Untersuchungen zu den alten Portalen auf Schloss Tirol und Zenoburg
Der Meraner Zivilingenieur Johann Jordan legt dem Ferdinandeum neue, genaue Zeichnungen der Portale von Schloss Tirol und der Zenoburg vor. Anhand einer bautechnischen Analyse legt er dar, dass die Portale aus zusammengesetzten Bruchstücken verschiedener Bauphasen bestehen und kein einheitliches Bildprogramm darstellen.
Vollständige Transkription
Ueber die beiden alten Portale an der Schloßkapelle und an der Kirchen-Vorhalle im Schlosse Tirol, dann über das alte Kirchenportal auf Zenoburg.
Die obgenannten drei Denkmale aus einer frühen in mythisches Dunkel gehüllten Zeit sind schon vielfach vom historischen und antiquarischen Standpunkte aus beurtheilt worden und so mancher Versuch, ihre bildlichen Darstellungen zu deuten, ist schon gescheitert, oder er hat doch wenigstens nicht überzeugende Aufklärung verschafft. Es dürfte darum von besonderem Interesse seyn, auch die folgende Aeußerung eines Dritten, der vom rein technischen Standpunkte aus urtheilt, zu hören, und zwar um so mehr, als die sehr natürlich gegebene Ansicht desselben so mancher früheren scharfsinnigen Deutung gar arg widerspricht:
Hr. Johann Jordan, Civilingenieur in Meran, welcher von Seite des Ferdinandeums ersucht worden war, die von obgenannten Denkmalen vorhandenen älteren Abbildungen, über deren Genauigkeit einige Zweifel obwalteten, an Ort und Stelle mit den Originalien zu vergleichen, hat sich die verdienstvolle Mühe genommen, neue und äußerst getreue Zeichnungen davon zu liefern und hat dieselben dem Ferdinandeum so eben, mit technischen Bemerkungen begleitet, als Geschenk übergeben. Hr. Jordan führt darin mit vielem Glücke den Beweis, daß sämmtliche drei Portale weder ursprünglich von Architekten so, wie sie dastehen, entworfen, noch daß die einzelnen Bestandtheile derselben zu ihrem gegenwärtigen Zwecke einst verfertiget worden waren, und daß folglich das Ganze keine zusammenhängende Vorstellung bilden könne, sondern, daß diese drei vielbesprochenen Portale nichts weiter als Mixta-Composita aus Bruchstücken alter Bauwerke, zum Theil vielleicht von eingestürzten Parthien der Schlösser Tirol und Zenoberg seyen und jedenfalls in ihren einzelnen Theilen aus ganz verschiedenen Perioden herrühren; diese Bruchstücke dürften von irgend einem oder mehreren Baumeistern des Mittelalters aufgelesen und von ihnen, so gut es ihre Form erlaubte, doch ohne jeden weitern Sinn, als den, einen verzierten Bogen zu bilden, zusammengefügt worden seyn. Es gebühre ihnen daher auch kein weiteres Verdienst, als der Dank, diese alten Bruchstücke, deren Relief-Figuren nun von Archäologen einzeln erklärt und je nach ihrem Sinne dem heidnischen oder christlichen Zeitalter zugewiesen werden mögen, auf diese Weise vom gänzlichen Verderben gerettet zu haben.
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"Untersuchungen zu den alten Portalen auf Schloss Tirol und Zenoburg." Der Bote für Tirol, 6. August 1846. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/06.08.1846/152361/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1846-08-06-untersuchungen-zu-den-alten-portalen-auf-schloss-tirol-und-zenoburg