Tödlicher Blitzschlag am Jaufenpass
Am 31. Juli 1824 geriet die Familie des Fruchthändlers Anton Gufler auf dem Weg über den Jaufenpass in ein schweres Gewitter. Beim Schutzsuchen unter Bäumen schlug ein Blitz ein, wodurch die zwei Töchter Maria und Magdalena Gufler ums Leben kamen. Der Vorfall dient der Zeitung als eindringliche Warnung vor dem Aufenthalt unter Bäumen bei Gewitter.
Vollständige Transkription
Nachstehendes trauriges Ereigniß liefert einen neuen Beleg, wie gefährlich es sey, während des Gewitters unter Bäumen Schutz zu suchen. — Am 31. Juli d. J. brach gegen 4 Uhr Morgens im Passeyerthale ein Gewitter aus, welches über St. Leonhard und Walten nach dem Jaufenberge hinzog. Eben hatte die aus Vater, Mutter und vier Kindern bestehende Familie des Fruchthändlers Anton Gufler von St. Martin ihre Reise über den Jaufen angetreten, als ein nachkommender Regensturm sie unter ein Gebüsche zu flüchten veranlaßte. Schon war der Vater mit seinem Weibe und einem kleinen Knaben einige Schritte voraus gegangen, als der letzte Blitzstrahl niederfuhr, und die drei Töchter, welche noch unter den Bäumen waren, nebst Mutter zu Boden streckte. - Die Letztere, so wie das mittlere dreizehnjährige Mädchen erhohlten sich bald wieder; aber die zwei andern Schwestern, Maria und Magdalena Gufler, von 18 und 13 Jahren fanden dabei, ungeachtet der schleunig angewendeten Hülfsmitteln, ihren Tod. Der nach der Hand vorgenommenen Untersuchung zu Folge ist der Blitz zwischen die beiden, enge beisammen gestandenen Schwestern hineingefahren, weil die ältere an der rechten, und die jüngere an der linken Wange mehrere blaurothe Striemen hatte. Gleiche Streife fanden sich an mehreren andern Theilen ihrer Körper bis zu den Fußzehen hinab. An beiden Schwestern waren die Haare des Genickes und Halses wie mit einem Lichte abgesengt, und bei der Magdalena Gufler überdieß der hintere Fleck eines wollentüchenen Skapuliers ganz abgebrannt, und an der ebenfalls braunroth vernarbten Rückenhaut angepicht. Die Augen der Letzteren, welche nach dem Schlage noch einige Lebenszeichen geäußert haben soll, waren sogleich trüb, und eingesunken, und an dem linken Augenwinkel des rechten Auges der Maria Gufler, welches sich übrigens in vollkommen klaren Zustande befand, hatten sich sogar schon Maden oder kleine lebende Würmer gesammelt. An den Geräthschaften dieser verunglückten Weibspersonen, und selbst an zwei mit Metallplättchen belegten Bildern, fand sich hingegen nicht die geringste Verletzung.
1824 im Überblick
Das Jahr 1824 war in Meran und Umgebung von hochrangigen Besuchen, der Pflege des regionalen Erbes und touristischen Entwicklungen geprägt. Erzherzog Franz Carl bereiste die Region und traf dabei auf Weggefährten von Andreas Hofer, dessen in St. Leonhard feierlich gedacht wurde. Gleichzeitig zeugen Berichte über die historische Wildschweinjagd, die Würdigung lokaler Persönlichkeiten wie Jakob Ulrich Pirchstaller sowie die Modernisierung der Egart-Badanstalt von einem wachsenden gesellschaftlichen und touristischen Leben. →
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"Tödlicher Blitzschlag am Jaufenpass." Der Bote für Tirol, 9. September 1824. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/09.09.1824/150075/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1824-09-09-toedlicher-blitzschlag-am-jaufenpass