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Restaurierung der Meraner Pfarrkirche und Altarweihe

Zusammenfassung

Ein Bericht über die Renovierungsarbeiten an der Meraner Stadtpfarrkirche St. Nikolaus und die feierliche Altarweihe durch Fürstbischof Johann Nepomuk von Tschiderer am 25. September 1845. Neben dem Lob für die Wiederherstellung des gotischen Raumeindrucks und der Kanzel übt der Korrespondent scharfe Kritik an der blauen Gewölbeausmalung, die dem Wesen gotischer Sakralarchitektur widerspreche.

Vollständige Transkription

Beilage zu den kathol. Blättern 1845, Nr. 43.

Tirol.

Meran, 12. Okt. (Korresp.) Wie früher in Ihren verehrten Blättern gemeldet wurde, hätte die Renovation unserer Pfarrkirche bis zur Hälfte des vor. Monats vollendet seyn sollen; aber die Rechnung zeigte sich als unrichtig. Wir haben nun Mitte Oktober, und es gibt noch Manches zu schaffen. Jedoch war die Kirche am 24. Sept. so weit der Hauptsache nach hergestellt, daß am andern Tage die Altarweihe feierlichst daselbst vor sich gehen konnte. Am 24. Abends hatten wir wieder das Glück, unsern allverehrten und allgeliebten Fürstbischof Johann Nepomuk in unsern Mauern zu sehen. Am 25. um 8 Uhr Früh ward Er in feierlicher Prozession von dem Klerus in die Kirche geleitet, wo alsbald der heilige Akt begann, welcher 1 ½ Stunde lang dauerte. Als nach vollendeter Weihe der hohe Anwesende die heilige Messe zelebrirte, war das zahlreich versammelte Volk voll Freude, Den wieder am Altare zu sehen, der früher so oft (als hiesiger Stadtpfarrer) hier das heilige Opfer dargebracht hatte. Abends verließ Er wieder unsere Stadt.

Was übrigens die Verneuerung unserer Pfarrkirche betrifft, muß man gestehen, daß der Anblick der renovirten Kirche Jeden, der sie früher in ihrem Schmutze und mit den vielen Spinngeweben sah, wahrhaft überrascht. Sie erscheint viel geräumiger, und macht einen lebendigen Eindruck. Die Sandsteinfarbe der Seitenwände ist eben so einer gothischen Kirche entsprechend, als auch zur Erhaltung der Reinlichkeit bequem; die bunten Gläser in den Zierathen der Fenster-Spitzbögen machen sich sehr gut; die enthüllte Kanzel mit dem neuen gothischen Dache, die Entfernung unnützer und unschöner Geräthe zeigen, daß man sich zu einem reinern Geschmack empor arbeitet. Ist aber Genanntes aller Anerkennung werth, so spricht dagegen das angebläute (!) Gewölbe jeden guten Geschmack unsanft an; es ist dies ein Mißgriff, der an die »Thurmverweißungsperiode« (!) der Meraner erinnert. Man sagt, das blaue Gewölbe sey lichter, die Kirche sey sonst zu düster (?). Wir lassen Ersteres dahin gestellt seyn, und fragen nur: Was ist das Charakteristische der gothischen Kirchen: religiöser Ernst, oder italienische Leichtigkeit? Entschieden religiöser Ernst und heilige Düstere; denn wie wir wissen, sind die gothischen Kirchen Nachbildungen eines lebendigen Naturtempels — des heilig stillen Waldes. Und was vermochte unsere deutschen Ahnen, ihre Tempel den Wäldern ähnlich zu bauen? Ohne Zweifel jenes magische Halbdunkel, jene heilige, geheimnißvolle Düstere, die Jeden zur Andacht und zu erhabenen Gefühlen stimmt, wenn er in die Waldesschatten tritt, und sein Herz anders noch für die hehre Natur empfänglich schlägt. Dieses Halbdunkel ist die erhabene Zierde der gothischen Kirchen; dieses gibt ihnen jene geheimnißvolle Ehrwürde, die uns zum Ernste und zur Andacht stimmt. Dieses Halbdunkel wollte man lichten, und verfehlte sich dadurch am Grundgesetze jeder Renovation, das da lautet: »Die Renovation soll dem Charakter des zu renovirenden Kunstwerkes genau entsprechen;« — ein Grundgesetz, gegen welches man sich so oft versündigt. Will man den religiösen tiefen Ernst der gothischen Kirchen durch allerlei Kunstgriffe der italienischen Leichtigkeit nähern, so kommt mir dies nicht anders vor, als wenn man einem ehrwürdigen Greise ein rothes Kindermützchen auf die silberweißen Locken drückte, um ihn zu verjüngen. — Abgerechnet jedoch den gerügten Mißstand, hat unsere Pfarrkirche im Ganzen durch die heurige Verneuerung unstreitig gewonnen, obwohl es leider nicht in unserer Gewalt steht, Alles gut zu machen, was man im vorigen Jahrhundert an unserer Kirche sündigte, und wir haben, wenn wir die diesfälligen Verirrungen unserer Voreltern betrachten, einen neuen Beleg dafür, daß Verschlimmern leichter sey als Verbessern; — ein Wink für Jeden, der an Renovirungen von alten Baudenkmalen Hand anlegen will; — es ist gar so leicht, ein Barbar zu werden.

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"Restaurierung der Meraner Pfarrkirche und Altarweihe." Katholische Blätter aus Tirol, 27. Oktober 1845. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/62978/1/27.10.1845/289157/18. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1845-10-27-restaurierung-der-meraner-pfarrkirche-und-altarweihe