Rückblick auf das Meraner Schützenfest im Oktober 1850
Ein ausführlicher Bericht blickt auf den feierlichen Empfang und den Abschluss des Meraner Schützenfestes im Oktober 1850 zurück. Aufgeführt werden Teilnehmerzahlen, Schießergebnisse und die Gewinner der Nebenpreise sowie gesellschaftliche Rahmenveranstaltungen bis hin zu den Abschiedsworten von Erzherzog Johann.
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Korrespondenz.
Meran, 20. Okt. Ich schulde Ihnen zu meinen früheren Briefen einen Nachtrag, wobei ich zuvörderst dem mehrfach geäußerten Wunsche nachkomme, von dem feierlichen Empfange der Schützengesellschaften Erwähnung zu thun. Es möchte von Interesse gewesen sein, wenn von den einzelnen festlichen Einzügen und den jedesmaligen Ansprachen und allfälligen Gegenreden Bericht erstattet worden wäre; doch damals gebrach es Ihrem Erzähler an der Zeit, und nunmehr post festum erläßt man billig die Einzelnheiten. Jede Schützengesellschaft die ihre Ankunft melden ließ, wurde zur angezeigten Stunde an der betreffenden Ehrenpforte von den Abgeordneten der vereinigten Ausschüsse empfangen und nach kurzem Gruß und brüderlichem Handschlag unter klingendem Spiele auf die Schießstätte geleitet. Dort trat unter dem Knallen der Mörser ein Mitglied des Empfangsausschusses Hand in Hand mit dem Führer der Gesellschaft die Bühne des Fahnenthurmes, sprach seinen Willkomm, an den sich in der Regel einige Worte über die Bedeutung des nationalen Kampfspieles anschloßen, und brachte den Ehrentrunk aus dem großen Büffelhorn, das ein Festordner reichte; hierauf wurde die Fahne am Thurme aufgepflanzt und die Schützen zogen in das Schießhaus. Diese Form des Empfanges ist nicht neu, zumal bei den Nachbarn in der Schweiz, von denen wir im Schützenwesen so vieles lernen können und sollen, ist sie zur Sitte geworden, doch in Tirol hat sie meines Wissens eben jezt ihr Entstehen gefeiert, und so viel ich fühle, sich bewährt! Mit Ernst und Lust soll der Schütze die Stätte betreten, wo er sich mit der Waffe im muntern Spiel mit seinen Genossen messen soll, nicht um die goldenen und silbernen Pfenninge, nein! um die Ehre die tiefsten Schüsse zu thun, tüchtig zu sein im heitern Spiele, tüchtig zu sein im blutigen Ernste. Darauf hinzuweisen diene der Empfang und es wäre sehr zu wünschen, wenn dieser Gebrauch allwärts in unserem Lande Eingang fände, und überhaupt jener Ernst in Auffassung und Ausführung des Schützenwesens sich geltend machte, der einem so volksthümlichen, mannhaften Institute geziemt!
Wie ich Ihnen berichtet, besuchten 634 einrollirte tirolische Schützen das Fest; in Gesellschaft hielten den Einzug die Schüzen aus Botzen, Partschins u. Naturns, Eppan, Tisens, St. Martin in Passeier, Marling u. Lana mit Fahnenschwinger und Musikkapelle, aus dem Fleimser Thal und aus Prad; wir schmeichelten uns, auch ein Fähnlein aus Vorarlberg und eines aus der Hauptstadt begrüßen zu können, doch waren wir in unsern Hoffnungen zu voreilig gewesen. Aus dem Etschland und Vintschgau sind 463 Schützen beigekommen, aus dem Unterinn und Wipptal 51, aus Pusterthal 38, aus Wälschtirel 32, aus dem Eisackthale 27, aus Oberinnthal 18, aus Vorarlberg 2, Steiermark 2, Oberösterreich 1; außerdem betheiligten sich nicht tirol. Schützen wie folgt: Dr. v. Franzius aus Danzig, C. W. Gälike aus Berlin, Johann Kalbak aus Schlüsselberg in Böhmen, Adam Kuchenreiter aus Regensburg, Gräfin Leyden aus München, Jakob Mayr aus Graz, Heinrich Müller aus Stuttgart, Clara Scholz aus Berlin und Fürst Solms von Lich bei Frankfurt. Auf das erste Hauptbest schoßen 324 Schützen, auf das zweite 380, auf das dritte 515, auf das vierte 617; unter den 7501 Schüssen auf den Hauptscheiben zählen wir 157 Fehler und 19 Centrum; die Namen derjenigen, welche die 17 Centrum getroffen, habe ich Ihnen im vorlezten Brief gemeldet, von den zwei übrigen Centrum nenne ich die Schützen nachträglich, sie sind: Anton Oberhaidacher von Blumenau und Dr. Anton Putz, Oberschüzenmeister von Meran. Die Vertheilung der Hauptgewinnste haben Sie bereits bekannt gegeben, die der Schleckerbeste ist folgende: 1. Martin Mair von Trient, 2. Franz Pfaffstaller von Margreit, 3. Joseph Hofer von Hall, 4. Joseph Peratoner von Bozen, 5. Joseph Stimpfl von Radein, 6. Joseph Zoderer von Prad, 7. Johann Werner von Vöran, 8. Joseph Rottonara von Enneberg, 9. Michael Sief von Sassiano in Fleims, 10. Dr. Anton Putz von Meran, 11. Alois Putz von Meran, 12. Joseph Peer von Schlanders (Bis hieher Centrumschüsse.) 13. Franz Braun von Hall, 14. Johann Keifl von Klausen, 15. Thomas Geiger von Landeck, 16. Johann Hellrigl von Naturns, 17. Dominikus Mulser von Kastelruth, 18. Franz Maroner von Perdonik, 19. Peter Rella von Neumarkt, 20. Joseph Wallnöfer von Innsbruk. Die für nichttirolische Schützen bestimmten Beste gewannen: 1. Fürst von Solms-Lich, 2. Adam Kuchenreiter aus Regensburg, 3. Dr. v. Franzius aus Danzig, 4. Jakob Mayr aus Graz, 5. Heinrich Müller aus Stuttgart, 6. Joh. Kalbak aus Schlüsselberg.
Meran hatte sich für einen zahlreichen Zuspruch vorbereitet und namentlich für Bequartirung der erwarteten Schützen war trotz der zur Herbstzeit gewöhnlichen Ueberfülle an Kurgästen und Vergnügungsreisenden auf die entsprechendste Weise Vorsorge getroffen, und es thut uns leid, daß der betreffende Wohnungsausschuß nicht sattsam Gelegenheit fand seine vorzüglichen Vorkehrungen in Anwendung bringen zu können. Ebenso war für die Vergnügungen der Gäste das Mögliche angestrebt, wenn auch von denselben selten und dazu in sehr bescheidenem Maße Antheil genommen wurde; und wenn wir im Laufe der Tage Nichts erzählten von manchem gemüthlichen Abend, wie er sich zumal in der alten Stehweinsberberge beim Mannes-Raffl kund gab, wenn wir von der musikalischen Akademie und den zwei glänzenden Bällen schwiegen, den Kommers mit Landesvater, Burschenreden und Fuchsritt nicht berührten und selbst das freundliche Gelage unter den breitästigen Nußbäumen auf Löwenberg zu schildern unterließen, so lag der Grund unsers Schweigens ganz einfach darin, daß Ihr Berichterstatter an Alledem selbst den eifrigsten Antheil nahm und nicht jeder Zeit Muße und Lust genug fand, um mit der Feder hinterdrein zu geben. Von der Krone des Festes, der Schlußfeier, erzählte ich zwar in meinem letzten Schreiben: nachgerade ersehe ich aber aus Ihrem Blatte, das mir eben zu Gesicht kömmt, wie ich in meiner Eile zu sagen vergaß, daß bei jener genußreichen Abendunterhaltung das Meßner´sche Schützenlied, welches Hr. Jakob Schyrasser von Bozen für unser Fest in Musik gesetzt, großen Beifall fand, und wiederholt gesungen werden mußte. Daß es bei unserem patriotischen Sinn und Geist an mancherlei lebendigen Toasten und Reden für das allgemeine Wohl und die so sehr ersehnte Einheit in Allem und Jedem nicht fehlte, hätte sich eigentlich von selbst verstanden. Und so lassen Sie mich nun meine Briefe schließen und wiederholen die Worte, die unser hoher Beschirmer und Pfleger tirolischer Sitte, der vielgeliebte Erzherzog Johann zum Schlusse des Festes sprach:
„Und jetzt meine lieben Schützen und Schützenfreunde: im nächsten Jahr, wenn im Mai Alles blüht, sehen wir uns wieder, da gebe ich Mein Schießen. Ich bringe Meinen Stutzen mit und da wollen wir zeigen, was wir noch können; und so lade Ich Euch Alle freundlichst dazu ein. Behüt Euch Gott! Auf Wiedersehen!”
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"Rückblick auf das Meraner Schützenfest im Oktober 1850." Der Bote für Tirol, 23. Oktober 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/23.10.1850/153232/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-10-23-rueckblick-auf-das-meraner-schuetzenfest-im-oktober-1850