Herbstfest für Kurgäste auf der Zenoburg in Meran
Angesichts einer reichen Weinlese und verdoppelter Gästezahlen veranstalteten die Bürger von Meran unter Bürgermeister Haller am 30. September 1844 ein Herbstfest auf der Zenoburg. Rund 200 Kurgäste und Reisende des Adels- und Bürgerstandes aus ganz Europa nahmen an der Zusammenkunft in den Burgruinen teil.
Vollständige Transkription
Oesterreichische Monarchie.
Tirol.
Meran. Wer einen gesegneten Herbst am Rheine, am Nekar, in Oesterreich oder der Steiermark rc. zugebracht, weiß, welch fröhliche Feste eine gesegnete Weinlese begleiten. Das im Ganzen gesegnete Jahr und die im Gegenhalte des Jahres 1843 heuer um das Doppelte gestiegene Zahl der sich in und um Meran aufhaltenden Fremden bestimmte die Bürgerschaft von Meran, den für die Bequemlichkeit der Fremden rastlosen Bürgermeister Haller an der Spitze, in dem Versuch, ihren Gästen auch an der Mündung der Passer auf ähnliche Weise einen vergnügten Abend zu verschaffen. Hiezu wurde der 30. Sept. festgesetzt und die Räume der verfallenen allen Zenoburg zur Versammlung der Gäste gewählt. Der Eigenthümer, Hr. v. Breitenberg zu Botzen, öffnete bereitwillig die Räume des Schlosses zum Behufe diese Vorhabens. Die Ruinen diese alten Sitzes ehemaliger Landesfürsten, die der Zerstörung trotzenden Thürme und die halb verfallenen, mit Epheu umwachsenen Mauern erinnerten an das Ehrwürdige vergangener Zeiten, so wie die reizende Aussicht von jenem Platze auf das mit Schlössern bedeckte Obermais und das rechte Etschufer, auf das gigantische Mendelgebirge, in die Thäler gegen Botzen, Ulten, dem Vintschgaue und Passeyr, die herrlichen Weinberge und Wiesen, jedem der gegenwärtigen Gäste die schönste Aussicht und zugleich die Ueberzeugung gewährte, was Jahre des Friedens, Zufriedenheit der Bewohner, was Klima und Fleiß seither zu schaffen vermochten. Der Schloßraum war für 200 Gäste mit Tischen und Gedecken, mit den besten Früchten des Südens, dann Erfrischungen verschiedener Art bedeckt, auf den alten Thürmen wehten weiße und grüne Fahnen, Pöllerschüsse und ihr Echo vermehrten das Ländliche des Festes und türkische Musik wechselte mit Gesängen. Allgemeine, eben so zwanglose als anstandsvolle Fröhlichkeit herrschte unter den Gästen des Festes, an welchem auch Angehörige des hohen Adels vom Fürsten-, Grafen- und Freiherrenstande, höher gestellte Militärs, Beamte, Großhändler, Künstler rc. aus Petersburg, Reval im Esthlande, Berlin, Hannover, Prag, München, Mailand, Bregenz, Stuttgart, Meiningen, Wien, Konstanz, Augsburg, Salzburg, Kiel in Dänemark und aus verschiedenen Städten Tirols gegenwärtig waren. Die Unterhaltung begann um 3 Uhr Nachmittags und schloß Abends um 8 Uhr. Die Anerkennung der von den Bürgern Merans an Tag gelegte Aufmerksamkeit begleitete die hohen Gäste, und Dankgefühl für die Ehre ihrer Gegenwart die Bürger Merans nach Hause.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1840er5 Schlagwörter
Durchreise des Erzherzogs Franz Karl durch Tirol
Erzherzog Franz Karl reist durch das Etschtal über Meran nach Bozen und wird allerorts von Behörden, Schützen und der Bevölkerung festlich empfangen. Neben Ausflügen zu Schloss Tirol und dem Sandhof in Passeier besichtigt er in Bozen öffentliche Einrichtungen und besucht das Theater. Die Weiterreise führt ihn über Klausen in das Pustertal.
- Der Bote für Tirol1840er6 Schlagwörter
Reise der Erzherzoge Franz Joseph, Ferdinand Max und Karl Ludwig durch Tirol
Im September 1844 bereisten die Erzherzoge Franz Joseph, Ferdinand Max und Karl Ludwig den Etschkreis über den Vinschgau, Meran und Bozen. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des geschichtsträchtigen Sandhofes im Passeiertal mit der Ehrung von Veteranen aus dem Jahr 1809.
1844 im Überblick
Das Jahr 1844 war in Meran geprägt von bedeutenden Infrastrukturprojekten wie dem Ausbau der Vinschgauer Poststraße sowie einer wachsenden Bedeutung als Kurort mit über 304 Gästen im Herbst. Gleichzeitig unterstrich der hochrangige Besuch der habsburgischen Erzherzoge die regionale Relevanz Merans. Soziale Wohlfahrt und kirchliche Personalveränderungen, wie die Verleihung der Stadtpfarre, begleiteten das öffentliche Leben. →
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"Herbstfest für Kurgäste auf der Zenoburg in Meran." Der Bote für Tirol, 10. Oktober 1844. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/10.10.1844/152171/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1844-10-10-herbstfest-fuer-kurgaeste-auf-der-zenoburg-in-meran