Marktbericht aus Bozen und zur Lage des Handels
Der Bericht informiert über den Verlauf des Corpus-Domini-Marktes in Bozen sowie über die Nachfrage nach österreichischen Tuchen und Leder. Zudem wird die geringe Beteiligung italienischer Händler infolge einer Handelsstockung beleuchtet sowie über die ertragreiche Seidenraupenzucht im südlichen Tirol berichtet.
Vollständige Transkription
Tyrol.
Botzen, den 28. Juni. Unser Corpus Domini-Markt nahm nun gestern sein Ende. Die Achtung für die österreichischen Fabrikanten steigt immer mehr und mehr, da einige von Brünn und Teltsch in Mähren und von anderen Orten mit Tüchern diesen Markt besuchten, und durch ihre schönen Waaren, die den der Niederländer an Feine und Appretur gar nichts nachzugeben haben, allgemein das Verlangen erweckten, von der sich darbiehtenden blühenden österreichischen Industrie Gebrauch machen zu können, wohlberechnet der übrigen Begünstigungen an Zölle, Zahlungsbedingnisse in Zwanziger per Wiener Elle kalkulirt und des handreichenden Wiener und Prager Speditions- und Wechselplatzes. - Indessen war doch der Markt von Italienern, um der übrigen allgemeinen Handelsstockung treu zu seyn, äußerst sparsam besucht und im Grunde genommen sehr schlecht, welches wohl von den zu wohlfeilen Lebensmitteln in Italien herrühren mag, wo die Produkte der Erde, von den Italienern als Handelszweig betrachtet, beinahe keinen Werth mehr haben, also nicht versilbert werden können, wodurch sie denn auch in die Unvermögenheit versetzt sind, Einkäufe von Waaren, die bei ihnen eben nicht ein capo di necessità sind, zu machen. Möchte also auch der Mittelweg gefunden werden, das merkantilische Rad in Bewegung zu setzen, damit sich jeder ohne Unterschied des reichlichen Segens des Himmels erfreuen könne. - Sehr gesucht waren Prunells, feine schwarze Tücher, Kaleydeiscop-Tücheln, worin sich besonders die Fabrik des Hrn. Leitenberger in Cosmanos sowohl durch Desseins als Couleurs auszeichnete. Leder hatte starke Nachfrage. Zwanziger gegen Kronenthaler machten 101¼ p. Ct., Augsburg a 3 Monat wurde al pari angebothen, da hingegen Wien 123½ gegen Abusio machte. - Im südlichen Tirol fielen heuer die Galeiten außerordentlich gut aus, ja auf einer Tabolone, wo man sonst gewöhnlich 50 Pfund rechnete, bekam man heuer 70 bis 80 Pfund. Deßwegen ist auch die Seide stark im Preise gefallen, besonders in England, wo sie allein in kurzer Zeit um 30 p. Ct. fiel.
Auch in diesem Monat
- Der Bote für Tirol1819–18294 Schlagwörter
Ernteaussichten und Marktpreise in Bozen
Ein Bericht aus Bozen vermeldet hervorragende Ernteaussichten für Feldfrüchte, Obst und Wein. Aufgrund reichlicher Vorräte der letzten Weinernte sinken die Weinpreise, während die Getreidepreise stabil bleiben. Zudem wird berichtet, dass ein Gewitter vom 12. Juni glimpflich verlief.
1819 im Überblick
Das Jahr 1819 war in der Region von landwirtschaftlichen Innovationen, Naturereignissen sowie bedeutenden regionalen Märkten geprägt. Während Unwetter im Sommer schwere Schäden verursachten, zeigten landwirtschaftliche Versuche wie der Anbau von Bergreis und positive Ernteaussichten das wirtschaftliche Potenzial der Region. Ergänzt wurde das Jahresgeschehen durch offizielle Ehrungen, kirchliche Jubiläen und Maßnahmen zur Förderung des Handels. →
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"Marktbericht aus Bozen und zur Lage des Handels." Der Bote für Tirol, 8. Juli 1819. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/08.07.1819/149535/1. https://meran-archive.com/de/artikel/1819-07-08-marktbericht-aus-bozen-und-zur-lage-des-handels