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Replik auf das Wahlmanifest von Beda Weber

Zusammenfassung

Eine anonyme Erwiderung im Boten für Tirol greift das Meraner Wahlmanifest des Geistlichen und Frankfurter Paulskirchen-Kandidaten Beda Weber scharf an. Der Autor weist Webers Vorwürfe wirtschaftlicher Benachteiligung, überhöhter Steuern und bürokratischer Bevormundung der Etschländer zurück und mahnt zur Wahrung von Gesetz und Ordnung.

Vollständige Transkription

Außerordentliche Beilage z. B. v. u. f. T. u. V. Nr. 50.

Erklärung.

Unter der Aufschrift: An die Wähler zum deutschen Parlament in den Gerichten Meran, Passeier, Schlanders, Lana und Sarnthal — ist zu Meran am 27. April d. J., unterzeichnet: Professor Beda Weber, eine gedruckte Erklärung ausgegeben worden, worin folgende Behauptungen stehen: „Die Art und Weise, wie man das Land an der Etsch bisher behandelte, schien wie berechnet, dasselbe zu Grunde zurichten. Wohl zwanzigmal hat man Euch geschworen, Euren Weinbau gegen die wälschen Weine in Schutz zu nehmen; aber anstatt Eures alten Rechtes stand seit Jahren eine Zollschranke gegen Baiern, die jegliche Ausfuhr unmöglich machte; es stand ein Weinakzis auf Eurem Erzeugnisse, welcher jährlich mehr als ein gutes Drittel Eurer Einnahmen verschlang, es wurden die Kosten des Weinbaues verdoppelt durch maßlose Holzausfuhr nach Italien. So ist es gekommen, daß ihr im fruchtbarsten lande der Welt mit jedem Jahre ärmer geworden seyd. Mehr als einmal habt Ihr den hohen Stempel mit theurem Gelde abgekauft, und doch standet ihr unter einem drückenden Stempelgesetze, das die Armen aussaugte und die Reichen verschonte. Eure uralten, aus wahrhaftem Bedürfnisse hervorgegangenen Gemeindeordnungen ließ man nichts mehr gelten. In jeder geringsten Handlung über Eure Gemeinde- und Kirchenvermögen waret Ihr bevormundet, und ohne Schreiber und Stempeltaxe konnten Eure Vorstände, einst die ersten Beamten einer freien Gemeinde, keinen Schritt vorwärts oder rückwärts machen. Ihr hattet kein wirksames Recht, gegen überflüßige Gewerbe und Niederlassungen Einrede zu thun. Daher die Uebervölkerung in Euren Gemeinden, die mit Eurem Grund und Boden in keinem Verhältnisse steht, und Eure Armenkassen mit jedem Jahre mehr belastet. Die Verzehrsteuer, welche die reichen Kapitalisten ungeschoren ließ, drückte nicht bloß auf die Städter allein, sondern auch auf die Entwerthung Eurer Landerzeugnisse zurück, weil jeder Käufer sich möglichst einschränkte. Auf Euren Landtagen in Innsbruck ließ man Euch wohl das Recht zu bitten, aber der Kaiser Ferdinand ist nicht Schuld daran, daß Eure Bitten meisten unerhört blieben, weil man sie nicht zu seinen Ohren gelangen ließ. Der Bauern- und Bürgerstand, zu wenig vertreten, hatte im Landhause zu Innsbruck meist nur das leere Zusehen. Das soll nun viel besser werden.“

Zu solchen Behauptungen vor einem großen Theil des Landes benützt ein Wahlkandidat für Frankfurt – ein Tiroler – die Freiheit der Presse! Wir sehen uns aus Gründen der Wahrheit und Gerechtigkeit aufgefordert, dieser Erklärung öffentlich entgegenzutreten. Nicht bloß die Landsleute der angesprochenen Gerichte, sondern von ganz Tirol haben das Recht, über den wahren Gehalt dieser Angaben Aufklärung zu veranlagen. Die Sache geht alle an, sie berührt gemeinsame Interessen. Wir fragen zuvörderst: Wodurch findet sich ein katholischer Priester, ein Gymnasial-Professor, ein Ordensmann bestimmt, mit diesen Beschuldigungen gegen die Staatsverwaltung und ihre Behörden jetzt vor das Volk zu treten? Ist es seine Absicht wirklichen Uebelständen zu begegnen, so schlägt er einen Weg ein, den kein ehrlicher Mann betritt, da in gesetzlicher Weise durch die freie Presse, Assoziation und Petition Abhilfe erlangt werden kann. Will der Wahlkandidat vielleicht zu erkennen geben, er werde, wenn man ihn gewählt, in Frankfurt den Etschländern dieß alles besser machen? Damit kann er aber kaum unsere Landeleute täuschen. Jedermann weiß, daß die Versammlung der Abgeordneten des deutschen Volkes über wichtigere Dinge als den südtirolischen Weinverschleiß, Rebholzpreise, Akzis und Stempelabgabe zu berathen hat. Wozu also diese Sprache in einem Wahlmanifeste, das keine andere Bestimmung haben darf, als den Wählern die Grundsätze zu entwickeln, nach welchen der Kandidat bei seiner Mission vorzugehen gedenkt? P. Beda gebe darüber Aufklärung seinen Landsleuten, vor welchen er öffentlich mit solcher Stimme sich vernehmen ließ! Er liefere den Beweis, wer so oft den Wählern in den bezeichneten Gerichten geschworen habe, ihren Weinbau gegen die wälschen Weine in Schutz zu nehmen! Wo hat er die Begründung für ein altes Recht zu nehmen! Wo hat er die Begründung für ein altes Recht der südtiroler Weinbauern in dieser Beziehung gefunden? Mit welchem Befugniß wirft er der Regierung die Einführung des Akzises vor, und wie beweißt er, daß die Staatsverwaltung diesen Landestheil in einer nieberechnet? scheinenden Weise mit jedem Jahre ärmer gemacht und zu Grunde gerichtet habe? Fallen die Verzehrungssteuer, der Stempel und die Zollschranken bloß seinen Wählern lästig? Waren bloß sie auf den Landtagen in Innsbruck ungenügend vertreten, hatten nur sie das einfache Recht zu bitten? Wer ließ diese Bitten nicht vor den Monarchen gelangen? Beschränken bloß die Gesetze des Staates das freie Schalten mir dem Kirchenvermögen, oder bestehen dafür nicht auch kanonische Vorschriften?

Die gegenwärtige Zeit der der Aufregung, der Lockerung politischer und sozialer Bande fordert gebietherisch, daß Gesetze und Ordnung, Ruhe und Vertrauen erhalten und gewahret werden. Jetzt wo so viele Unberufene sich zu Richtern über das Bestehende aufwerfen, müssen alle Gutgesinnten fest sich vereinigen, um Recht und Wahrheit zu schützen. Frei soll zwar das Wort auch dem Tadel bleiben; aber er muß begründet, wohlgemeint und daher bescheiden seyn, auf daß er Besserung und eine festere Ordnung anbahne. Vorschnelles Utheil, grundlose Beschuldigung und aufreitzender? Tadel muß dagegen mit allen Waffen des Rechtes wider männiglich bekämpft werde, sollen wir nicht der Anarchie mit allen ihren Gräueln verfallen. – Dieß geben wir dem zum deutschen Parlamente abgehenden Professor B. Weber ernstlich zu bedenken und fordern ihn um die Ehre der Wahrheit willen zu genugthuenden Erklärung auf.

Ein Regierungs- und Volksfreund.

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"Replik auf das Wahlmanifest von Beda Weber." Der Bote für Tirol, 13. Mai 1848. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/13.05.1848/152557/6. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1848-05-13-replik-auf-das-wahlmanifest-von-beda-weber