Kaiserliches Freischießen in Meran: Abschluss und Preisverteilung
Ausführlicher Abschlussbericht über das kaiserliche Freischießen 1839 in Meran mit Ergebnissen, Schussstatistiken und Preisträgern. Besondere Würdigung erfährt der k. k. Revierförster Alois von Pernwerth, Veteran von 1809, der den Hauptpreis errang.
Vollständige Transkription
Anhang.
Kaiserliches Freischießen in Meran. 2/2
(Beschluß.)
Es fielen 878 Schüsse auf das Haupt, darunter 174 ins Schwarze, 1100 auf den Kranz, und davon 158 ins Schwarze. Ueberlegt wurden 96 auf den Kranz, und 58 auf das Haupt, verhältnißmäßig eine unbeträchtliche Anzahl Fehlschüsse unter so erschwerenden und entmuthigenden Umständen. Die ersten Tage blieb das Zentrum unberührt, es schien, das Kleinod sollte nicht erobert werden im scharfen Hauche des Windes. Aber nachdem bereits die Hälfte der anberaumten Schießzeit verstrichen war, fiel eines Tages unerwartet der erste Zentrumschuß, bald nach Mittag, und wurde mit dem lautesten Jubel, mit der lebhaftesten Theilnahme von der zahlreich anwesenden Volksmenge begrüßt. Die mächtige Schützensalve, die dadurch entbunden wurde, hatte selbst die umwohnenden Ortschaften aufgeregt. Der Glückliche, dem sie galt, war Hr. de Poda von Navis, der durch noch mehrere andere glückliche Schwarzschüsse seinen Schützenruhm glänzend bewährte. Eine neue Scheibe wurde ausgesteckt, der erste Schuß auf dieselbe, von der Hand des Bauers Alois Mayr von Aschbach, Landgerichts Meran, schlug wieder schützenkräftig durch die glückliche Mitte des Scheibenrunds. Als die Scheibe mit diesem einzigen Schusse in den Schießstand geliefert wurde, kannte der Jubel der Theilnehmer keine Gränzen. Diese Bewährung des Schützenruhms im Burggrafenamte, so kurz und schlagend, galt als ehrenvollster Mittelpunkt des ganzen Festes. Nach ungefähr 15 Schüssen flog das Zentrum abermals hinaus durch die Zielstetigkeit des Michael Tschafler, Müllermeisters von Tirol. Diese Dreizahl, in unglaublich kurzer Zeit, war als dreifältige Blüthe innigster Freude in allen Augen zu lesen. Der Zudrang der Schützen am letzten Tage der Kasse-Offenhaltung nöthigte die Schützenvorstehung, auch in Anbetracht des ungünstigen Wetters, das Freischießen um zwei Tage zu verlängern, nach dem allgemeinen Wunsche der theilnehmenden Schützen. Der vierte und letzte Zentrumschuß geschah am letzten Tage des Schießens 10 Minuten nach 8 Uhr durch Alois von Pernwerth, k. k. Revierförster zu Meran, welcher sich bald darauf durch einen Ritterschuß das erste Hauptbeste sicherte, zur allgemeinen Freude der Bewohner von Meran, und aller theilnehmenden Schützen, da er unter allen Mitbewerbern, die das Zentrum getroffen, der einzige Landesvertheidiger von 1809 war, wo er im gefährlichen Angriffe auf das von den vorgeschobenen Sachsen angefüllte Haus in der Oberau nächst Brixen sich ehrenvoll ausgezeichnet hatte. Das zweite Hauptbeste kam an den bereits genannten Alois Mayr von Aschbach. In den Kranz theilten sich Joseph Ladurner, Gemeindevorstand von Allgund und Peter Gasteiger von Sterzing. Die Gewinner der verschiedenen Abtheilungen des Schleckerbestes hießen in absteigender Ordnung wie folgt: Franz Pfaffstaller von Margreid, Joseph Schenk von Eppan, Johann Kuen von Schlanders, Peter Seeber von Mittewald, Jakob Laimer von Tirol und Joseph Kuen von Schlanders. Die Prämie gewann Johann Kröß von Kuen. Der Gewinnste aus den Einlaggeldern waren auf das Haupt 396 und auf den Kranz 496. Da das Glück der nächsten Nachbarschaft sehr günstig gewesen war, wie es sonst in der Regel bei größeren Schießen nicht der Fall ist, so regte sich auch unverkennbare Theilnahme für die Beglückten. Am Abende nach erfolgtem Ende des Freischießens erschien die Kapelle der Meraner Stadtmusik, die nämliche, welche mit so vielem Beifalle im Sommer 1838 vor dem anwesenden Kaiser aufgezogen, und beim Nationalfeste im Schlosse Tirol gespielt hatte, vor dem Schießstande, führte mehrere Musikstücke sehr gelungen aus, und brachte zuletzt im Verein mit dem zahlreich zusammen geströmten Volke dem siegreichen Scharfschützen, Alois von Pernwerth, dem bewährten Kämpfer für die Ehre der Heimath, ein lautes Lebehoch. Da zugleich die zwei nächstfolgenden Hauptgewinnste, nämlich der Kranz und die zweite Abtheilung des Hauptes an Männer der Gemeinde Allgund gefallen waren, so fand sich die letztere dadurch hoch geehrt. Eine Schützenabtheilung des genannten Bezirkes erschien mit lautem Klange von Trommeln und Pfeifen, um diese rühmlichen Beweise der Schußfertigkeit in Empfang zu nehmen, und zog triumphirend in das eine Stunde von Meran entlegene Dorf zurück. Diese an sich vielleicht unbedeutenden Züge der Volkstheilnahme an Festen dieser Art zeigen gleichwohl deutlich genug, wo die Elemente einer nationalen Landesvertheidigung im Tirolervolke liegen. So endete das kaiserliche Freischießen in Meran, in schönster Ordnung, ohne Unfall, zur allgemeinen Zufriedenheit, in jenem vaterländischen Geist und Sinn, den der Kaiser Ferdinand als Bestgeber zu wecken und zu beleben die allerhöchste Absicht hatte.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1830er5 Schlagwörter
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Bericht über die Eröffnung des kaiserlichen Freischießens am Meraner Hauptschießstand am 19. April 1839 zu Ehren von Kaiser Ferdinand I. Finanziert wurde das achttägige Schützenfest aus einer kaiserlichen Spende von 500 Gulden aus dem Sommer 1838.
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"Kaiserliches Freischießen in Meran: Abschluss und Preisverteilung." Der Bote für Tirol, 6. Juni 1839. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/06.06.1839/151613/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1839-06-06-kaiserliches-freischiessen-in-meran-abschluss-und-preisverteilung