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Blicke auf Südtirol: Schlösser, Ausflüge und das heilsame Klima von Meran

Zusammenfassung

Der Bericht beschreibt die dichte Burgenlandschaft rund um Meran sowie die zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten in die Nachbartäler und Heilbäder. Neben dem geselligen dörflichen Leben und Bräuchen wie dem Einsatz der Saltner wird Merans mildes Klima als heilsames Luftbad zur Linderung von Lungenleiden hervorgehoben.

Vollständige Transkription

Außerordentliche Beilage zur Allgemeinen Zeitung. Nro. 277. 1834 (15 Julius.)

Blike auf Südtyrol.

Meran.

(Beschluß.)

Die Anzahl von Schlössern in dieser Gegend ist sehr groß; selbst der Rhein und Franken können sich nicht damit messen. Sie sind größtentheils aus dem Mittelalter, doch wohl erhalten und in sehr wohnlichem Zustande. Einige davon sind in neuester Zeit von ihren angestammten Besitzern in die Hände von Käufern übergegangen, wie Löwenberg, Rametz und Fragsburg, von denen die beiden letzteren dem Professor Flarer in Pavia und dem Hofopernregisseur Cornet in Braunschweig, gebornen Tyrolern, angehören, die mit anmuthigen und nützlichen Verbesserungen ihr neues Besizthum antraten. Professor Flarer läßt sein alterthümliches Schloß durch italienische Bauleute in eine Villa umwandeln, und diese mit zahlreichen Maulbeerbäumen umgeben, um die Seidenzucht zu pflegen, die schon früher hier blühte, und von dem Weinbaue verdrängt wurde. Ueber Meran erhebt sich das alte Stammschloß Tyrol, zu dem ein anmuthiger Weg durch Weingärten, und dann durch einen gesprengten Felsengang, das sogenannte Knappenloch, führt. Daneben liegt das freundliche Dörfchen Tyrol, wo man in dem reinlichen Wirthshause eine schöne Sommerfrist halten kann. Die Aussicht beherrscht das ganze Etschthal bis Kaltern und weiter. Der Ort ist auch von großem historischem Interesse. Eine römische Pflanzung, die den Namen Teriolis führte, ist durch alte Schriftsteller dargethan; der heutige Name erscheint urkundlich das erste Mal 1140. Gerung und Albert, Söhne Otto´s, des letzten Grafen von Chur-Rhätien, waren es aber, welche die Reste der altrömischen Teriolis bereits um die Mitte des eilften Jahrhunderts wieder bewohnbar machten und selbst darin hausten. Unter Schloß Tyrol liegen die malerischen Ruinen der Brunnenburg; unweit davon, nordöstlich, am Eingange in das enge Seitenthal Langvall, mit Epheu bedekt, das alte Stammschloß derer v. Aur. Nach Passeyer hin erhebt sich noch stolz die Zenoburg (Mons S. Zenonis); ihr gegenüber auf einer bedeutenden Anhöhe das Schloß Schenna, einst die Hofhaltung der Grafen von Lichtenstein. Labers, Rametz, Rubein, Knillenberg, Winkel und mehrere andere Schlösser liegen hier dicht aneinander gereiht, und scheinen, von einer fernen Höhe betrachtet, mit Meran Eins zu seyn. Unter Fragsburg (Trifragium), auf einem hervorstehenden Mittelberg gelegen, das 1356 dem Ritter Otto von Aur als Lehn gegeben ward, erblickt man Katzenstein, weiter unten Neuberg, beide in malerischer Umgebung. Auf der anderen Seite des Thales die Ruine des eingestürzten Schlosses Brandeis mit dem daneben neuerbauten Löwenberg, der alte Sitz der nunmehr ausgestorbenen Grafen v. Fuchs, die Ruinen von Forst, Josephsberg, und viele andere noch. Diese Kette von Schlössern dehnt sich in ununterbrochener Reihe durch das ganze Vinstgau und bis zur Gränze der Lombardei aus. Das alte Hohen-Eppan, Tyrols mächtiger Rival, winkt auf einem Abhange der malerischen Mendola (Mändel) nach Meran hinüber; nicht fern sind die Ruinen des Schlosses Maultasch und des wunderbaren Sauschlosses auf kühnem Felsen, von dem die bekannte Sage im Volke lebt. Zu welchen schönen Ausflügen diese nächste Umgebung einladet, läßt sich ermessen. Hiezu kommen noch die lieblichen Dörfer Mais, Lama, Gratsch, Algund und Partschins, mit einem bedeutenden Wasserfalle, Marling u. s. w. Auch eines schwefelhaltigen Gesundbrunnens erfreut sich die Gegend. Auf der Töll, eine kleine Stunde von Meran, liegt das Bad „das Badl“ genannt, das besonders Sonntags stark besucht wird. Größere, sehr interessante Ausflüge können von hier aus mit wenigen Kosten und geringem Zeitaufwande unternommen werden. In einem Tage kan man mit der Post über die neue Wunderstraße, an der Ortelosspize vorbei, Bormio erreichen; in gleich kurzer Zeit gelangt man nach dem merkwürdigen Passe von Finstermünz, ins Engadin und ins Ultener Thal, wo ein stärkendes Bad das Ziel vieler Hülfsbedürftigen ist. Trient ist ebenfalls nur eine starke Tagereise von Meran entfernt, und in vier Stunden hat man das ganze Passeyerer Thal zu Fuße durchmessen, und befindet sich „am Sande“ in Hofer´s berühmtem Wirthshause. Auf guten Maulthieren, die man herauskommen läßt, reitet man nach dem nachbarlichen Nons- und Sulzberge zu den wirksamen Heilbädern Rabi und Pejo. Man sieht aus diesen kurzen Andeutungen, welche Genüsse ein Sommer in Meran bietet, die so leicht kein anderer, in welcher Gegend Deutschlands es sey, zu überbieten im Stande seyn wird. — Der Aufenthalt in Meran selbst ist ganz ländlich und sehr angenehm. Ein Spaziergang unter Bäumen längs der Passer, „auf der Mauer,“ vereinigt die Einwohner Abends nach den Geschäften des Tages. Man hat übrigens zwei Kaffeehäuser und zwei gute Gasthöfe, beim Adler und auf der Post, welch letztere ihrer freien Lage und guten, billigen und freundlichen Bedienung wegen sehr zu empfehlen ist. Unter den Einwohnern zeichnen sich viele durch höhere Bildung aus, und Alle wetteifern in gastfreundlicher Zuvorkommenheit gegen die Fremden. — Man hat bereits so viele Beispiele von dem heilsamen Einflusse des Klima´s von Meran auf die Gesundheit geschwächter Personen, und kann selbst nachweisen, daß dadurch mehr als Einmal schon der entstehenden Phthisis ein Damm entgegengestellt wurde. Auch in diesem Jahre befinden sich Kranke und Rekonvalescenten hier, die mit heiterem Muthe nunmehr Bergpartieen unternehmen, welche bei ihrer Ankunft ihnen unübersteigliche Hindernisse gezeigt hätten. — Schon hat sich hier die Traube gefüllt und beginnt sich zu färben; schon sieht man, wie die Saltner, Wächter in den Weinbergen, sich die Bärte wachsen lassen, um später in abenteuerlich-wilder Tracht, als herumwandelnde Vogelscheuchen, Diebe aller Art zu entfernen. Auch in seinen alten Eigenthümlichkeiten zeigt sich das Kernland Tyrol so reizend, und Alles darin ist bis jetzt noch unbekannt und neu, während die Schönheiten anderer Provinzen längst ausgebeutet sind. — Man hat in jüngster Zeit so viel in den gelesensten Zeitungen über den großen Vortheil der Seebäder gesagt, und ihnen den wohlverdienten Eingang bei der Gesellschaft verschafft; es werde uns daher nicht verdacht, wenn wir hier versuchten, das Meraner „Luftbad“ mit allen seinen Annehmlichkeiten ins gehörige Licht zu setzen, um ihm einen ähnlichen Erfolg zu gewinnen, denn diese Zeilen sind in dem Sinne aller derer abgefaßt, welche in diesem Sommer sich seiner guten Wirkung zu erfreuen Gelegenheit hatten.

Auch in diesem Monat

  • Allgemeine Zeitung1830er5 Schlagwörter

    Blicke auf Südtirol: Merans klimatische Vorzüge und die Sommerfrische

    Ein Bericht in der Augsburger Allgemeinen Zeitung von 1834 preist das milde Klima, die reiche Vegetation und die Vorzüge Merans als Kurort für Lungenkranke im Vergleich zu Nizza. Zudem wird das Phänomen der Tiroler Sommerfrische geschildert, bei dem Städter aus Bozen und Meran der sommerlichen Hitze in höher gelegene Orte und Mineralbäder entfliehen.

  • Der Bote für Tirol1830er4 Schlagwörter

    Erdbeben in Glurns

    Am 6. Juli 1834 ereignete sich in Glurns in den frühen Morgenstunden ein kurzes, aber starkes Erdbeben. Das von einem dumpfen Getöse begleitete Naturereignis dauerte etwa sieben Sekunden und verlief von Westen nach Osten.

  • Der Bote für Tirol1830er5 Schlagwörter

    Empfehlung Merans als heilsamer Sommeraufenthalt

    Ein Artikel in der Allgemeinen Zeitung preist Meran als heilsamen Sommerkurort für Brust- und Gichtkranke an und stellt die Vorzüge des dortigen Klimas gegenüber Nizza heraus. Die Redaktion ermahnt die Meraner Bevölkerung, den Gästen tüchtig und gastfreundlich zu begegnen, dabei aber übermäßige Geldschneiderei zu meiden.

1834 im Überblick

Das Jahr 1834 war in der Region von Naturereignissen, wissenschaftlichen Debatten und dem Aufstieg Merans zum Kurort geprägt. Während Murenabgänge und ein Erdbeben die Widerkraft der lokalen Bevölkerung forderten, boten alpine Erstbesteigungen wie die des Ortlers neue Perspektiven. Gleichzeitig spiegelte die Berichterstattung über milde Winter und meteorologische Theorien das breite Interesse an naturkundlichen Fragen wider.

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"Blicke auf Südtirol: Schlösser, Ausflüge und das heilsame Klima von Meran." Allgemeine Zeitung, 15. Juli 1834. https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb10504531_00203_u001?page=8,9. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1834-07-15-blicke-auf-suedtirol-schloesser-ausfluege-und-das-heilsame-klima-von-meran