Theaterbericht aus Botzen: Aufführung von „Belisar“ unter Karl Ziegler
Eine Theaterkritik aus Botzen würdigt die gelungene Aufführung von Eduard Schenks Drama „Belisar“ unter der Direktion von Karl Ziegler und lobt das Ensemble um die Familie Etterich.
Vollständige Transkription
Anhang.
Botzen, den 22. Jan. Heute wurde auf dem hiesigen Theater unter der Direktion des Karl Ziegler das rühmlich bekannte Drama „Belisar“ von Eduard Schenk gegeben. Die Einnahme war zum Vortheile der Familie Etterich bestimmt. So beschränkt auch die Kräfte der Gesellschaft sind, und so wenig man sich deshalb von der Vorstellung dieses Stückes ein günstiges Resultat erwartete, um so entsprechender war der Erfolg. Die Ausführung geschah mit vielem Beifalle und zu einer solchen Zufriedenheit, daß die Schauspielergesellschaft der bittern Laune des neulich in diesem Blatte aufgestandenen Berichterstatters wirklich nicht besser begegnen kann, als wenn sie fortfährt, durch mehrere solche Darstellungen sich die Gewogenheit des Publikums zu verdienen. — Die Spielenden, welche durch ihre Leistungen zum Gelingen der Produktion das Meiste beitrugen, sind: Hr. Ziegler, Madame und Demois. Etterich. Der Direktor Ziegler hatte die Rolle des Belisar, die unverkennbar viele Anstrengung, Genauigkeit des Spiels und rasche Gewandtheit erheischet. Er entsprach diesen Anforderungen, und wir bemerkten bei dieser Vorstellung mit wahrem Vergnügen, daß Herr Ziegler seine sonstige, etwas zu große Schnelligkeit im Vortrage, welche ihn nicht selten unverständlich macht, klug zu mäßigen wußte und sich von dem in manchen Stellen für seine Individualität besonders verführerischen Pathos nicht fortreißen ließ. Am gelungensten war sein Spiel im zweiten Akte, in der Szene, wo sich Belisar gegen die verläumderische Anklage der beiden Höflinge vertheidiget, und am Anfange des dritten Aktes, wo der unglückliche, geblendete Held, von seinem Kaiser verbannt und durch die Bosheit seiner Feinde tief gebeugt, die edelmüthige Tochter findet, die dem geliebten Vater freiwillig in Noth und Elend folget. Man sah in diesen Szenen, daß Herr Ziegler nicht, wie er wohl sonst oft gethan, sich bloß auf getreues und fertiges Memoriren seiner Rolle verlegte, sondern auch den Sinn derselben aufzufassen bemüht war. Wir hoffen, daß er dieses in Zukunft immer befolgen und zudem im Vortrage und Gebärdenspiel sich nie von dem Charakter entfernen wird, den er vorzustellen hat; dann wird er das hiesige Publikum noch öfter in die angenehme Lage setzen, ihm den verdienten Beifall und die gewünschte Aufmunterung zu Thteil werden zu lassen. Zugleich möchten wir ihm als Direkteur empfehlen, eine größere Sorgfalt in der Auswahl der Stücke zu beobachten, und, anstatt der Bäuerlichen Wiener Lokalpossen, die höchstens an Ort und Stelle Interesse erregen können, gute Lustspiele, abwechselnd mit gelungenen Schau- und Trauerspielen zu geben. Wenn wir auch in der deutschen Litteratur von der ersten Gattung leider nur eine kleine Anzahl haben, so finden sich doch in den beiden letzten Gattungen unstreitig sehr viele und belohnende Werke, deren fleißige Darstellung gewiß auch hier mit Dank anerkannt werden und dem Theater bald mehrere Gönner gewinnen wird. Die beiden Etterich, wovon die Mutter die Antonina, die Tochter die Irene gab, sind, wie fast immer, auch dieses Mal brav gewesen, besonders Dem. Etterich. Dieses noch sehr junge Frauenzimmer verräth eine entschiedene Anlage fürs Theater, und ihr aufkeimendes Talent würde unter einer erfahrenen Leitung bald recht viel Lobenswerthes leisten. Indeß ist sie, wie gesagt, noch immer jung genug, um auch in der Folge, wenn sie das Glück hat, trefflichen Mustern nahe zu kommen, sich zu einer sehr brauchbaren Schauspielerin auszubilden. Vorzüglich gefällt ihr reines, schönes Organ, ihre deutliche, korrekte Aussprache und die richtige Betonung. Wir rathen ihr vor der Hand die fleißige und bedächtliche Lektüre guter dramatischer Werke, damit sie ihre erwachenden Gefühle dadurch nähre und begeistere, und sich vor jenem den Schauspielern und Schauspielerinnen so häufig eigenthümlichen Mechanismus verwahre, der höchstens die jedesmalige Rolle gedankenleer memorirt, ohne eine Vergleichung der im Stücke handelnden Personen und ein wohlberechtigtes Zusammenspiel zum Zwecke des Ganzen. M.
*) Die Red. glaubte aus Gerechtigkeit diese nachträgliche, von dem frühern in Nr. 5 des Bothen v. u. f. T. u. V. enthaltenen Aufsatze über das Botzner Theater ziemlich abweichende Beurtheilung aufnehmen zu sollen, wobei sie zugleich erklärt, vor der Hand keine weitern Kritiken oder Amusititäten über derlei ambutirende Theater einlaufen zu lassen, das prota Litteratur! — Red.
1829 im Überblick
Im Jahr 1829 prägten kulturelle Berichte über das Theaterwesen in der Region, insbesondere Aufführungen in Bozen wie Eduard Schenks Drama „Belisar“, das öffentliche Leben. Daneben dokumentieren die Aufzeichnungen landwirtschaftliche Ereignisse in Meran, darunter die Zucht eines außergewöhnlich großen Ochsen aus Mais. Diese Ereignisse spiegeln das lokale Geschehen zwischen städtischer Kultur und regionaler Landwirtschaft wider. →
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"Theaterbericht aus Botzen: Aufführung von „Belisar“ unter Karl Ziegler." Der Bote für Tirol, 2. Februar 1829. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/02.02.1829/150534/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1829-02-02-theaterbericht-aus-botzen-auffuehrung-von-belisar-unter-karl-ziegler