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Eisenbahnprojekt von Verona nach Bregenz über Meran

Zusammenfassung

Ein venezianisches Bankhaus plant mit Unterstützung englischer Finanziers eine Eisenbahnlinie von Verona nach Bregenz über Meran und den Arlberg. Während das Vorhaben enorme Verkehrs- und Handelsvorteile verspricht, verweist der Bericht auf die gravierenden baulichen Hindernisse an der Töll, bei Finstermünz und am Arlberg.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Tirol.

Der Messaggiere tirolese bringt in seinem Anhang unter der Aufschrift: „Eisenbahnen“ folgenden Artikel, der ihm eben aus Venedig eingesendet worden war: „Gestützt auf reiche englische Kapitalisten und Handelsleute hat ein Bankierhaus von Venedig an Se. Majestät und die hohe Hofkammer die Bitte um Verleihung eines zeitweisen Privilegiums zum Baue einer Eisenbahn von Verona nach Bregenz, über Roveredo, Trient, Bozen, Meran, Landeck und Feldkirch, gerichtet. Im Falle Se. Majestät geruhen würde, diese Konzession zu ertheilen, wird das genannte Haus auf eigene Kosten und unter Leitung eines k. k. Ingenieurs die Vorstudien beginnen lassen, um sich über die Art und Weise zu versichern, wie sich der Uebergang über die Gebirge zwischen Meran und Landeck bewerkstelligen lassen würde, und um dann den englischen Kapitalisten einen beiläufigen Voranschlag der zur Ausführung dieses großartigen Unternehmens erforderlichen Kapitalien vorlegen zu können. Die günstige Aufnahme, welche viel minder vortheilhafte Projekte in London finden, und das direkte Interesse, welches England an einer Verbindungslinie hätte, mittelst welcher man innerhalb 70 Stunden von London nach Venedig gelangen könnte, geben die gegründete Hoffnung von der baldigen Ausführung des genannten Projektes. Es scheint unnothwendig, die ungeheuren Vortheile weitläufig aufzuzählen, welche diese Eisenbahnlinie dem Lande Tirol und Vorarlberg verschaffen würde. Große ausländische Kapitalien im Lande verwendet und ausgegeben, der Durchzug aller Reisenden, die sich von England nach Egypten, Indien und China begeben und aller jener, die von England, von Paris und von den Rheingegenden nach Italien reisen; die Schnelligkeit und Leichtigkeit der Verbindung zwischen Tirol und dem lombardisch-venetianischen Königreiche sind die Vortheile, welche Jedermann sogleich in die Augen springen und die immer größer erscheinen, je mehr man sie in Betrachtung zieht. Die hohen Behörden der Hauptstadt haben dieses Projekt mit einem Wohlwollen aufgenommen, welches der Verwendung des erwähnten Venetianer Hauses einen glücklichen Ausgang vorher sagen läßt.“ Diesem Artikel fügt der Messaggiere noch folgende Bemerkung bei: Wir können unsererseits demjenigen nur Beifall zurufen, der das besprochene große Projekt, dessen Ausführung nur äußerst vortheilhaft seyn kann, erdacht hat. Wir dürfen uns jedoch nicht täuschen, daß namentlich bei der Thöll, Finstermünz und über den Arlberg Hindernisse zu überwinden seyn werden, die wir beinahe für unüberwindbar halten möchten. Daß sie es in der That nicht seyen, wünschen wir indeß vom Herzen und die Einwohner der ganzen Provinz werden zuverlässig diesen Wunsch theilen,

1845 im Überblick

Das Jahr 1845 war in Meran von lokalen Ereignissen, der dauerhaften Verbindung des Hauses Habsburg mit der Region und frühen verkehrspolitischen Visionen geprägt. Während ein glimpflich verlaufender Brand im Januar die Hilfsbereitschaft zeigte, sorgte im März die Ernennung von Erzherzog Johanns Sohn zum Grafen von Meran und der Erwerb von Schloss Schenna für große Freude. Zudem zeugten Pläne für eine transalpine Eisenbahnverbindung von Verona nach Bregenz über Meran von den entstehenden wirtschaftlichen Ambitionen der Epoche.

Zitieren & Teilen

"Eisenbahnprojekt von Verona nach Bregenz über Meran." Der Bote für Tirol, 9. Juni 1845. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/09.06.1845/152240/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1845-06-09-eisenbahnprojekt-von-verona-nach-bregenz-ueber-meran