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Lebensrettung in St. Leonhard in Passeyr

Zusammenfassung

Bericht über die dramatische Rettung des Holzsammlers Johann Königsrainer in den Felswänden bei Pfistrad in St. Leonhard in Passeyr. Nach einem Felssturz hielt Anton Neurauter den schwer verletzten Gefährten unter Lebensgefahr fest, bis herbeigerufene Helfer beide bergen konnten. Die Beteiligten wurden von der Regierung für ihren Einsatz ausgezeichnet.

Vollständige Transkription

Lebensrettung.

Am 11. Juli d. J. ging Anton Neurauter mit Johann Königsrainer, beide aus St. Leonhard in Passeyr, in die Waldung nach Pfistrad, um Holz zu sammeln. Das gesammelte aus Aesten und Gesträuchen bestehende Holz trieben sie in den Felsenrißen hinab, wobei oft die Aeste an den Felsenklippen hängen blieben. Als nun deren mehrere in den Klippen sich sammelten, suchte Anton Neurauter einen Weg, um zu diesen Klippen zu kommen und die hängenden Aeste loszumachen. Es gelang ihm auch wirklich, mit Fuß- und Steigeisen einen etwas gangbaren Weg ausfindig zu machen, und rief dem Königsrainer zu, man könne hier schon gehen, er solle nachkommen. Königsrainer kam ihm kaum 6 Schritte in die Nähe, als ein sehr großer Stein ober diesem los wurde, ihn gerade auf den Rücken gegen das Genick traf und ihn bei 5 Klafter über eine Felsenwand hinunter schleuderte; bei diesem Sturze brach sich Königsrainer beide Arme und den einen zweimal. So zugerichtet hing Königsrainer mitten in den Felsenwänden mit vorgebogenem Kopfe an den Aesten, die kurz vorher hinunter getrieben wurden. Als Neurauter seinen unglücklichen Gefährten unter sich sah, sprang er aus freiem Antriebe die nämliche Höhe hinunter, packte den Königsrainer hinten beim Rücken mit einer Hand, während er sich mit einem Steigeisen in den Felsen einklammerte und mit der andern Hand sich an einem hervorragenden Felsenstück fest hielt. So schwebten beide zwischen Himmel und Erde auf abgehackten, zwischen den Felsenrißen hängenden Baumästen mitten in den Felsenklüften, keinen Augenblick sicher, ob die Aeste weichen und sie in der unter ihnen mehrere Thurm hohen Kluft ihr Grab finden werden. In dieser Todesangst brachten sie 1½ Stunde zu, bis endlich Leonhard Königsrainer und der sogenannte Holzer, welche beide mehr als eine halbe Stunde weit entfernt waren, und im entgegen gesetzten Walde Holz hackten, auf das Hülfegeschrei des Anton Neurauter aufmerksam wurden, und herbei liefen. Durch die Unterstützung dieser beiden gelang es den zwei Verunglückten, sich etwas mehr gegen den Absturz zu sichern, von der Rettung war jedoch noch keine Möglichkeit, da diese beiden zu ihrer Hülfe herbei Geeilten sie aus den Felsenklüften nicht herauf bringen konnten. Neurauter bath demnach den Leonhard Königsrainer, er möchte mehrere Menschen herbei rufen; zugleich aber auch einen Geistlichen und einen Arzt holen. Hierauf kamen Jakob Gufler und Joseph Wilhelm, dann der Dekan Alois Stuefer von St. Leonhard, und der Chirurg Lucca. Diesen Letztern ergriff der Schwindel, so daß er sich gar nicht in die Nähe der Unglücklichen wagen konnte. Jakob Gufler ließ sich an Stricken, welche an die Bäume fest gebunden wurden, in die Felsenklüfte hinab, band dem Johann Königsrainer Leintücher um die Mitte, und so wurde dieser und der Anton Neurauter, indem er sich an den gebundenen Stricken festhielt, auf die Höhe gezogen, und beide gerettet. — Dieser Vorfall wird mit dem Anhange zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem Anton Neurauter für seine eben so edle als kühne That die gesetzliche Taglia bewilliget und den übrigen vier genannten Individuen, nämlich dem Leonhard Königsrainer, dem s. g. Holzer, dem Jakob Gufler und dem Joseph Wilhelm für die wesentlich ausgezeichnete Mitwirkung bei dieser Lebensrettung gleichfalls eine Belohnung von Seite der Regierung zu Theil wurde.

1839 im Überblick

Das Jahr 1839 war in der Region Meran und Umgebung von traditionellen Feierlichkeiten, wirtschaftlichen Aktivitäten sowie alpinen Ereignissen geprägt. Neben Gedenkfeiern und dem kaiserlichen Freischießen in Meran und im Passeiertal standen gerichtliche Grundstücksversteigerungen, Berichte über alpine Unternehmungen sowie Infrastrukturprojekte und Rettungseinsätze im Vordergrund der lokalen Überlieferung.

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"Lebensrettung in St. Leonhard in Passeyr." Der Bote für Tirol, 14. Oktober 1839. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/14.10.1839/151650/3. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1839-10-14-lebensrettung-in-st-leonhard-in-passeyr