Zum Tiroler Marmor im Vinschgau und Wipptal
Ein Artikel im Boten für Tirol erinnert an das historische Vorkommen und die Nutzung von tirolischem weißem Marmor, insbesondere aus Schlanders, Göflan, Ratschings und anderen Orten. Dabei wird auf historische Berichte des Archivars Anton Roschmann aus dem Jahr 1738 verwiesen, die den Tiroler Marmor mit dem aus Carrara vergleichen.
Vollständige Transkription
Anhang.
In diesen Blättern sind vor nun schon längerer Zeit umständliche Nachrichten von tirolischem weißem, zu Bildhauerarbeiten geeignetem Marmor geliefert worden, und man erinnert sich, daß der k. k. Hofstatuar Kißling, dem das Lob gebührt, auf diesen Gegenstand in unsern Tagen zuerst aufmerksam gemacht zu haben, kein Bedenken trug, den weißen Marmor bei Schlanders oder Göflan dem karrarischen an die Seite zu stellen. Es ist sehnlich zu wünschen, daß diese Nachrichten nicht unbenutzt bleiben. Vielleicht trägt es zur Beförderung der Sache bei, wenn gezeigt wird, daß andere verständige Männer schon längst eben so geurheilt haben, und daß der Reichhtum unseres Landes in diesem Stücke schon vor langer Zeit gekannt, und auch mehr, als in unsern Tagen, benützt war. Den Beleg hierfür finden wir in einer, im Jahre 1738 zu Innsbruck gedruckten akademischen Rede oder Abhandlung des Archivars Anton Roschmann, mit dem Titel: Reguum animale vegetabile et minerale medicum Tirolense, einer kleinen Schrift, die, so kurz und obenhinig sie auch die vorzüglichsten naturhistorischen Merkwürdigkeiten von Tirol aufzählt, immer viele schätzbare Winke und Nachrichten enthält. Auch von den tirolischen Marmorarten ist darin die Rede. Im Vinschgau bei Schlanders, sagt Roschmann, giebt es ein ganzes hohes Gebirg weißen Marmors, der an Festigkeit den von Carrara sogar übertrifft. Aus solchem Marmor hat der geschätzte Bildhauer Ingenuin Lechleitner von Brutz die schöne Statue des h. Johann von Nepomuk auf der Innbrücke (die leider hernach bei einer Ueberschwemmung im Innstrom versunken ist) gemeißelt. Ungeheuere Stücke solchen Marmors sind auf dem Inn nach Wien geliefert, und dort durch die berühmten tirolischen Künstler Strudel und Rauchmüller zur Bildung der herrlichen, zur Ehre der h. Dreifaltigkeit aufgerichteten Säule verwendet worden. Roschmann erwähnt ferner des weißen Marmorgebirges zu Ratsching bei Sterzing, wo in dem Umfang einer Stunde Weges so viele, zum Theil ziemlich regelmäßigste Steintrümmer angehäuft liegen, daß man auf den ersten Blick die Ruinen einer großen untergegangenen Stadt von Marmor zu sehen glaubt. Vor kurzer Zeit hatte man damals große Statuen von diesem Marmor im Gebirge selbst aus dem Rohen gearbeitet, und auch einen großen, mehr als 80 Zentner schweren Block nach München abgeführt. Ferner wird eines auf halbem Wege zwischen Sterzing und Innsbruck befindlichen Bruches von weißem und röthlichem Marmor erwähnt, der jedoch jenem von Rattenberg nachstehe, mit welchem die Pfarrkirche zu Innsbruck ausgeschmückt worden; dann des Marmors zu Eben, wo zu dem schon länger bekannten weißen und rothen auch gelber und schwärzlicher entdeckt worden sey. Besonders merkwürdig schien dem Hrn. Roschmann der Marmorbruch bei Brixen, aus welchem die schönen grünen Säulen zu Nymphenburg bei München, und auch jene des Hochaltars der Pfarrkirche zu Innsbruck gekommen seyen.
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"Zum Tiroler Marmor im Vinschgau und Wipptal." Der Bote für Tirol, 10. Dezember 1821. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/10.12.1821/149788/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1821-12-10-zum-tiroler-marmor-im-vinschgau-und-wipptal