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Kaiserliches Freischießen am Hauptschießstand in Meran

Zusammenfassung

Bericht über die Eröffnung des kaiserlichen Freischießens am Meraner Hauptschießstand am 19. April 1839 zu Ehren von Kaiser Ferdinand I. Finanziert wurde das achttägige Schützenfest aus einer kaiserlichen Spende von 500 Gulden aus dem Sommer 1838.

Vollständige Transkription

Anhang.

Kaiserliches Freischießen in Meran. 1/2

Wie bereits in diesen Blättern gemeldet worden ist, schenkte Seine Majestät der Kaiser Ferdinand während seiner Anwesenheit in Meran im Sommer 1838 die Summe von 500 fl. Wienerwährung Konventionsmünze an den k. k. Hauptschießstand dieser uralten Residenzstadt der tirolischen Landesfürsten zu einem nationalen Schützenfeste, das nach Gutdünken der Schützenvorstände zu gelegener Zeit veranstaltet werden sollte. Man glaubte zur Feier dieser kaiserlichen Wohlthat keinen schicklicheren Zeitpunkt wählen zu können, als den 19. April 1839, den Geburtstag des erhabenen Bestgebers, wo so viele Gefühle des Dankes und der Liebe aus allen Umkreisen des tirolischen Lebens zusammen fließen in den Mittelpunkt treuer Unterthanenliebe, wie sie das Herz der Tiroler fühlt und ausströmt. Der lang ersehnte Tag, durch die Vorbereitungen zum Feste dem ganzen Umkreise des Burggrafenamtes verlautet, wurde mit dem feierlichsten Gottesdienste in der Pfarrkirche eröffnet, um den Segen des Himmels auf den frommen Kaiser und die fromme Kaiserin herab zu flehen. Dabei waren die Beamten des Landgerichtes, die Professoren des Gymnasiums mit ihren Schülern, und Ausschüsse des Kapuzinerkonventes und der englischen Frauen mit einer höchst ansehnlichen Volksmenge erschienen. Nach dieser kirchlichen Feier strömte Alles in den mit besonderm Geschmack erweiterten und verzierten Schießstand, um die daselbst ausgehängten Beste in Augenschein zu nehmen. Das Hauptbeste bestand in zwei Abtheilungen, zu 50 und zu 25 Kaiserthalern, die erstere mit einer zierlichen Fahne, jedwede mit eigner Zier, hier die Kaiserkrone, dort die Anfangsbuchstaben des Kaisernamens, in sinnreicher Fassung darstellend. Der Kranz both dem glücklichen Gewinner mit eigner Fahne in der ersten Abtheilung um den Adler des Kaisers 18 nebst einer Fahne, in der zweiten Abtheilung mit den Anfangsbuchstaben des Namens der Kaiserin 12 Kaiserthaler. Dazu kamen sechs Abtheilungen des Schleckerbestes zu 7, 6, 5, 4, 3, 2 Kaiserthalern, mit der Prämie von zwei Thalern für die meisten Schwarzschüsse. Die zwei Fahnen, und sämmtlichen Zierden mit den Geldgewinnsten waren im Schießstande selbst den Eintretenden gegenüber an äußerst ziersamen, breiten Atlasbändern aufgehängt. Die Kranzsteckscheibe, ebenfalls hier ausgestellt, zeigte ein Tableau aus den Vertheidigungskämpfen der tapfern Tiroler. An der Schlucht von zwei zusammen laufenden Gebirgsreihen überfielen die bereiten Landstürmer eine hervor brechende Schar Feinde; es entspann sich ein hitziges Gefecht, worin die fremden Gäste geschlagen und zum Rückzuge gezwungen wurden, aus dem Schlachtfelde, das mit ihren Todten bedeckt war. Mehrere vaterländische Scharfschützen hatten neben den Feinden ehrenvollen Tod gefunden, kaum betrauert von den Ihrigen, denn sie waren für ihren Kaiser, für die Sache ihrer Heimath gefallen. Dieser ernste Hintergrund dehnte sich in weite Gefilde aus, als Vordergrund bedeutsam dem Leser ins Auge leuchtend, hier mit einem lustigen, schützenvollen Schießstande, dort mit einem Gottesacker, wo die Kreuze über den gefallenen Landesvertheidigern tröstlich empor stiegen. Eine bräutliche Jungfrau kniete auf den frischen Gräbern, nicht den Verlornen beweinend, selig im Gefühl, daß er der höhern Pflicht gehorsam, unverzagt den schönen Tod für Kaiser und Vaterland gewählt, wetteifernd ums schönste Hauptbeste tirolischer Scharfschützen. Um Vorder- und Hintergrund schlangen sich im Umkreise die vom Schützenvorsteheramte ausdrücklich hiezu verlangten Verse nach dem Denkbuche der Erbhuldigung Tirols 1838:

Die Schützenbraut am Leichenhügel

Küßt thränenhell das Kreuzessiegel,

Und jede Blum´ am Grabesrand;

Es ist ein kühnes, stolzes Küssen,

Der Schütze fühlt´s, durchbohrt von Schüssen:

„Er starb für Kaiser Ferdinand!“

Mittlerer Weile war der Nachmittag gekommen, ein festlicher Zug erhob sich durch die Stadt mit allen Besten, und den Steckscheiben, angeführt von der Trommel und Schwögelpfeife, die so einfach und ernst einst die Streiter auf dem Küchlberge und auf dem Sinnich zum Kampfe ermuntert, bisweilen umschmettert von dem Schalle von 6 Trompetern in der schönen, kleidsamen Tracht der hiesigen Landleute. Abzug und Zurückkunft in den Schießstand wurde mit lautem Pöllergeschütze begrüßt. Sogleich erfolgte die Eröffnung des Freischießens. Die Dauer desselben war auf 8 Tage bestimmt, die Kasse selbst aber blieb nur bis zum 24. April offen, mit dem Vorbehalte der Schützenvorstehung, auch eine nach den Umständen entsprechende Verlängerung eintreten zu lassen. Die Einlage zu 4 Röhren aufs Haupt betrug 12, zu eben so viel Schüssen auf den Kranz 4, somit auf Haupt und Kranz zugleich 16 fl. Der erste Gewinnst auf dem Hauptbeste war zu 18, auf dem Kranze zu 6 fl. angesetzt, alle übrigen Gewinnste zu 45 auf 100 Schüsse vertheilt. Die vergangenen Tage hatte es gewaltig gestürmt, ein heftiger Nordwest mit allen unberechenbaren Wechseln seiner Laune versprach den Schützen keine günstige Schußgelegenheit, selbst sein scheinbares Ausruhen am kaiserlichen Geburtstage dauerte nur kurze Frist, er wehte alle 8 Tage hindurch mehr oder minder anhaltend. Dessen ungeachtet kamen 251 Schützen aus allen Theilen des Landes zusammen, selbst Männer aus dem Oetzthale, und von den wälschen Gränzbezirken fehlten nicht. Darunter legten 205 Schützen auf das Hauptbeste, die sämmtlichen 251 auf den Kranz ein, mit ausharrendem Muthe streitend mit der Ungunst des Wetters.

(Beschluß folgt.)

Auch in diesem Monat

1839 im Überblick

Das Jahr 1839 war in der Region Meran und Umgebung von traditionellen Feierlichkeiten, wirtschaftlichen Aktivitäten sowie alpinen Ereignissen geprägt. Neben Gedenkfeiern und dem kaiserlichen Freischießen in Meran und im Passeiertal standen gerichtliche Grundstücksversteigerungen, Berichte über alpine Unternehmungen sowie Infrastrukturprojekte und Rettungseinsätze im Vordergrund der lokalen Überlieferung.

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"Kaiserliches Freischießen am Hauptschießstand in Meran." Der Bote für Tirol, 3. Juni 1839. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/03.06.1839/151612/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1839-06-03-kaiserliches-freischiessen-am-hauptschiessstand-in-meran