde, und so glaubten wir auf dem Punkt unserer sehnlichsten Erwartungen angelangt zu sein, daß der Kaiser sein Schwert mit der Palme vertausche. Wir verstiegen uns dabei zu dem sanguinischen Verlangen nicht, daß auch in den wiedereroberten Provinzen ohne Aufhalt ein solcher Zustand eintreten sollte, als ob nichts vorgefallen wäre, denn eine Revolution schließt sich nicht so urplötzlich als sie ausbricht: allein wenn das Belagerungswesen anstatt aufzuhören selbst auf friedliche Landestheile übergreift, während man in andern ruhigen Kronländern ganze Kriegsheere aufstellt, wenn die Ausnahmszustände zur Regel gemacht werden und bei allem dem keine Aussicht vorhanden ist, daß eine Versammlung von Volksvertretern über derlei Angelegenheiten an die Regierung eine Anfrage stellen könnte, häuft sich aus solchen gewaltigen Maßnamen Stoff genug um allerlei ernstliche Bedenken rege zu machen. Wir hegten bisher zu große Vertrauen zum Ministerium, als daß wir wie manche andere Schwarzseher hinter diesen Rüstungen einen Staatsstreich absolutistischer Art wittern könnten, und übergehen daher alle Befürchtungen die sich auf diesem Gebiethe ergehen; um so aufrichtiger aber wollen wir auf einen Punkt hinweisen, der unter allen Umständen tief in das Leben greift – auf die Geldfrage. Von der Ziffer unseres ungeheuren Militärstandes haben wir vor der Hand natürlich keine genaue Kenntniß, diese hat sich aus den höchsten Regionen noch nicht in unsere Tiefen herabverirrt, erwägt man aber, daß sie sich aus jenen Armeen summirt, die zwei große Kriege siegreich geführt und das nebst der gewöhnlichen Militätergänzung 60,000 Honveds neu dazu gekommen, so gelangt man sicherlich zu einer maßlosen Höhe. Welcher Aufwand aus einer solchen Truppenmasse, die, wenn wir nicht irren, noch immer ihren erhöhten Kriegsgehalt bezieht erwachse, können wir wenn auch nicht ermessen doch wohl ahnen. Wir waren daher mit gerechter Befriedigung erfüllt als die gutunterrichtete allgemeine augsburger Zeitung die Nachricht brachte Minister Kraus habe mit allem Nachdrucke auf eine umfassende Reduzirung der Truppen gedrungen, und wir gestehen es, daß die wiener Presse uns eben keine Freude bereitet, als sie uns belehrte: „die Armee kann nicht reduzirt werden.“ Wohin aber soll uns das führen? Haben die tausendfachen Bedürfnisse unseres Staates keine Berechtigung den Waffen gegenüber und ist es unthunlich in die Ausgaben ein vernünftiges Gleichgewicht zu bringen? Wie lange schon harrten die ersehntesten Verbeßerungen der Staatsmaschine und die nothwendigsten Neuerungen aller Art wegen des Mangels an Geld vergebens auf den goldenen Zeitpunkt, der sie vom Papier ins Leben führen sollte, und wie stiefmütterlich karg muß sich namentlich das hochwichtige Institut die Schule behandeln lassen, und trotz allem dem legen uns die ministeriellen Ausweise ein monatliches Deficit von mehren Millionen vor! Und wie soll dieses gedeckt werden? Wohin die Fabrikation der Noten und deren Zwangscurs den Staat gebracht dürfen wir nicht erst erwähnen und die Appellation, die der Finanzminister durch die Anleihe an den Patriotismus der Steuerpflichtigen richtete, hat gleichwohl den augenblicklichen Nothbedarf geschaffen, jedoch die Frage über die nächste Zukunft nicht gelöst. Zwar wurde trotz der ohnehin so sehr gedrückten Verhältnisse eine namhafte Erhöhung des Grund-, Gebäude-, und Erwerbsteuersystems der übrigen Provinzen auch uns zugedacht, während nebenbei fleißige Sorge getragen wird neue Einkommensquellen zu entdecken; allein, unbezweifelt, daß Oesterreichs reiche Länder zukünftig bei gehöriger Verwaltung im Stande sein werden ein unvergleichlich größeres Einkommen zu bieten als es bisher der Fall war, so sind ja eben diese zu entdeckenden Goldquellen noch nicht eröffnet, ihre Canäle noch nicht gegraben, ja im Gegentheile es werden noch bedeutende Baukosten und geraume Zeit darauf verwendet werden müssen, bis sie zum Fluße gebracht werden können. Aber was indeß geschehen, wovon das Interim zehren soll, bleibt uns ein düsteres Räthsel. Wahrlich unsere Staatskasse ist durch die beständigen Aderlässe schwindsüchtig genug geworden, daß es sehr an der Zeit wäre mit allem Ernste an ihre Kräftigung zu denken, darum hoffen, ja erwarten wir mit Zuversicht, daß sehr bald dort eine Ersparniß und zwar eine umfassende vorgenommen werde, wo der Aufwand bisher maßlos gewesen, d. h. wir erwarten eine baldigste Reduktion der Armee.

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"Militärlosung im Landgericht Meran und Betrachtungen über die Heereskosten." Bozner Zeitung, 10. November 1849. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/10.11.1849/19946/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1849-11-10-militaerlosung-im-landgericht-meran-und-betrachtungen-ueber-die-heereskosten