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Die uralten Schildhöfe im Passeiertal

Zusammenfassung

Historischer Bericht über die Entstehung, adeligen Privilegien und Urkunden der zwölf mittelalterlichen Schildhöfe im Passeiertal. Der Beitrag skizziert ihren Wandel von landesfürstlichen Schutzlehen hin zu bäuerlichen Gütern sowie ihre baulichen und archivalischen Zeugnisse.

Vollständige Transkription

Anhang.

Geschichte.

Steinhaus ist einer der uralten Schildhöfe im Thale Passeier, von welchen eine Kunde zu hören den Lesern nicht unangenehm seyn dürfte. Es giebt deren im Thale zwölf, namentlich: Camion, Steinhaus, Obergereith, Untergereith (später Baumkirch), in der Kalbe, Weingart (später Granstein), Obersaltaus (nun Hauppold) und Untersaltaus, am rechten, dann Widersicht bei Jaufenburg, Endhof (nun Happerg), Bucheneck und Erbion, am linken Passer-Ufer. Ihr Ursprung reicht zurück bis zur ersten Zeit der Grafen von Vintschgau und Tirol.

Sie waren sämmtlich landesfürstliche Lehen, die nach vorhandenen Urkunden nur durch Schwert und Lanze erworben werden konnten. Die Pflicht ihrer Besitzer — sämmtlich von adelicher, wenigstens siegelmäßiger Herkunft — war die Heeresfolge, und sie bildeten nach dem Namen ihres Lehenhofes die Leibwache der Grafen und nachhinigen Fürsten von Tirol. Ihre Privilegien bestanden in einem eximirten Gerichtsstande des Burggrafen von Tirol, ohne dessen Weisung sie — Kriminalfälle ausgenommen — vor keinen Richter citirt werden konnten; weiter in der Steuerfreiheit, in der Befreiung von Militär-Einquartierung, in der Auszeichnung, vor Gericht und in der Kirche mit Schwert und Lanze zu erscheinen, dann in dem Befugnisse, innerhalb der Gränzen ihrer Besitzungen für den eigenen Tafelgebrauch zu fischen und zu jagen.

Von den Familien dieser Schildhöfe kömmt unter den Urkunden des Pfarr-Archives in St. Martin noch Folgendes vor:

Im Jahre 1317 erscheinen als Zeugen einer Obligation Bertholdus und Heinricus de Steinhaus, Egeno de Saltuzze (Saltaus), Albertus de Calbe und Cuonradus de Camyan.

Im Jahre 1384 als Siegler einer Pfandverschreibung Niclas von Chalb und Bartlein von Steinhaus, zugleich als Zeugen Dionis und Steffel Süne Heinrich von Steinhaus.

Im Jahre 1400 Hildbrandt von Passeyer (Besitzer der Veste Jauffenburg) als Siegler eines Vergleiches zwischen Petermann und Leonard von Lewenberg.

Im Jahre 1411 Jenesi von Passeyer als Zeuge eines Spruchbriefes.

Im Jahre 1419 Heinrich von Steinhaus, ein Sohn Bärtlins, als Schenker einer jährlichen Gülte Oehl für die St. Martinskirche.

Im Jahre 1420 Niclaus von Gereit der Junge als Siegler eines Reverses für Heinrich von Steinhaus.

Im Jahre 1439 Christoff Baumkircher von Baumkirch als Siegler eines Reverses für Frau Agnes im Feld.

Im Jahre 1455 Sigmund Bamkircher von Niedergereit als Zeuge eines Kaufes.

Im Jahre 1460 Herr Sigmund pamkircher und Fridreich Gereiter als Zeugen eines Vermächtnisses.

Im Jahre 1507 Cunrad Kolber zu Saltaus als Siegler eines Leibgedingbriefes.

Im Jahre 1514 der edelfeste Jacob Gereiter als Siegler eines Reverses.

Das Schloß Steinhaus gieng nach Aussterben seiner eigenen Familie auf die Ritter von Niederthor, später auf die Freiherren von Firmian, dann auf die Grafen von Sinzendorf, von diesen an das Benediktiner-Stift Marienberg, und endlich nach dessen Auflösung unter königl. baierischer Regierung an den jetzigen Besitzer, den Bauer Sebastian Prünster, über.

Dieses Schloß trägt von Außen und Innen in seiner Bauart die Spuren eines tiefen Alterthums, so wie auch der Schildhof zu Saltaus.

Von den übrigen Schildhöfen sieht man noch jene von Baumkirch, Granstein, Gereit, Camion und Erbion in ihrem alten Baue, der sich überall ähnlich ist; und ein hohes Haus mit massivem Mauerwerke, ein Paar Stuben, einer ungewöhnlich hohen, mit eiserner Thüre und eiserne Fensterbalken versehenen Kammer, nebst andern Behältnissen darstellt.

In Baumkirch sieht man an der Hausmauer ein sehr altes Fresko-Gemälde, den heiligen Christoph in ganz seltener Tracht vorstellend, und links unterhalb in einer Nische ein gleiches Bild nebst vier Wappenschildern, wovon einer das Wappen der Edlen von Baumkirch, ein anderer jenes der Herren von Auer, und ein drittes einen Jagdhund sitzend und mit einem Halsbande zeigt; der vierte hingegen ist durch Verwitterung ganz unkenntlich geworden.

Aus einem Hügel oberhalb Baumkirch, der Königssaal genannt, wurde erst vor zwei Jahren das weißmarmorne, ziemlich roh gearbeitete Kapital einer Säule ausgegraben. Der Umstand, daß Baumkirch früher den Namen Untergereit führte, macht es wahrscheinlich, daß die Baumkircher von ihrem alten Ansitze Baumkirchen unter Hall erst mit Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts sich nach Passeier übersiedelt haben, welches auch mit der Familie Kolber von Gasteig zu Saltaus, später zu St. Leonhard, geschehen seyn mochte, welche einst, unbekannt wo, im Oberinnthale seßhaft gewesen ist.

Diese beiden Familien hatten ihre eigene Gruft im Benediktiner-Kloster St. Georgenberg bei Schwaz.

Saltaus gieng von den Kolbern auf die Lingen, Junker Schneeberger, nun Freiherren von Schneeburg, und dann, wie die übrigen Schildhöfe, an Privaten über.

Nach einer Relation des Christoph Kolber von beiläufig 1540 gab es in der Vorzeit noch mehrere Schildhöfe in Passeier, wofür die noch vorhandenen uralten Gebäude, zum Beispiel der ringsum ganz mit Epheu bewachsene Thurm im Lahnthale, das schloßförmig gebaute Haus des Thurngutes außer St. Martin, dann die mit Wappen und Inschriften gezierten Gebäude von Bucha auf der Kellerlahn, und von Inner-Kammerveit oder Gerlos, nächst dem Sande, sprechende Merkmale sind.

Mehr von diesen ehrwürdigen Resten des grauen Alterthums, deren Bewohner so lange die Stammburg und die Fürsten Tirols bewachten und vertheidigen halfen, zu sprechen, gebricht es an Zeit und an Urkunden, welche am füglichsten aus dem Lehen-Archive und aus den Akten des Burggrafen-Amtes auf Tirol gesammelt werden könnten.

Uebrigens geschahen die Kriegsaufgebothe jedesmal an die Ritter von Passeier, später an die Ritter, nun Grafen von Fuchs auf Jauffenburg, welche durch die Jagdlehenbesitzer den Schildmännern den Aufbruch kund zu machen hatten.

Einer dieser Aufgebothe von Erzherzog Leopold IV. im Jahre 1407 findet sich noch im Gemeinds-Archive zu St. Leonhard vor, ohne jedoch den Feind zu benennen, wider welchen der Feldzug eröffnet wurde; als Sammelplatz der Waffenmannschaft ist die Stadt Trient bestimmt, und die Dauer des Dienstes auf vierzehn Tage bemessen.

1828 im Überblick

Das Jahr 1828 in Meran und Umgebung war geprägt von regionaler Verwaltung, lokalen Fürsorgeinitiativen und landwirtschaftlichen Themen. Während Gerichts- und Konkursangelegenheiten sowie historische Betrachtungen zu den Passeirer Schildhöfen die Verwaltung und Lokalgeschichte bestimmten, spiegelten sich im Jahresverlauf auch eine durchwachsene Ernte, wohltätige Veranstaltungen wie das kaiserliche Namensfest für das Taubstummen-Institut und praktische Ratschläge zur Baumpflege wider.

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"Die uralten Schildhöfe im Passeiertal." Der Bote für Tirol, 3. März 1828. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/03.03.1828/150438/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1828-03-03-die-uralten-schildhoefe-im-passeiertal