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Durchreise des Erzherzogs Franz Karl durch Tirol

Zusammenfassung

Erzherzog Franz Karl reist durch das Etschtal über Meran nach Bozen und wird allerorts von Behörden, Schützen und der Bevölkerung festlich empfangen. Neben Ausflügen zu Schloss Tirol und dem Sandhof in Passeier besichtigt er in Bozen öffentliche Einrichtungen und besucht das Theater. Die Weiterreise führt ihn über Klausen in das Pustertal.

Vollständige Transkription

Oesterreichische Monarchie.

Tirol.

Botzen, den 27. Sept. Auch die Durchreise Sr. kaiserl. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Franz Karl war ein Freudenfest für die auf allen Stationen zahlreich versammelten Bewohner dieses Kreises, welche wetteiferten, dem hohen Gaste einen würdigen Empfang zu bereiten. Am 20. d. M. in der Frühe erfolgte die Ankunft Sr. kaiserl. Hoheit in Eyers, wo Höchstdieselben während des Umspannens die ehrfurchtvolle Begrüßung des anwesenden Kreiskommissärs, der geistlichen und weltlichen Gemeindevorstehungen und der paradirenden Landesschützen gnädigst anzunehmen geruhten. Schon ging die Reise durch die Ortschaften Schlanders, Latsch, Tschars und Naturns unter den landesüblichen Ehrenbezeugungen und Festlichkeiten der Stadt Meran zu. Hier langte der hohe Reisende um die Mittagsstunde an und wurde unter den herzlichen Freudenausdrücken der Bevölkerung von dem Kreishauptmanne an der Spitze, der geistlichen und weltlichen Behörden, von der Schuljugend und den auf dem Platze aufgestellten Schützen aus den benachbarten Gemeinden ehrerbiethigst empfangen. Hierauf geruhten der durchlauchtigste Herr Erzherzog die Aufwartung der gedachten Behörden anzunehmen und ihre Vorstände zur Tafel zu ziehen. Nachmittags machten Höchstdieselben bei schönem Wetter einen Ausflug zum Stammschlosse Tirol. Beim Dorfe Tirol kamen dem erlauchten Reisenden die Geistlichkeit und die Gemeindevorstehung zur ehrerbiethigsten Bewillkommnung entgegen, und begleiteten Höchstdieselben mit einer Abtheilung Schützen bis zum Schlosse. Hier nahmen Se. kaiserl. Hoheit das Sehenswerthe in Augenschein, und ergötzten sich vorzüglich an der herrlichen Aussicht, welche man vom Schlosse aus in das schöne und segenreiche Etschthal genießt. Nach der Rückkunft in die Stadt begab sich der erhabene Gast unter dem Gedränge einer großen Menschenmenge auf die Hauptbrücke über die Passer, um einer gelungenen Beleuchtung beizuwohnen, welche die Stadtgemeinde auf beiden Seiten der Passer, verbunden durch zwei Brücken in einer langen Reihe von Lampen mit einem Transparente und mit griechischem Feuer veranstaltet hatte. Höchstdessen Ankunft gab das Signal zum Losbrennen der inner der Beleuchtungslinie aufgestellten Pöller, während vom Platze vor dem Absteigquartier die Musik sowohl der städtischen Bande, als der Kapelle von Partschins ertönte. Am 21. Sept. Früh wurde nach Passeier zum Besuche des Sandhofes aufgebrochen, auf welchem Ausfluge dem Durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge von der darüber hoch erfreuten Bevölkerung eben jene Ehrenbezeugungen und Festlichkeiten bereitet wurden, mit welchen kurz vorher Höchstdessen durchlauchtigste Herren Söhne durch dieses Thal geleitet worden waren. Von Passeier nach Meran zurück gelangt, traten Se. kaiserl. Hoheit die Reise nach der Kreisstadt Botzen an, wo Höchstdieselben um 9 Uhr Abends eintrafen, und an der Talferbrücke unter einer festlichen Ehrenpforte, unter dem Donner der Pöller, unter dem Klange der Musik der städtischen Kapelle und unter dem Jubelrufe des zahlreich herbei geströmten Volkes vom Stadtmagistrate feierlichst empfangen und zu Höchstihrem Absteigquartier, vor welchem die Truppen des Kaiserjäger-Bataillons mit ihrer Musik zum Empfange in Parade aufgestellt waren, begleitet wurden. Am Sonntag den 22. Sept. geruhten Se. kaiserl. Hoheit einer feierlichen Militärmesse auf der sogenannten Tuchbleiche außer der Talferbrücke mit Höchstihrem Gefolge, den Vorständen der Behörden und vielen Honoratioren beizuwohnen, und sohin die dort aufgestellten k. k. Truppen die Revue passiren zu lassen. Darauf ward sämmtlichen Behörden und Korperationen das Glück zu Theil, Se. kaiserl. Hoheit in einer Audienz vorgestellt zu werden. Nach der Aufwartung der Behörden wurden einige Feldsaltner (Feldhüter) in ihrer Tracht vorgelassen, die Früchte von ausgesuchter Schönheit überbrachten. Sohinn besuchten Se. kaiserl. Hoheit der Reihe nach den neuen Gottesacker, die Pfarrkirche, das Stadtspital, die k. k. Kaserne und das neue Schlachthaus, schenkten hiebei allen Einzelheiten die sorgfältigste Aufmerksamkeit, und schienen besonders an der Ordnung und Reinlichkeit, welche die barmherzigen Schwestern in dem Spitale ungeachtet der ungünstigen Lokalverhältnisse herzustellen wußten, ein besonderes Wohlgefallen zu finden. Nach aufgehobener Tafel, zu welcher mehrere Vorstände der Civil- und Militär-Authoritäten, der Geistlichkeit und einige der hier anwesenden k. k. Kämmerer und ständischen Verordneten geladen waren, geruhten Se. kaiserl. Hoheit die städtische Schießstätte, auf welcher das k. k. Militär und die Standesschützen-Gesellschaft ein Bestschießen eröffnet hatte, mit einem Besuche zu beglücken, und auf beiden Schießstands-Abtheilungen einige Schüsse zu machen. Von da begaben sich der durchlauchtigste Erzherzog noch in die Kirche zu Gries, um die schönen Altar- und Freskogemählde von Knoller zu bewundern. Der Abend war dem Besuche des Theaters gewidmet, das zum würdigen Empfange des hohen Gastes glänzend beleuchtet und festlich geschmückt war. Beim Eintritte Höchstdesselben in die Loge erhob sich ein stürmischer, lange anhaltender Jubelruf des zahlreichen Publikums, der sich nach den einzelnen Strophen des darauf abgesungenen Volksliedes lebhaft erneuerte. Sohin wurde ein kurzer passender Prolog auf der festlich dekorirten Bühne, auf welcher der Namenszug Sr. kaiserl. Hoheit in Brillantfeuer strahlte, vorgetragen. Die Zwischenakte füllten die Musikstücke aus, welche die städtische Kapelle meisterhaft ausführte. Zum Schlusse dieses unvergeßlichen Tages ertönte vor der Kaiserkrone noch die Musik der erwähnten Bande, während die Häuser, welche den Musterplatz umschließen, festlich beleuchtet waren. Am 23. Sept. um 8 Uhr Früh erfolgte die Abreise des durchlauchtigsten Herrn Erzherzoges, Höchstwelcher durch eine anziehende Persönlichkeit, durch eine ungemeine Leutseligkeit und Herablassung und durch die rege Aufmerksamkeit, mit welcher der erhabene Gast sich um Alles, was das Land und Volk betrifft, erkundigte, den vortheilhaften Eindruck, welchen Höchstdessen Erscheinen vor 20 Jahren unauslöschbar hervorgebracht hatte, mit lebhaften Farben erneuerte. Nebst mehrern andern huldreichen Geschenken wurde auch den Armen der Stadt ein namhafter Geldbetrag gnädigst zugewendet. In Klausen, der letzten Station in diesem Kreise, wurden Se. kaiserl. Hoheit von den k. k. Landgerichts-, Berg- und Hüttenamtsbeamten, der hochwürdigen Geistlichkeit von Klausen und der Umgegend und vom Stadtmagistrate unter dem Knalle der Pöller und dem Jubelrufe der anwesenden Menge ehrerbiethigst empfangen, wobei die Knappenschaft des Pfundererberges mit ihrer Musikbande an der Spitze paradirte. Nach erfolgtem Pferdewechsel setzten Höchstdieselben Ihre Reise nach dem Pusterthaler Kreise fort.

Auch in diesem Monat

1844 im Überblick

Das Jahr 1844 war in Meran und Umgebung geprägt von wichtigen Infrastrukturprojekten wie der Ausschreibung von Arbeiten an der Vinschgauer Poststraße sowie von regem Wohlltätigkeitswesen. Bedeutend waren zudem die Besuche hochrangiger habsburgischer Erzherzoge im Etschkreis und in Meran, die von der Bevölkerung feierlich empfangen wurden. Gleichzeitig etablierte sich Meran zunehmend als bedeutender Kurort mit Hunderten von Gästen.

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"Durchreise des Erzherzogs Franz Karl durch Tirol." Der Bote für Tirol, 10. Oktober 1844. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/10.10.1844/152171/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1844-10-10-durchreise-des-erzherzogs-franz-karl-durch-tirol