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Von den Feuersbrünsten der Stadt Bozen

Zusammenfassung

Der zweite Teil der historischen Abhandlung über die Bozner Stadtbrände beschreibt das im Jahr 1598 erlassene Statut des Magistrats, das das Eindecken der Dächer mit Ziegeln vorschrieb. Diese Maßnahme bewahrte Bozen über 300 Jahre lang vor großen Feuersbrünsten. Der Artikel hebt hervor, dass feuerfeste Dächer für die Sicherheit und den Wohlstand jeder Stadt von entscheidender Bedeutung sind.

Vollständige Transkription

Anhang

Geschichte.

Von den Feuersbrünsten der Stadt Botzen. – 2/2

(Beschluß.)

Was die landesfürstliche Kommission geleistet, ist uns nicht bekannt. Die wichtigste und entscheidendste Vorsichtsmaaßregel hat aber einige Jahre später der Magistrat von Bozen selbst ergriffen. Falser sagt: »Weilen ein adelich und ehrsamer Stadtrath in pflichtmäßiger Ueberlegung beobachtet, daß die vormals erfolgte große Brunsten - - - meistens aus deme entsprungen, weilen damahl alle Häuser der Stadt mit Schindeldächern und Flecken (Bretter) bedeckt waren, als hat wohlermeldeter Stadtrath der Ursachen Anno 1598 erstmals resolviert, daß von dorten an alle hölzerne Dächer und Flecken hinwek genommen und dargegen durchgehends in der ganzen Stadt und nächstliegenden Margreyen (Landgemeinden) die Häuser mit Ziegeldächern belegt, also fortan bey großer Straf von männiglichen ein solches beobachtet, und darwider nicht gehandelt werden solle. Welch so nutzliche als nothwendige Anordnung in der neuern, Anno 1655 aufgerichteten Feuerordnung durchgehends wiederumen erholt, auch solches von Ihro Durchlaucht Erzherzogen Ferdinand Carl gnädigst ratificiert worden, so Dieses wohlthätige Statut hat seither die kräftigste aller Sanktionen erhalten.«

Dieses wohlthätige Statut hat seither die kräftigste aller Sanktionen erhalten. Was es vorschreibt, ist zur Ortssitte geworden, nicht blos in der Stadt und ihrer nächsten Umgebung, sondern auch in den entfernteren Orten der sogenannten Mallgreyen, und in den Gemeinden Gries und Leifers, wo man auch die Bauernhäuser und ihre Scheunen beinahe allgemein mit gebrannten Ziegeln gedeckt sieht. Von dieser Sitte wird die Stadt und werden diese Gemeinden nur abweichen, wann sie aufhören, für die Dauer ihres Wohlstandes bedacht zu seyn. Sie werden sich immer erinnern, daß sie seit der Einführung dieser Sitte, das ist, seit mehr als 300 Jahren, ungeachtet der oben geschilderten Gefährlichkeit ihrer Lage, von jeder größeren, oder auch nur etwas bedeutenden Feuersbrunst verschont geblieben sind.

Eigentlich ist es dieses heilsame Statut, was uns zur Mittheilung dieser Nachrichten bestimmt hat. Beinahe jede deutsche Stadtchronik hat von großen Feuersbrünsten zu erzählen; aber wenige können sich eines dadurch veranlaßten so weisen und wohlthätigen Statutes rühmen, wie Botzen, eines Statutes, das an Wirksamkeit auch der besten Feuerassekuranz-Anstalt vorzuziehen ist.

Feuersbrünste entstehen durch Zufall, durch Fahrlässigkeit, manchmal sogar durch mordbrennerische Verruchtheit überall mehr oder weniger. Allein so lang man nur da zu helfen braucht, wo das Feuer entstanden ist, wird man desselben bei nur etwas geordneten Löschanstalten sicher Meister. Gewöhnlich vermag man schon das Haus, worin die Flamme ausbrach, wo nicht ganz, doch größtentheils zu retten; im schlimmsten Falle wird der Zweck doch durch das Einreißen des Gebälkes gewiß erreicht. Anders aber verhält sich die Sache, sobald einmal mehrere Gebäude und ganze Reihen Häuser von den Flammen ergriffen sind. Allein bevor dieses Unheil eintreten könnte, wird das Feuer da, wo es entstanden ist, schon lange gelöscht seyn, wenn die Oberfläche der übrigen Häuser nicht aus brennbarem Stoffe besteht. Wenn wir uns anders nicht hölzerne Hütten, sondern wohl gebaute Häuser denken, so kann man als feste Regel annehmen, daß das Feuer nur durch die brennbare Oberfläche der Dächer sich weiter verbreitet. Wo diese von Holz ist, und ein stärkerer Wind hinzu kömmt, da liegt es, sobald einmal ein Dach in Flammen gerathen ist, gar oft außer allen menschlichen Kräften, der weiteren Verbreitung des Feuers Einhalt zu thun, und die besten Feuerlösch-Anstalten vermögen nur wenig dawider. Die Erfahrung lehret, wie durch vom Winde fortgerissene brennende Splitter es bald zu gleicher Zeit an mehreren, oft weit von einander entfernten Orten zu brennen anfängt, wie da sehr bald Verwirrung einreißt, und wie sehr sich die Feuerlösch-Anstalten an jedem einzelnen Punkte, wo sie noch thätig seyn wollen, gelähmt sehen. Wir haben hievon ein sehr neues trauriges Beispiel an dem großen Brande von Salzburg, der in dem Falle, wenn die dortigen Häuser, gleich jenen zu Botzen, mit Steinziegeln gedeckt gewesen waren, ganz gewiß ein bald unterdrückter bloßer Feuerlärm geblieben wäre, bei dem nur das Haus, in welchem das Feuer entstanden ist, mehr oder weniger gelitten hätte. Man kann unbedenklich behaupten, daß jede Stadt und jedes Dorf, dessen Dächer aus einer brennbaren Oberfläche bestehen, viel weniger reellen Werth hat und weniger Kredit verdient, als jene Ortschaften, wo dieß der Fall nicht ist, und daß man da auf den eigenen Vortheil und Wohlstand sehr wenig Bedacht nimmt, wo man, wenn es möglich ist, diesen Mangel zu heben, ihn nicht hebt. Und die Möglichkeit kann doch, sobald einmal der ernstliche Wille zur Abhülfe eintritt, an nicht gar vielen Orten mit Grunde bestritten werden.

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  • Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter

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"Von den Feuersbrünsten der Stadt Bozen." Der Bote für Tirol, 26. November 1821. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/26.11.1821/149784/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1821-11-26-von-den-feuersbruensten-der-stadt-bozen