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Errichtung einer Kleinkinderwartanstalt in Meran

Zusammenfassung

Auf Anregung des katholischen Vereins und durch den Einsatz eines neu gegründeten Frauenvereins wurde in Meran eine Kleinkinderwartanstalt eröffnet. Die im Spitalgebäude untergebrachte Einrichtung bietet Kindern unbemittelter Eltern im Alter von zwei bis sechs Jahren Tagesbetreuung, Verpflegung und frühkindliche Erziehung durch die Barmherzigen Schwestern.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Meran, 9. Febr. Unser Stadtmagistrat war schon seit Jahren bemüht, den Kindern mittelloser Eltern eine gute Erziehung zu verschaffen und so unsere Stadt vor einem unheilvollen Proletariat zu bewahren. Er suchte zu diesem Ende die armen Kinder bei braven Zieheltern, meistens bei wohlgesinnten Bauern der Umgebung unterzubringen, oder ließ sie bei tüchtigen Meistern ein Handwerk lernen, wodurch bereits eine große Anzahl ärmerer Kinder zu einem ehrlichen Broderwerb herangezogen worden ist. Indessen zeigte es sich, daß bei der häuslichen Verwahrlosung oft schon in der zartesten Jugend dem kindlichen Gemüthe der Keim der Verwilderung und Entartung eingepflanzt ward, wodurch dann später kein besserer Einfluß mehr Wurzel fassen konnte. Um solchen Uebelständen abzuhelfen, beschloß auf Anregung des katholischen Vereines der hiesige Magistrat, eine Kleinkinderwartanstalt für Kinder unbemittelter Eltern zu errichten, und suchte Merans edle Frauen zu einem so schönen Unternehmen zu begeistern. Sogleich kam ein Frauenverein zu Stande und machte sich ans Werk, durch eine geeignete Anstalt der armen Kleinen sich anzunehmen. Als Lokale beschloß man vor der Hand das Spitalgebäude zu benützen und die Obsorge über diese Kinder den barmherzigen Schwestern, die ohnehin dort die Krankenpflege besorgen, zu übertragen. Aufgenommen sollten aber nur solche Kinder werden, die in einem Alter von 2 - 6 Jahren noch nicht schulfähig sind, und zwar anfangs nur Kinder unbemittelter Eltern, welche wegen fortwährender Beschäftigung oder weil ihr Erwerb sie vom Hause fern hält, ihre Kinder während des Tages nicht gehörig beaufsichtigen können. Solche Kinder werden dann täglich in die Anstalt gebracht und verweilen dort den ganzen Tag hindurch, ja erhalten sogar darin Verpflegung und Kleidung. Dabei sollen sie an Ordnung, Reinlichkeit u. Thätigkeit gewöhnt, durch muntere Spiele und geeignete Handarbeiten beschäftiget werden, und durch lehrreiche Erzählungen, kleine Gedächtnißübungen und Gesänge die ersten nützlichen Kenntnisse erhalten. Die Mitglieder des Vereines sind verpflichtet, öfters die Anstalt zu besuchen. Die Kosten werden theils durch freiwillige Beiträge, theils aus dem Armenfonde, theils aus den jährlichen Einzahlungen der Mitglieder zu 2 fl. CM. bestritten. Am 2. Febr. wurde die Anstalt durch eine herzliche Ansprache des Herrn Bürgermeisters eröffnet. Der umsichtsvollen Frau Gemahlin unseres Bezirkshauptmanns, welche sich an der Errichtung dieses Frauenvereines besonders bethätigte, wurde die Leitung des Vereines übertragen. Bereits sind 18 Kinder aufgenommen. Wir können der Anstalt nur bestes Gedeihen wünschen. Könnte überall durch dergleichen Anstalten der Entsittlichung vorgebeugt werden.

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"Errichtung einer Kleinkinderwartanstalt in Meran." Der Bote für Tirol, 12. Februar 1851. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/12.02.1851/153323/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1851-02-12-errichtung-einer-kleinkinderwartanstalt-in-meran