Historische Notizen über Herzog Friedrich IV. und die Familie Vorherr
Der Bericht beleuchtet historische Überlieferungen und Spuren zur Flucht Herzog Friedrichs IV. mit der leeren Tasche durch das Schnals- und Ötztal im Jahr 1416. Im Mittelpunkt stehen die Verdienste der Bauernfamilie Vorherr (Forcher) sowie Relikte und Zeugnisse auf dem Bergbauernhof Fineil und im Umfeld der Kartause Schnals.
Vollständige Transkription
Anhang.
Die abenteuerlichen Schicksale des aus Konstanz entflohenen Friedrichs mit der leeren Tasche sind wohl keinem Freunde vaterländischer Geschichte und Sagen fremd. Auch in diesen Blättern wurde desselben Gegenstandes schon mehrmal erwähnt, und hie und da ein neu entdeckter Zug zu diesem romantischen Gemählde, z. B. der flüchtige Friedrich vor Bludenz u. s. w. für einen künftigen Historiker oder Novellisten niedergelegt.
Merkwürdig ist auch noch diese unmittelbar an das Verweilen Friedrichs in Rosen geknüpfte Sage, der Bauer des Forcherhofes, Forherrhof, an dem bei Juval und Naturns in die Etsch mündenden Schnalserbach (unferne der von des starken Meinhard schwachem Sohne König Heinrich gestifteten Karthause Schnals) habe den auch im Oetztale nicht mehr sichern Herzog Friedrich zu dem ihm in Noth und Tod ergebenen Müller Hendel gebracht. Hiefür sey des Bauern Person und Eigen vom Herzoge für frei erklärt, und ihm ein Wappenbrief und die Siegelmäßigkeit gegeben worden. - Die Forcher, Forherr, Vorherr, waren übrigens auch zu Naturns ansäßig, und zu Elbigenalb im Lechthale, wo ihre Namen mehrfach in den Tauf- und Sterbe-Registern erscheinen. Der um Landwirtschaft und Landesverschönerung, Bauwesen und Polytechnik mehrfach verdiente königl. baierische Baurath Vorherr in München stammt aus dieser Familie. Noch sein Vater, welcher handelnd aus Tirol nach Franken kam, und beim Besuche einer Verwandten starb, hatte eben jenen Wappenbrief mit Siegel und Kapsel, die Mutter aber versetzte ihn mit noch andern Kleinigkeiten einer ihr bekannten herumwandernden Krämerin, die ihn leider nicht wieder brachte.
Sollte kein Konzept oder keine anderweitige Spur dieser höchst interessanten Urkunde vorhanden seyn? — Diesen treuen Träger seines verfolgten Herrn würden wir eben so gerne kennen lernen, als den Retter Maxens von der Martinswand, den Bergmann Ohaimb.
Uebrigens waren die Forcher, Vorherrn, ein weit verbreitetes und sehr altes Geschlecht. Zwei Bauernhöfe im Thale Schnals führen den Namen Forch, und die Forcherr, Vorherrn, waren auch im nahen Oetzthale seßhaft, und gehören unter die ältesten Landmannsgeschlechter des obern Innthales. — Daß das Frauenstift Chiemsee schon seit den Tagen der älteren Weifen und Grafen Ulrichs von Ulten, wie auch des andechsisch-tirolischen Erben, Grafen Gebhards von Hirschberg, im Oetzthale begütert war, ist urkundlich erwiesen. Die Forcherr erscheinen als Nachbarn dieser frommen Frauen. Eberhard Vorher von Umhausen und Diemut, seine Hausfrau, verkaufen im Jahre 1341 ihre Güter und Baurechte an dem würdigen Gotteshause zu Chymsee um 20 Mark Perner gewöhnlicher Meraner Münze. Heintz und Chuntz die Vorherr kommen in einer Urkunde des Klosters Chymsee im Jahre 1378 als Zeugen vor.
Die Anwesenheit Friedrichs in Fineil, wodurch die Sage von der Belohnung des Vorherrs größere Wahrscheinlichkeit erhält, bezeugt auch ein geschichtliches Denkmal in jenem Hofe, dessen Beschreibung wir voraussenden wollen. — Fineil, ein großer Bauernhof, und bis 1805 durch den Austerlitzer Unglückstag und durch den Preßburger Frieden fiel Tirol auf acht Jahre an Baiern gedieh, ein landesfürstliches Lehen, liegt eine Viertelstunde nördlich von Spechtenhaus auf dem Berge, dessen Zugang mit Lerchen besetzt ist. Angenehm ist im Sommer die Lage, und so hoch, daß man von hier das Vigilien-Kirchlein auf gleichnamigem Joche hinter und über Aspach, der Pfarre Algund bei Meran, sehen kann. Der Getreidewuchs als sehr dürftig verdient kaum eine Erwähnung. Der Wiesboden ist groß und gut. Eine uralte unter dem Landvolke vom Vater auf den Sohn fortgepflanzte Sage überlieferte es, daß sich in eben diesem Fineil 1416 Herzog Friedrich mit der leeren Tasche eine Weile aufgehalten, ehe er nach Rofen am Ferner zog. Daselbst soll er auch Schafe gehütet haben. Die Romanze von der ihn liebenden Hirtin ist bekannt. Man zeigt zu Fineil noch einen silbernen Löffel, Messer und Gabel von alter Arbeit, zum Andenken geschenkt vom fürstlichen Schäfer. Auch ein silberner Becher mit vergoldetem Reifen, bei acht Loth im Gewicht, wird vorgewiesen. Doch dieser scheint nicht von Friedrich herzurühren, denn er trägt die Jahreszahl 1567, wenn diese nicht etwa später eingegraben ward. Obwohl dem Bauer zu Fineil das todte Silber ganz unnütz ist, und er des laufenden Silbers bedürfte, so behält er doch jenes Silbergeräth sorgfältig auf, sich erfreuend über dieß Zeichen, sowohl der Anwesenheit und Erkenntlichkeit des Landesfürsten, als der Treue und Gastfreiheit seiner Väter gegen denselben.
In der Nähe von Fineil liegt die von König Heinrich, des großen Meinhards unglücklichem Sohne, in fürchterlicher Einöde gestiftete Karthause Schnals, die bis auf die Tage Josephs II. bestand, und deren Prior Sitz und Stimme auf dem Landtage hatte. — In der Nähe liegt auch das Gut Pfelders, der Cisterzienser-Abtei Stams gehörig; daher mag der damalige Abt Johannes Pusiula von Isny so frühe Kunde von Friedrichs Geschicken gehabt, und so warmen Antheil an der Wendung derselben genommen haben, obwohl sonst Adel und Prälaten wider Friedrich für seinen Bruder Ernst den Eisernen standen.
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"Historische Notizen über Herzog Friedrich IV. und die Familie Vorherr." Der Bote für Tirol, 10. Januar 1828. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/10.01.1828/150423/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1828-01-10-historische-notizen-ueber-herzog-friedrich-iv-und-die-familie-vorherr