Ein Brief Erzherzog Johanns an Beda Weber
In einem von Stadtpfarrer Beda Weber veröffentlichten Brief äußert sich Erzherzog Johann über die politische Lage nach seiner Rückkehr aus Frankfurt und die Stimmung in der Steiermark. Er wehrt sich entschieden gegen publizistische Verleumdungen, insbesondere in Berthold Auerbachs Theaterstück über Andreas Hofer, und bekräftigt seine Treue zu Tirol.
Vollständige Transkription
Deutschland.
Frankfurt, 7. Mai. Das nachstehende Schreiben Sr. kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs Johann an den hiesigen katholischen Stadtpfarrer und wirklichen geistlichen Rath Beda Weber hat neben einem tief gemüthlichen Ausdruck eine so zeitgemäße politische Färbung, daß man dasselbe fast als ein geschichtliches Aktenstück betrachten kann. Herr Beda Weber, dessen Wohl wollen uns die Mittheilung dieses beachtenswerthen Schreibens ermöglicht, leitet dasselbe mit folgender Vorbemerkung ein: „Ich bin zwar ganz und gar nicht ermächtigt, dieses Privatichreiben Sr. kaiserl. Hoheit zu veröffentlichen, wer aber den gerechten Abschen gegen die Angriffe theilt, mit welchen man bisweilen versucht, diesen fleckenlosen Charakter zu besudeln, fühlt ein Recht in sich, es zu thun. Der Geradsinn des erlauchten Mannes wird mir diesen Schritt nicht übelnehmen; es geschieht im Interesse der Wahrheit, für welche kein deutsches Herz, besonders in diesem Augenblicke, gleichgiltig ist.“
Die vom Erzherzog Johann an Beda Weber gerichteten Worte lauten:
„Seit meiner Abreise von Frankfurt a. M. habe Ich Ihnen noch kein Lebenszeichen gegeben; glauben Sie nicht, daß Ich auf Sie vergaß. Ich erfuhr öfters, wie es Ihnen geht und was Sie machen. Nach einem kurzen Aufenthalte in Wien habe ich Mich hieher nach Gratz begeben, wo Ich mit Frau und Kind Mich aufhalte. Meine Zeit verging Meine Besitzungen nachzusehen, verschiedene Einleitungen zu treffen, endlich wie die Witterung besser wurde, die verschiedenen Theile des Landes zu bereisen, um Mich von den Gesinnungen der Bewohner und dem Zustande Meiner Vereine in Kenntniß zu setzten. Das was Ich bisher gesehen habe, hat Mich sehr befriedigt. Wenn auch die letzten zwei Jahre Jedermann aufregten, so blieb der gute Sinn, die Liebe zum Kaiser und zum Vaterlande bei der großen Mehrzahl unverletzt. Es handelt sich nun, zum Wohle des Landes und zur Unterstützung der Regierungsmaßregeln, zur Erhaltung des innern Friedens und der gesetzmäßigen Ordnung, daß alle Wohldenkenden sich zusammenschaaren und eines Sinnes und Herzens zusammenwirken, und dies werden sie auch, davon bin ich überzeugt. Dieses ist meine Aufgabe und nicht allein in der Steiermark, sondern in Ihrem Mir so werthen Vaterlande. Es mag gar Manchem, der Alles überstürzen möchte, diese nicht gefallen, daher muß Ich Mich gefaßt machen, als Stichblatt jener Partei zu gelten, welcher Ich in Frankfurt beharrlich antegentrat. Sie muß damit anfangen, Meine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu verdächtigen, davon zeigen sich bereits die Spuren; wenn es Wahrheit wäre, so könnte ich, so sehr es Mich auch vielleicht schmerzte, nichts dagegen einwenden, aber wenn es lüge ist, so kann man Mir nicht verargen, daß es Mich empört. Mein Denken und Handeln rücksichtlich Deutschlands ist Ihnen bekannt, daher muß Ihnen der im „Frankfurter Journal“ in der Beilage Nr. 98 vom 24. April d. Js. enthaltenen Artikel aus Gratz aufgefallen sein; da er aus der „Kölner Zeitung“ entnommen ist, so scheint Mir, daß er aus der nämlichen Quelle kömmt, aus welcher während Meinem Aufenthalte in Frankfurt a. M. ähnliche erflossen. Ich muß nur Mich über die Unverschämtheit wundern, zu sagen, Mir sei Detmold, welcher Mir stets treuer Freund war, zuwider, und daß Ich mit General von Radowitz auf so freundlichem Fuß stünde, was Mir wirklich ganz neu vorkömmt. Dieses Alles wäre noch zu ertragen, allein das Aergste bleibt Auerbachs Machwerk: „Andree Hofer“, wo Ich als ein falscher, das Vertrauen eines biedern Volkes mißbrauchender Mensch erscheine. Wer die Geschichte Tirols kennt, weiß, ob Ich es redlich mit diesem Lande gemeint habe, und ob Ich nicht zu jeder Zeit, selbst zu Meinem Eigenen Schaden und Verdruß, nicht ein ehrlicher Vertreter seiner Rechte und Freiheiten war. Nur ein Fremder, der in den Oktobertagen in Wien nicht unbefangen war, kann so Etwas schreiben. Mein Trost ist, daß man in Tirol eine andere Meinung hat, und die Wahrheit durch ehrliche Freunde, da Ich, obgleich Ich es im Stande wäre, nicht Selbst auftreten will, und es einer späteren Zeit vorbehalte, - wird vertreten werden. – Ich denke oft an Deutschland, und namentlich an Frankfurt a. M.; in letzterer Stadt habe Ich viele ehrenwerthe Männer kennengelernt. Was Deutschland betrifft, so ergreift Mich tiefe Wehmuth, wenn Ich denke, was hätte werden können und was Leidenschaften und Vergrößerungssucht verdorben haben. Die Nation wäre eines bessern Schicksals werth; sie wird aber leider noch manche Leiden durchzumachen haben; möchte sie doch einmal das Ziel eines glücklichen Zustandes erreichen. Ich hoffe im Laufe dieses Sommers unser Landl zu sehen und Meine Winterprojekte auszuführen. Nehmen Sie Mir nicht übel, daß Ich Mich einer andern Hand bediene, aber Ich schone Meine Augen. Schreiben sie Mir, wenn Sie Zeit haben, so wie ein Landsmann dem andern schreibt, mit der unseren Bergen eigenen Aufrichtigkeit. Gratz, am 2. Mai 1850. Ihr Johann.“ (Fr. O. P. Z.)
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"Ein Brief Erzherzog Johanns an Beda Weber." Der Bote für Tirol, 13. Mai 1850. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/13.05.1850/153096/2. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1850-05-13-ein-brief-erzherzog-johanns-an-beda-weber