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Kaiserlicher Besuch in Meran und Belehnung auf Schloss Tirol

Zusammenfassung

Bericht über den kaiserlichen Besuch von 1838 in Meran und die feierliche Belehnung auf Schloss Tirol. Die Liegenschaft des 1809 gefallenen Anführers Andreas Hofer im Passeiertal wird zum landesfürstlichen Lehen Sandhof erhoben und an dessen Nachkommen übergeben.

Vollständige Transkription

Tirol.

Ueber den Aufenthalt Ihrer Majestäten in Meran, und die denkwürdige Feier auf dem Schlosse Tirol kamen uns folgende genaue Details zu:

Meran, den 22. Aug. Am 20. d. M. gegen Mittag wurde der Stadt Meran das Glück zu Theil, ihr geliebtes, durchlauchtigstes Herrscherpaar auf dessen Reise durch Tirol in ihre Mauern aufzunehmen. Pöllerschüsse von den Höhen und Festgeläute von allen Thürmen verkündeten die allerhöchste Ankunft, und wurden bald durch den herzlichen Jubelruf der dicht gedrängten Volksmenge übertönt. An der Passerbrücke geruhten Ihre Majestäten der Bitte des Volkes nachzugeben, die Pferde des Leibwagens auszuspannen, und sich von einigen Landleuten bis zum Absteigquartiere ziehen zu lassen. Dort wurden Allerhöchstdieselben von Sr. kaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge Johann, dem k. k. Hofkammer-Präsidenten Grafen von Wilczek, als Stellvertreter des Landeshauptmannes, dem Fürstbischofe von Trient und dem k. k. Kreishauptmanne ehrfurchtsvollst empfangen. Zur Ehrenwache war eine Compagnie des k. k. Infanterie-Regimentes Gollner aufgestellt, und drei Schützencompagnien von Meran, Lana und Passeier, gleich ausgezeichnet durch den hohen, kräftigen und schönen Wuchs, wie durch die Haltung und schöne Nationaltracht der Mannschaft, bildeten um den Platz Spalier und defilirten dann vor Ihren Majestäten. Die Wache am Thore und im Innern wurde gemeinschaftlich vom Militär und den Schützen versehen. Bald nach der Ankunft ließen sich Se. Majestät der Kaiser die Geistlichkeit, das Landgericht und den Magistrat vorstellen, und begaben sich dann zur Tafel.

Nachmittags verfügten sich Se. Majestät der Kaiser in das Schloß Tirol zu einer Feier, die ganz eigenthümlich in ihrer Art ein gewichtiges Blatt in der Geschichte des Landes füllt, und bedeutungsvoll die Zukunft an eine große Vergangenheit knüpft. Eine Abtheilung Landesschützen eröffnete den Zug, darauf folgten Se. Majestät, dann Se. kaiserl. Hoheit und das allerhöchste Gefolge zu Pferde. Einzelne Schützenabtheilungen standen längs des Weges, die Glocken aller nahestehenden Thürme läuteten und von den Höhen donnerten Pöllersalven herab, und überall drängte Alt und Jung sich in Festkleidern herbei, seinen lieben Herrscher zu sehen, und erfüllte die Luft mit freudigem Lebehoch. Das Stammschloß Tirol war von einer Compagnie Passeierer nach dem alten von der Herzogin Margarethe ihnen zum Lohne ihrer schon damals bewährten Anhänglichkeit und Treue eingeräumten Vorrechte besetzt, an den innern Thoren standen die Schildhofbesitzer *) mit Hellebarten. In dem geräumigsten Zimmer des Schlosses war ein Thron errichtet, auf welchem Se. Majestät sich nieder zu lassen und das Haupt zu bedecken geruhten, die Schildhofbesitzer stellten sich dem Throne gegenüber, vor ihnen die Angehörigen des biedern Andreas von Hofer, und um sie und in dem Vorsaale, drängte sich eine große Zahl von Passeierern und herbei geströmten Zusehern. Der Graf von Wilczek, Stellvertreter des Landeshauptmannes und Burggrafen von Tirol, trat hierauf neben den Thron und hielt folgende Anrede:

„Passeierer!“

„Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und Herr haben in Anerkennung euerer stets bewiesenen Treue und Anhänglichkeit euch gestattet, heute hier auf diesem kaiserlichen Stammschloße zu erscheinen, und nach dem alten Vorrechte, das euern Vätern in der Vorzeit eingeräumt worden war, dessen Burghut zu versehen.“

„Zugleich haben mir Se. Majestät den allerhöchsten Auftrag zu ertheilen geruht, euch hier zu eröffnen, daß es Sein kaiserlicher Wille sey, der Nachwelt ein ehrendes Andenken an euern um das allerhöchste Kaiserhaus und sein Vaterland hochverdienten Anführer Andreas Hofer dadurch zu überliefern, daß Se. Majestät dessen hinterlassene Realität in Passeier erkauft, in ein landesfürstliches Lehen umstaltet und zu bestimmen geruht haben, daß dasselbe auf immerwährende Zeiten „von Hofers Sandhof“ heiße und sein Besitzer immer den Namen Hofer führe. Es soll damit zuerst ein Enkel des Andreas von Hofer von seinem Sohne Johann von Hofer belehnt werden, und da Se. Majestät auf die unterthänigste Bitte des eben anwesenden Johann von Hofer zu beschließen geruhten, daß dessen minderjähriger Sohn Andrä von Hofer zuerst mit diesem Lehen begnadigt werde, so haben Allerhöchstdieselben in Berücksichtigung der Minderjährigkeit des ersten Lehenbesitzers zugleich zu verfügen befunden, daß der Andrä Erb, Schwiegersohn des Andreas von Hofer, anmit zum Lehenträger für jenen aufgestellt, ihm als solchen dieß Lehen nach dem Lehenrechte übergeben, sofert aber von ihm der Leheneid bei der hierländischen Lehenstube abgelegt werde. Indem Se. Majestät das Andenken euers biedern und getreuen Anführers ehren und euch einen Beweis Ihrer landesväterlichen Huld und Gnade ertheilen, versehen sich Allerhöchstdieselben, daß ihr bei jeder vorkommenden Gelegenheit euere alte Treue und Anhänglichkeit an Ihn und Sein Haus bewähren und das stets seyn und bleiben werdet, was euere Väter waren. Se. Majestät bleiben euch in Gnaden gewogen.“

Nachdem Graf Wilczek diese Anrede gehalten hatte, trat der k. k. Kreishauptmann an der Etsch Klemens Graf von Brandis vor Se. Majestät, und hielt im Namen der Bewohner von Passeier folgende Dankrede an Allerhöchstdieselben:

„Alledurchlauchtigster, großmächtigster Kaiser,

König und Herr!“

„Geruhen Euere Majestät mir allergnädigst zu gestatten, im Namen des so eben zum ersten Lehenbesitzer ernannten Enkels des Andreas von Hofer und des Volksstammes, dem er angehört, Allerhöchstdieselben den tief gefühlten Dank für ein so auszeichnendes Merkmahl der allerhöchsten Huld und Gnade zu Füßen zu legen.“

„Die Tiroler haben es stets als eine ihnen eben so heilige als theuere Pflicht angesehen, Gut und Blut für ihr Kaiserhaus zu opfern, und fühlen darum auch um so tiefer die Gnade ihres Monarchen, der daraus, was sie aus Pflichtgefühle leisten, den Anlaß zur großmüthigsten Anerkennung und Belohnung nimmt. Es hatte bereits die landesväterliche Huld unsers verewigten Monarchen die Rückgelassenen des Andreas Hofer mit kaiserlicher Großmuth beschenkt, es hatten überdieß Weiland Se. Majestät dessen Gebeine in Allerhöchstihrer Hofkirche beisetzen, und ihm zunächst den Standbildern Allerhöchstihrer kaiserlicher Voreltern ein Denkmahl errichten lassen, das eine der schönsten Kunstzierden des Landes ist. Doch alles dieß genügte noch nicht den allergnädigsten Absichten Euerer Majestät, auch an der Heimathstätte jenes treuen Vertheidigers seines Fürsten soll nun durch deren Umstaltung in ein landesfürstliches seinen Namen bewahrendes Lehen ein neues Denkmahl sich erheben, das immer sich erneuernd nach Jahrhunderten noch die Treue des Landes und die Anerkennung des Monarchen verkünden, und dessen erste Verleihung auf diesem Schloße durch Euere Majestät in Allerhöchsteigner Person in froher Volkssage von Geschlecht auf Geschlecht übergehen wird.“

„Möge Gott Euerer Majestät noch eine lange und glückliche Regierung verleihen; sollten indessen Seine unerforschlichen Rathschlüsse auch Allerhöchstdenselben eine Prüfung vorbehalten haben, so werden Euere Majestät in Tirol und vor allem in jenem Thale, dem seine Landesfürsten schon von Alters her die Burghut ihres Stammschloßes anzuvertrauen geruhten, den alten treuen Hort Allerhöchstihres Thrones immer wieder finden.“

Se. Majestät geruhten Ihre Rührung über die aller Orten und hier von neuem bewährt gefundenen Gesinnungen der Treue und Anhänglichkeit Ihres guten Volkes in Tirol auszusprechen, und alle Versammelten brachen in ein lautes Lebehoch aus. Se. Majestät ließen sich die Enkel des Andreas von Hofer vorstellen, von denen das älteste Mädchen Anna Erb einen Strauß von Alpenblumen überreichte, dann wurden Sr. Majestät noch die zwei Landleute Blasius Trogmann von Mais und Mathäus Ladurner von Algund, die ihrer Verdienste wegen bei der Huldigung die mittlere goldene Ehrenmedaille erhalten hatten, vorgestellt. Se. Majestät verweilten noch eine Zeit, um die herrliche Aussicht des Schloßes anzusehen, und kehrten nach Meran zurück.

Ihre Majestät die Kaiserin hatte indessen das Kloster der englischen Fräulein und eine eben zur Feier der allerhöchsten Anwesenheit von Wohlthätern gegründete Niederlassung barmherziger Schwestern im Spitale zu Meran besucht.

Den Abend waren die Stadt und einige Anhöhen herum glänzend und mit vielem Geschmacke beleuchtet, insbesondere zeichnete sich dabei eine doppelte Reihe farbiger Ballons längs der Passerufer durch ihre magische Wirkung aus.

So endete ein Tag, der unter schlichten, anspruchlosen Formen das gewaltige Band erneuert zeigte, das der freundliche Erbe der Herzogin Margarethe im Jahre 1363 zuerst geschlungen, der im Unglück große Friedrich gekräftigt, der ritterliche Kaiser Max belebt, und die lange Reihe seiner Nachfolger lebenskäftig fort erhalten, bis es in den Kämpfen unserer Tage einen Glanzpunkt erreichte, davon die Geschichte wenig gleiche kennt.

Den 21. Morgens um 9 Uhr verließen Ihre Majestäten die Stadt Meran, und setzten Allerhöchstderen Reise nach Mals fort.

*) Eilf Höfe in Passeier, Namens: Saltaus, Rennwies, Granstein, Kahlbauer, Gereith, Baumkirch, Steinhaus, Gomion, Happerg, Bucheneck und Erbion, sie stehen für sich in der Landesmatrikel, und sollen diese Begünstigung dadurch erhalten haben, daß ihre vormaligen Besitzer die Burgwache der Herzogin Margarethe bildeten.

Auch in diesem Monat

  • Der Bote für Tirol1830er4 Schlagwörter

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    Nach einem tödlichen Vorfall in einer südtiroler Gemeinde, bei dem ein zweieinhalbjähriger Knabe verstarb und drei Personen erkrankten, wird öffentlich vor dem Gebrauch unverzinnter Kupfergeschirre gewarnt. Zugleich wird an das bereits 1816 erlassene Verbot solcher Gefäße erinnert.

1838 im Überblick

Das Jahr 1838 in Meran und Umgebung war maßgeblich von kaiserlichen Besuchen und Zuwendungen sowie der offiziellen Ehrung und Nachlasspflege der Familie Andreas Hofers geprägt. Gleichzeitig prägten Naturereignisse wie schwere Unwetterschäden und gesundheitliche Warnungen den Alltag. Regionale Identität und der Beginn der Badesaison bildeten weitere prägende Linien des Jahres.

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"Kaiserlicher Besuch in Meran und Belehnung auf Schloss Tirol." Der Bote für Tirol, 30. August 1838. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/30.08.1838/151533/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1838-08-30-kaiserlicher-besuch-in-meran-und-belehnung-auf-schloss-tirol