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Enthüllung des Kaiserbildnisses auf Schloss Tirol

Zusammenfassung

Der Meraner Bezirkshauptmann Kopp hält auf Schloss Tirol anlässlich des Geburtstags von Kaiser Franz Joseph I. eine feierliche Ansprache zur Enthüllung eines neuen Kaiserporträts und blickt dabei auf die wechselvolle Geschichte der Stammburg zurück. Eine Kurzmeldung aus Lana berichtet zudem über einen schweren Blitzschlag auf einer Alm im Ultental, bei dem 17 Rinder getötet wurden.

Vollständige Transkription

Meran, 19. August. Wir glauben den Lesern des Boten keinen unangenehmen Dienst zu erweisen, indem wir ihnen nachträglich zu unserem gestrigen Berichte die Ansprache, welche der Herr Bezirkshauptmann Kopp gelegentlich der feierlichen Aufstellung des Bildnisses Sr. Majestät unsers allergnädigsten Kaisers im Schlosse Tirol gehalten hat, wörtlich mittheilen. Sie lautet:

Auf der Gebirgsanhöhe der ehemaligen Bergveste, welche von den Römern nach der Unterjochung Rhätiens erbaut, und Teriolis genannt, später aber nach dem Erlöschen der Römerherrschaft dem Verfalle preisgegeben worden ist, steht nun das Haupt- und Stammschloß Tirol, erbaut von den Söhnen Alberts, des Grafen von Chur-Rätien und Vinschgau, Bertold und Albert, welche im Jahre 1140 den Titel eines Grafen von Tirol annahmen.

Ueber 200 Jahre und namentlich bis zum Jahre 1363 hatten hier die Landesfürsten ihre Residenz.

Nachdem im vorbenannten Jahre durch die einzige Tochter des Grafen Heinrich von Tirol, die bekannte Margaretha Maultasche, die Besitzungen Tirols an ihre Vetter, die Herzoge von Oesterreich, übergegangen waren, war das Schloß Tirol der Sitz der Landeshauptleute an der Etsch.

Man erkannte in dem Schlosse Tirol den Hauptpunkt und ich möchte sagen, das Herz des ganzen Landes, von dem Leben und Kraft in alle Theile ausströmte; man ehrte in ihm den geheiligten Sitz der Landesfürsten, welche von ihm ihren Namen entlehnten, und diesen dem ganzen Lande mittheilten. Darum war auch unter den Alten der Spruch üblich geworden:

„Nur der Herr des Schlosses Tirol ist Herr des Landes Tirol.“

Unter der königlich bayrischen Regierung und namentlich im Jahre 1808 wurde das Schloß Tirol im Versteigerungswege an den Freiherrn Sebastian v. Hausmann verkauft.

Allein die stets getreue Stadt Meran löste die altberühmte Stammburg Tirol zurück, und benützte den schönen Anlaß der Huldigungsfeier weiland Sr. Majestät des Kaisers Franz, um die, am 20. Mai 1816 ausgefertigte Schenkungsurkunde sammt dem Burgschlüssel dem wiedergefundenen Vater und Landesfürsten zu überreichen.

Seit diesem Jahre ist nun das Schloß Tirol ein kaiserliches Schloß, und steht unter dem ganz besonderen Schutze der kaiserl. österreichischen Regierung. Diesem Schlosse ist unter Oesterreichs Scepter schon manche Auszeichnung zu Theil geworden.

Im Jahre 1838 wurde einem Enkel des um den Kaiser und das theure Vaterland Tirol so hochverdienten Andreas Hofer v. Sr. Majestät Kaiser Ferdinand I. in höchsteigener Person die Belehnung mit dem Hofe am Sand in Passeier angekündigt. Oesterreichs Kaiser wollten in diesem Schlosse die dem Volke Tirols so theuren Abbildungen aufgestellt wissen. Darum prangen in dem Fürstensaale der Stammburg Tirols die schön ausgestatteten Bildnisse weiland Sr. Maj. des Kaisers Franz und Sr. Maj. des Kaisers Ferdinand.

Diesem schönen Beispiele der erhabenen Vorfahren folgend, und um dem biedern in seiner Treue unerschütterlichen Volke Tirols ein neuerliches Unterpfand Seiner besondern Allerhöchsten Liebe zu geben, und einem längst gefühlten allgemeinen Wunsche zu begegnen, hat nun unser gegenwärtig regierender Kaiser Franz Joseph bereits im Jänner des laufenden Jahres allergnädigst anzuordnen geruht, daß Allerhöchst dessen Bild in der Obersten-Uniform des tapferen tirolischen Kaiserjäger-Regiments für den Saal des Stammschlosses gemalt und dahin gesendet werde. — Dieses kostbare und so willkommene Geschenk, wodurch sich nicht nur die Gemeinde Tirol, sondern auch die benachbarte Stadt Meran und unser ganzes Vaterland Tirol hoch geehrt fühlet, ist nun hierher gelangt, und heute, gerade wo wir den hohen Geburtstag unseres Allergnädigsten Landesfürsten feiern, soll auch die feierliche Enthüllung Seines Allerhöchsten Bildnisses vorgenommen werden.

Durchdrungen von inniger Freude schreite ich nun zu diesem erhabenen Akte, und enthülle die so theure Abbildung unseres Allergnädigsten Kaisers, den Gott segnen und zum Heile seiner vielen und treuen Völker recht lange erhalten wolle!

Ein herzliches, dreimaliges Lebehoch unserm ritterlichen Kaiser Franz Joseph!

Lana, 19. Aug. Am 14. ds. entlud sich im Thale Ulten auf einer Alpe ein bedeutendes Ungewitter, wobei ein Blitzstrahl in eine Rinderheerde einschlug, und 17 Stück tödtete. Ein dabei stehender Hirte wurde nur betäubt niedergeworfen und erholte sich bald wieder. Das Fleisch eines Rindes wurde ganz schwärzlich, während das der übrigen Stücke noch brauchbar blieb. Alle Stücke, welche mit dem Gesichte dem einschlagenden Blitze entgegenschauten, wurden getödtet, während einige abgewendete unverletzt blieben.

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"Enthüllung des Kaiserbildnisses auf Schloss Tirol." Der Bote für Tirol, 22. August 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/22.08.1851/153480/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-08-22-enthuellung-des-kaiserbildnisses-auf-schloss-tirol