Theaterbericht aus Bozen
Ein satirischer Bericht aus Bozen über die örtliche Theaterbühne, die darstellerischen Eigenheiten der Schauspieler und das dargebotene Repertoire. Neben Stücken von Deinhartstein und Castelli wird auch ein Werk des Schauspielers Rabenalt aufgeführt.
Vollständige Transkription
Anhang.
Botzen, den 31. Dez. 1828. Wir haben nun auch hier ein Theater, und zwar trotz jedem der berühmtesten in Deutschland vielleicht. Denn was wir dort von neuen Manieren und übernatürlichen Anstrengungen hören, haben wir Alles daselbst im Superlativ, wie z. B. eine eigene Betonung, wodurch der Akteur nicht nur den Sinn einzelner Worte und ganzer Sätze, sondern sogar oft völliger Scenen mit freier Genialität ummodelt; ein großartiges Zwitschern, welches einzelne Leute und Ausdrücke so ganz im Strome der Rede zu verschlingen bemüht ist, daß man ihren schleppenden Alltagston nicht einmal mehr zu erkennen vermag; Attituden, die über Alle erhaben sind, welche wir bisher den Leidenschaften, oder selbst dem Wahnsinn abzulauschen Gelegenheit hatten; einen Eigensinn in Kostümen endlich, der nicht selten zwei Jahrhunderte auf einmal auf die Bühne bringt. Das ist doch wohl mehr, als der Billigste erwarten konnte. Wir wollen nicht lange mit Aufzählung der einzelnen männlichen Individuen ermüden, denn wir müssen sie alle für gleich gut erklären, und das Göthische:
„Eines tauget nicht für Alle“
hat hier eine Ausnahme erlitten, denn mit bewunderungswürdiger Fertigkeit weiß sich Jeder von ihnen in alle möglichen Fächer zu schicken.
Nicht minder macht die Wahl der Stücke dem Hrn. Regisseur Ehre. Wir sehen lauter neue, und davon wieder nur die vortrefflichsten Spiele, wie von Deinhartstein, Castelli, Vogel, ja, von zwei Musen auf einmal begünstigt, gibt uns der Schauspieler Herr Rabenalt etwas von seiner eigenen reichhaltigen poetischen Feder zum Besten. Zwei Lorbeerkränze auf Einem Haupte ist für ein so bescheidenes Haupt zu viel! —
1829 im Überblick
Im Jahr 1829 prägten kulturelle Berichte über das Theaterwesen in der Region, insbesondere Aufführungen in Bozen wie Eduard Schenks Drama „Belisar“, das öffentliche Leben. Daneben dokumentieren die Aufzeichnungen landwirtschaftliche Ereignisse in Meran, darunter die Zucht eines außergewöhnlich großen Ochsen aus Mais. Diese Ereignisse spiegeln das lokale Geschehen zwischen städtischer Kultur und regionaler Landwirtschaft wider. →
Zitieren & Teilen
"Theaterbericht aus Bozen." Der Bote für Tirol, 15. Januar 1829. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/15.01.1829/150529/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1829-01-15-theaterbericht-aus-bozen