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Schwere Überschwemmungen und Felsenabsturz in Tirol

Zusammenfassung

Berichte aus Tirol über schwere Überschwemmungen der Etsch, der Rienz und weiterer Flüsse sowie über einen massiven Felssturz bei Steg. Straßenverbindungen von Schlanders über Bozen bis Trient und Ala sind unterbrochen oder schwer beschädigt. In Trient stehen Stadtteile unter Wasser, und die Pegel steigen weiter an.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Tirol.

Innsbruck, den 1. Sept. Eingelangten Nachrichten zufolge hat zu Trient am 30. Aug. 4 Uhr Nachmittag die Etsch die Höhe von 14 Fuß erreicht und die Felder standen 5 bis 6 Fuß unter Wasser. Von Laag bis zum alten Kurtiniger Etschbett brach der Fluß an drei Stellen ein, die Landstraße ist von Laag bis Salurn und Cadino bis 6 Fuß unter Wasser. Im Bezirke Schlanders ist die Vintschgauer Straße an 21 Stellen durch Wildbäche, Vergabsitzungen und Abbrüche beschädigt und unfahrbar gemacht. Im Bezirke Meran wurde die Landstraße bei Sigmundskron 3 Fuß hoch durch die Etsch überschwemmt und an 8 Orten durch die Wildbäche überschüttet. Im Pusterthale hat die Rienz bei Höhlenstein und bei Welsberg der Landstraße Schaden gebracht.

Botzen, den 29. Aug. Am 19. d. M. zwischen 2 und 3 Uhr Morgens erfolgte bei Steg ein Felsenabsturz durch drei viertel Stunden anhaltend. Die Landstraße wurde in der Länge von hundert Klaftern mit Felsenblöcken von ungemeiner Größe überdeckt, der Schutt ragt im Mittel fünf Klafter über die Straße. Der Eisackfluß, mit solchen Steinmassen angefüllt, ward so angeschwellt, daß die Sägen von Blumau wegen Wassermangel stehen blieben; das angewachsene Wasser ergoß sich über die Wiese am linken Ufer, die bald zerstört und zum Flußbett geworden ist. Durch die gewandte Leitung des k. k. Straßenmeisters Patscheider ist mit der größten Anstrengung die Straße schon am 25. d. dem Verkehre wieder geöffnet worden; indessen soll die Gefahr eines weiteren Absturzes noch nicht entfernt seyn.

Trient, den 30. Aug. In der Nacht vom 28. d. M. brachte der Regen die Etsch zum Steigen, durch 50 Stunden setzten die Gewitterregen fort, heute erreichte der Fluß eine Höhe von 13 ½ Wiener Fuß. Dieses ist in diesem Jahre die dritte Ueberschwemmung, welche die Stadt und ihre Umgebung längs des Flusses heimsucht, die untern Stadttheile alla Portella und San Martins stehen unter Wasser, Häuser mußten geräumt werden, die Brücke ist in Gefahr. Im Campo trentino wird die Verbindung mit der Stadt in Kähnen unterhalten, es wird Nahrung auf denselben den entfernteren Höfen zugesendet. Die gewaltige Wassermasse hat die Mauern bei Centa nieder gestoßen, und wälzt einen Theil der Wogen mit Ungestüm durch die üppigen Maulbeer- und Weinpflanzungen. Die Noce, der Avisio und die Fersina sind zu einer drohenden Höhe gestiegen, letztere hat das linkseitige Ufer unterhalb der Brücke bei 30 Klafter lang eingerissen, die Noce zerstörte die Nothbrücke alla Longajola wieder, der Avisio warf vielen Holzvorrath von der Riccabonaschen Holzlende in die Etsch. Bei Ala und al Vò steht die Landstraße gleichfalls unter Wasser. Alle Verbindung auf derselben bis Botzen ist gehemmt. Noch ist die Etsch im vollen Anwachsen, der Regen dauert fort und beklagenswerthe Verheerungen sind fortan zu befürchten.

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"Schwere Überschwemmungen und Felsenabsturz in Tirol." Der Bote für Tirol, 4. September 1845. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/04.09.1845/152265/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1845-09-04-schwere-ueberschwemmungen-und-felsenabsturz-in-tirol