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Hundertjahrfeier des Meraner Gymnasiums: Rede des Schülers Franz Kupperion

Zusammenfassung

Zum hundertjährigen Jubiläum des Meraner Gymnasiums hält der Schüler Franz Kupperion eine Dankesrede. Er würdigt das unentgeltliche Wirken der Lehrkräfte aus dem Stift Marienberg sowie die Unterstützung durch die Stadt Meran und blickt hoffnungsvoll auf das beginnende zweite Jahrhundert der Schule.

Vollständige Transkription

Zur Geschichte des Meraner Gymnasiums. 2/2

(Beschluß.)

Es ist daher leicht begreiflich, daß ich heute in dieser hochansehnlichen Versammlung meine Freude ausdrücke über das segenreiche Gedeihen dieser Anstalt seit hundert Jahren. Diese Freude wäre aber unvollkommen, wenn sie ohne Frucht an uns vorüber ginge.

Im Namen meiner studirenden Freunde darf ich es kühn aussprechen, daß wir alle das Gewicht des heutigen Tages fühlen, daß wir als Zöglinge des neuen Jahrhunderts, welches für diese Lehranstalt heute beginnt, uns bestreben werden, den Männern, welche sie im abgelaufenen Jahrhunderte gebildet hat, an gediegener Wissenschaft und Tugend nachzueifern und ähnlich zu werden. Es ist ein großer Gedanke, die schönste Aufgabe der Lehranstalt, daß sie eine blühende Kette von Jugend, Geist und Talent zum Heile des Vaterlandes durch die Jahrhunderte schlingt, und wir sind stolz darauf, Glieder dieser Kette zu seyn. Wenn auch ein Theil von uns abscheidet in die weite Welt, so wird doch das Band der geistigen Einheit, welches die Anstalt um uns geschlungen, dadurch nicht zerrissen. Der Geist der Anstalt wird in uns leben, und die Blüthen unserer Thaten sanft auf die ursprüngliche Stätte zurück wehen.

Die Freude, welche wir Schüler empfinden, muß doppelt in den Lehrern lebendig seyn, die berufen sind, das hundertjährige schöne Werk in die neuen Zeiten fortzusetzen. Ist ihre Mühe vom Kurzblicke der Welt auch selten anerkannt, so wird sie doch das wenig kümmern, weil ihr Herz den hohen Beruf ganz begreift, welcher im uneigennützigen, im unbesoldeten, unbestochenen Wirken für die Jugend besteht. Sie arbeiten an der Wurzel der Menschenbildung in Tirol, und ein solcher Arbeiter kann die Gemeinheit des menschlichen Beifalls leicht entbehren.

Das gleiche glaube ich auch im Namen der Stadtbehörde, der Unterstützerin dieser Anstalt, sagen zu dürfen. Denn ich bin im Augenblicke des Abschiedes von der Lehranstalt tief ergriffen, und in dieser Ergriffenheit ist mir eine kleine Unbescheidenheit wohl zu verzeihen.

Was die Lehranstalt bisher erhalten und blühend gemacht hat, war das gute Einverständniß der Stadtbehörde mit den Lehrern des Stiftes Marienberg, das wechselseitige Zutrauen, selbst die Innigkeit persönlicher Verhältnisse. Daß dieses schöne Band auch für die Zukunft wirksam seyn werde, kann Niemand bezweifeln, der die Bereitwilligkeit auf Seiten Marienbergs und das feierliche Entgegenkommen auf Seiten der Stadt bemerket. Es braucht zu dieser Bemerkung kein scharfes Auge; sie liegt zu Tage, und ist die beste Gewähr zum Bestande des Gymnasiums.

Ich darf daher am Ende meiner Anrede nicht herbei wünschen, was schon bestehet, ich muß mich freuen über den Sieg, den aufgeklärte Humanität über alle Kleinherzigkeit davon ge-

tragen hat.

Nehmen sie meinen tiefgefühltesten Dank gütig auf, hochverehrte Lehrer! Viele Worte thun es nicht, wir wollen danken durch die That.

Mit gleicher Rührung sprech´ ich meine Dankgefühle aus gegen die geistlichen und weltlichen Vorstände dieser Stadt. Ihrem Schutze, ihrer Theilnahme verdanken wir und tausend Andere ihre Bildung, ihr Lebensglück. — Möge die gute Stadt Meran ihre edle Wohlthätigkeit für studirende Jünglinge fortsetzen, die kaum in einer andern Stadt Tirols verhältnißmäßig so groß, so uneigennützig ist. Dadurch nimmt sie Antheil an den segenreichen Wirkungen, welche diese Lehranstalt über das ganze Land verbreitet. — Ich erlaube mir nur noch das einzige Wort: „Möge die Frucht vom zweiten Jahrhundert das erste übertreffen; dadurch steigt die Ehre und der Nutzen für die Lehranstalt selbst und für das gesammte Vaterland.“

Franz Kupperion von Tarsch.

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1840er5 Schlagwörter

    Zur Geschichte des Meraner Gymnasiums

    Rede zum Abschluss des Studienjahres 1841/42 am Meraner Gymnasium anlässlich des hundertjährigen Bestehens unter der Leitung der Benediktiner von Marienberg. Der Text schildert die historische Wiederbelebung der verarmten Stadt seit den 1720er-Jahren durch die Schulgründung, Johann Rufins Stiftung sowie die Verdienste der Äbte Johann Murr und Beda Hillebrand.

1842 im Überblick

Im Jahr 1842 prägten hochrangige Besuche und bedeutende Jubiläen das Leben in Meran und Tirol. Besonders hervorzuheben ist die Reise von Erzherzog Stephan durch die Region im Spätsommer sowie das hundertjährige Bestehen des Meraner Gymnasiums unter der Leitung der Benediktiner im August.

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"Hundertjahrfeier des Meraner Gymnasiums: Rede des Schülers Franz Kupperion." Der Bote für Tirol, 8. August 1842. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/08.08.1842/151944/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1842-08-08-hundertjahrfeier-des-meraner-gymnasiums-rede-des-schuelers-franz-kupperion