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Ausbreitung der Traubenkrankheit im Etschthal

Zusammenfassung

Ein Bericht über das erneute und verfrühte Auftreten der Pilzkrankheit an den Weinreben im Etschtal zwischen Bozen und Meran im Frühsommer 1852. Detailliert werden die Symptome an Blättern und Beeren sowie die drohenden Ernteausfälle und Gefahren für die Landwirtschaft beschrieben. Naturforscher und Ökonomen werden zur Erforschung von Gegenmitteln aufgerufen.

Vollständige Transkription

Tagesbericht.

Bozen, 27. Juni. Die frohen Hoffnungen auf eine reichliche und vorzügliche Weinernte, zu welcher der blühende und üppige Stand der Reben heuer berechtigte, sind leider durch die Beobachtung getrübt worden, daß die schon im vorigen Jahre aufgetretene Traubenkrankheit sich neuerdings u. in Besorgniß erweckendem Grade zeigt. Angesichts der gewichtigen und nachtheiligen Folgen, von welchen dadurch unsere hauptsächliche Bodenproduktion bedroht ist, halten wir es nicht für unverdienstlich, die Erscheinungen der Krankheit, soweit sie uns bekannt geworden, hier mitzutheilen. Wir leben dabei der Hoffnung, daß einsichtige Oekonomen und Naturforscher sich angeregt finden dürften, dem tiefern Grunde der Erscheinung nachzuspüren, und genauere Beobachtungen anzustellen, wodurch allein die Auffindung von Heilmitteln gegen das Uebel und dessen Verbannung ermöglicht wird.

Während im vorigen Jahre die Krankheit erst im Spätsommer, als die Trauben bereits zu reifen begannen, auftrat, erschien sie heuer schon in den letzten Tagen des Mai, wo sich da und dort vereinzelte Spuren derselben zeigten. Seitdem verbreitete sie sich in mehr oder minder rascher Steigerung beinahe im ganzen Etschthale. Um Bozen, namentlich in der Gegend von Gries, in den Leiten von Rentsch und St. Justina begegnet man ihr häufig, das Mittelgebirge von Eppan und Kaltern kennt das Uebel nicht minder, auch das Thal hinauf gegen Meran, und die Gegend von Gratsch und Tirol ist nicht verschont davon geblieben. Die Verbreitung erfolgt sporadisch und verschiedenartig. Bald sind es ganze Bergeln, die in einer Nacht von der Krankheit angesteckt werden; bald haftet sie ohne weitern Fortschritt durch Wochen nur an einer Rebe. In manchem Weingute ist die Zahl der infizirten Reben bedeutend, in andern sind nur vereinzelte Erscheinungen bemerkbar. Besonders ausgesetzt sind heuer die Leiten und sonnigen Lagen, während diese im vorigen Jahre verschont blieben; mit der größern Wärme scheint auch die Disposition zur Ansteckung zu wachsen.

Die Krankheitserscheinungen beginnen am Laube, am Blatte zeigen sich blaßgelbe Flecken, hierauf Blasen und Runzeln. Beim Ueberhandnehmen des Uebels zieht sich das Blatt ein, und es erscheint jener schimmelartige Ueberzug, der mikroskopischen Beobachtungen zufolge, die im vorigen Jahre angestellt wurden, aus einer Art von Pilzen besteht und auf die Trauben übergeht. Die Farbe dieses Ueberzugs ist aschgrau, durch das Miskroskop angesehen aber schwarz, er fühlt sich fettartig schmutzig und feucht an, läßt sich abstreifen und dann erscheinen schwarze Punkte auf den infizirten Beeren. An der Rebe giebt sich die Krankheit anfangs durch schwarze Flecken kund, die sich später über die ganze Rebe ausdehnen; die äußerste Spitze verschrumpft und verkümmert und das Wachsthum hört auf.

Wie man im vorigen Jahre zu bemerken Gelegenheit hatte ist der Genuß des infizirten Laubes den Schweinen schädlich; beim Rindvieh verspürte man indessen keine nachtheilige Wirkungen. Die Beeren selbst erhielten einen widerlichen, bittern Geschmack. Sie sprangen entzwei, die Oeffnung verharschte sich zwar und heilte, aber der Wein, der daraus gewonnen wurde, war verdorben und ungenießbar. - Sollten, wie man anzunehmen genöthigt ist, die Folgen auch heuer die nämlichen sein, und das Uebel noch weitere Ausdehnung gewinnen, so wäre ein bedeutender Ausfall an der heurigen Weinernte unausbleiblich. Wie nachtheilig eine solche und wie bedrohlich die Wiederkehr des Uebels für die Bodenproduzenten des Etschthales sein müßte, liegt am Tage. Nahe liegt darum aber auch die Nothwendigkeit, einen ernsten Blick diesem Zustande zuzuwenden, um wo möglich eine Heilung des Uebels oder Abwendung der großen Nachtheile zu erforschen und herbeizuführen.

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"Ausbreitung der Traubenkrankheit im Etschthal." Bozner Zeitung, 30. Juni 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/2/1/30.06.1852/20221/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-06-30-ausbreitung-der-traubenkrankheit-im-etschthal