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Der Marien-Verein und die Kleinkinderbewahr-Anstalt in Meran

Zusammenfassung

Nach dem ersten Geschäftsjahr zieht der Meraner Marien-Verein eine erfolgreiche Bilanz über die neugegründete Kleinkinderbewahr-Anstalt für arme Kinder. Bei den Neuwahlen verzichteten die adeligen Damen zugunsten bürgerlicher Frauen auf Spitzenämter, woraufhin Anna Kuen einstimmig zur Vorsteherin gewählt wurde.

Vollständige Transkription

Oesterreich.

P. Meran, 5. Jän. Am Sylvester-Vorabend ging das erste Jahr der Wirksamkeit unsers Marien-Vereines, der im verflossenen Jahre dahier eine Kleinkinderbewahr-Anstalt in´s Leben gerufen, zu Ende. Die Ordnung verlangte daher sowohl die Wahl einer neuen Vorstehung als auch den Ausweis des Ergebnisses der Wirksamkeit der bisherigen Vorstehung. Diese beiden Acte nun gingen am gedachten Tage in Gegenwart und unter der Leitung unsers thätigen Herrn Dekan, des Herrn Bürgermeisters und des Pfarrcooperators Brirner als Cassier vor sich. Die Rechnungslegung ergab ein so glänzendes Resultat, daß es auch in weiteren Kreisen und dieß um so mehr, da auch anderwärtige Wohlthäter dazu beigetragen, bekannt zu werden verdient. Durch die Opfer und Bemühung dieses Frauen-Vereines wurden nämlich nicht nur seit Lichtmeß beständig bei 20 arme Kinder in der Anstalt erhalten, bewahrt, unterrichtet und verpflegt, sondern es zeigte sich überdies noch ein reiner Ueberschuß von 2200 fl., nebst einem Vorrathe von Viktualien, der leicht für ein halbes Jahres ausreichen dürfte, ein Ergebnis, daß um so mehr Anerkennung verdient, wenn man bedenkt, wie beschränkt die Einwohnerzahl und die Mittel unseres Städtchens sind, — zumal zu dieser Zeit. Wer hätte nicht wünschen sollen, daß die edlen Damen, die bisher an der Spitze standen, auch fürder in ihrem Amte verbleiben möchten. Doch nicht Eine derselben ließ sich wieder wählen. Ihr feiner Tact ließ nämlich die Edlen einsehen, daß ihre Wiedererwählung der Popularität der wohlthätigen Anstalt bei der untern Schichte der Bevölkerung gar leicht einen nachtheiligen Eintrag thun könnte. Deshalb drangen sie darauf, daß diesmal die Wahl der Vorstehung ohne weiters auf Bürgersfrauen gelenkt werden möchte. Zugleich zeigten sie durch die Annahme ihrer Wahl in den Ausschuß, daß sie durchaus nicht gesonnen wären, dem Wohle der Anstalt ihre Einsicht, Erfahrung und liebevolle fernere Thätigkeit zu entziehen. Die Wahl zur diesjährigen Vorsteherin fiel völlig einstimmig auf die ebenso thätige als verständige Frau Anna Kuen, Apothekers-Gattin dahier. Gott segne das Wirken der heurigen Vorstehung wie das der vorjährigen, und mache es dem Marien-Vereine möglich, die bisher nur Kindern bis zum vollendeten sechsten Jahre zugängliche Wohlthat auch auf solche von vorgerückterem Alter auszudehnen! Reicher Gotteslohn aber werde allen ordentlichen und außerordentlichen Mitgliedern des schönen Vereines wie nicht minder der braven barmherzigen Schwester zu Theil, die die unmittelbare Leitung der Anstalt mit so allgemein anerkanntem Geschicke besorgt!

Auch in diesem Monat

  • Bozner Zeitung1850er5 Schlagwörter

    Aufhebung der Reichsverfassung von 1849 und Grundzüge der neuen Staatsorganisation

    Der Bericht fasst die kaiserlichen Silvesterpatente von 1851 zusammen, mit denen die Reichsverfassung von 1849 und die politischen Bürgerrechte formal außer Kraft gesetzt werden. Zugleich werden Grundzüge einer neoabsolutistischen Staatsorganisation vorgestellt, darunter die Neuordnung von Verwaltung, Justiz und Gemeindewesen sowie die Beibehaltung der Grundentlastung.

1852 im Überblick

Das Jahr 1852 war in Merano von politischen Veränderungen durch den kaiserlichen Neoabsolutismus, sozialem Engagement und lokalen Krisen geprägt. Während der Marien-Verein die bürgerliche Frauenführung in der Kleinkinderbewahranstalt stärkte und Infrastrukturprojekte wie die Etschregulierung verhandelt wurden, forderte eine schwere Brandkatastrophe im März den Zusammenhalt der Bürgerschaft. Diese Ereignisse verdeutlichen das Zusammenspiel von staatlicher Neuordnung, städtischer Fürsorge und Krisenbewältigung. →

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"Der Marien-Verein und die Kleinkinderbewahr-Anstalt in Meran." Tiroler Zeitung - Wochenblatt für Katholiken, 12. Januar 1852. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/21006/1/12.01.1852/211185/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1852-01-12-der-marien-verein-und-die-kleinkinderbewahr-anstalt-in-meran