Schweres Unwetter und verheerende Murgänge im Vinschgau
Ein schweres Unwetter am 16. Juni 1840 löste zwischen Schlanders und Latsch verheerende Murgänge aus. In Vezan wurde die Kirche verschüttet, wobei der örtliche Benefiziat ums Leben kam, während in Goldrain weite Fluren verwüstet und Nutztiere fortgerissen wurden.
Vollständige Transkription
Morter, den 17. Juni. Der gestrige Tag war ein Tag des Schreckens und der Trauer für die ganze Umgegend. Um 4 Uhr Nachmittags fing es an zu donnern, schwarze Wolken zogen sich von allen Seiten zusammen, gleich darauf begann ein so heftiger Regen und Hagel, daß in einer halben Stunde von Schlanders bis zur Latscher Brücke aus allen kleinen Seitenthälern links und rechts die Muhren herab gingen. Besonders hart wurden die Weiler Goldrain und Vezan mitgenommen. Im letztern ging sogar ein Menschenleben zu Grunde, und zwar der hochwürdige Hr. Benefiziat. Er wollte bei herannahendem Gewitter den Wettersegen abhalten, und ging deshalb mit dem Meßner in die Kirche; allein in wenigen Augenblicken wurde er von der Muhr sammt der ganzen Kirche überschüttet, und erst spät Abends gelang es, den Verunglückten durch eine von Außen gemachte Oeffnung todt aus der Sakristei heraus zu ziehen. Der Meßner, der die Gefahr wohl einsah, und durch seine Bitten den Hrn. Benefiziaten umsonst zur Entfernung zu bewegen suchte, rettete sich nur mit größter Mühe in den Thurm. Die Kirche und die Kirchenparamente sind gänzlich ruinirt. Man kann sich den Jammer der unglücklichen Bewohner von Vezan vorstellen, welche in Zeit von einer halben Stunde ihren hochgeehrten Benefiziaten, die Kirche und den größten Theil ihrer Güter, sammt den zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Früchten verloren. Nicht geringer war der Schaden, den die Muhren in Goldrain anrichteten. Ein bedeutender Theil der Gründe ist verwüstet; mehrere Stücke Vieh gingen zu Grunde, (in einem Bauernhause wurden zwei Ochsen mit sammt dem Wagen von der Tenne hinweg geschwemmt), mehrere Menschen konnten nur mit Lebensgefahr gerettet werden; darunter ein alter 95jähriger Mann, der vor dem ausbrechenden Gewitter auf einem Hügel in der Sonne gelegen hatte, und von der Muhr ergriffen, bis in die Vezaner Aue unterhalb der Straße über Hügel und Mauern getragen wurde, wo es endlich zwei beherzten Männern von Morter, Johann Burger und Sebastian Kind, mit Mühe und Lebensgefahr gelang, ihn aus dem Schlamme lebendig und unbeschädigt hervor zu ziehen. Eine gerichtliche Schadenserhebung kann erst die erlittenen Verluste, welche man bisher noch nicht ganz zu ermessen im Stande ist, genauer angeben.
1840 im Überblick
Das Jahr 1840 war in Merano und Umgebung von karitativen Initiativen zu Jahresbeginn, einer verheerenden Naturkatastrophe durch Murgänge im Vinschgau im Juni sowie dem im September in Wien begangenen, traditionsstiftenden Gedenken an die Tiroler Landesverteidiger von 1809 geprägt. Diese Ereignisse verdeutlichen die soziale Fürsorge, die Bewältigung von Elementarschäden sowie die Pflege des regionalen historischen Bewusstseins in dieser Epoche. →
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"Schweres Unwetter und verheerende Murgänge im Vinschgau." Der Bote für Tirol, 25. Juni 1840. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/25.06.1840/151723/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1840-06-25-schweres-unwetter-und-verheerende-murgaenge-im-vinschgau