Trauerfeiern in Innsbruck für Kaiser Franz I.
Nach dem Ableben von Kaiser Franz I. versammelten sich die Behörden, Stände, das Militär und die Bevölkerung in Innsbruck zu feierlichen Seelengottesdiensten in der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Neben Trauergottesdiensten und Ansprachen würdigten Inschriften an einem Katafalk und Nachrufe das Wirken des verstorbenen Monarchen.
Vollständige Transkription
Innsbruck, den 15. März. Nachdem auf ämtlichem Wege die Trauerbothschaft von dem Hinscheiden weiland Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz I. auch hieher gelangt war, und unter allen Ständen der Bewohner dieser Hauptstadt die tiefste Betrübniß verursacht, und nachdem eine Gubernial-Kundmachung vom 5. März alle öffentlichen Belustigungen eingestellt, und die üblichen Seelengottesdienste in allen Pfarrkirchen dieser Provinz angeordnet hatte, vereinigten sich auch die tieferschütterten Bewohner der Hauptstadt Innsbruck zur Erfüllung dieser letzten traurigen Pflicht.
Nach 3tägigem Schiedungsläuten mit allen Glocken am 5., 6. und 7. d. M., wurden am 9. von dem Abten des Cisterzienserstiftes Stams die Vigilien, und am 10. d. M. die feierlichen Exequien von dem Abten des Prämonstratenserstiftes zu Wilten in der St. Jakobs-Pfarrkirche abgehalten, nachdem unmittelbar vorher der k. k. Professor der Universalgeschichte an der hiesigen Universität, Herr Ingenuin Weber, Weltpriester, Worte der religiösen Ergebung und des eben so belehrenden als wehemüthigen Rückblickes auf das thatenreiche, segenvolle und schöne Leben des Verklärten an die durch das traurige Ereigniß tief bewegten Zuhörer gerichtet hatte.
Die St. Jakobs-Pfarrkirche war zu dieser ergreifenden Todtenfeier an allen ihren Altären schwarz behangen, und mit den kaiserlichen Wappen geziert. In ihrer Mitte erhob sich vor dem Hochaltare in bedeutender Höhe das Trauergerüste, reich beleuchtet, und auf seinem Gipfel der mit reich gesticktem Bahrtuche und mit den Abzeichen irdischer Herrschaft geschmückte Sarg. An den vier Seiten dieses Katafalks waren folgende Inschriften, und zwar darum in deutscher Sprache angebracht, damit aus allen Klassen des Volkes, Jeder dieselben verstehen, und im tief bewegten Gemüthe bekräftigen möge.
I. Dem Haupthore der Kirche gegenüber:
Dem frommen Andenken
Franz I.,
Kaisers von Oesterreich - Grafen von Tirol.
Des Besten, Geliebtesten, Unvergeßlichen Fürsten und
Vaters.
Geboren zum Heil seiner Völker.
Gelebt für ihre Wohlfahrt.
In ihrer Liebe nicht gestorben.
II. Rechts hinüber gegen die Epistelseite:
Nach 67 Jahren und 17 Tagen Seines schwer geprüften,
glorreich erprobten, von Gott gesegneten Lebens,
und wenige Stunden
nach Ablauf Seiner 43jährigen Regierung
reichte der Allvergelter die Palme des Friedens, und
für irdische Kronen die Ewige!
Ihm am 2. März 1835 um ¾ auf 1 Uhr Morgens.
III. Gegen den Hochaltar:
Gottergeben
in allen Schicksalswechseln.
Im Glück dem Herrn dankbar.
Im Unglück fest und gläubig.
War die Religion Ihm - Er
Seinen treuen Völkern
Leitstern und Anker.
IV. Links hinüber zur Evangelienseite:
Vorangegangene
Eltern, Gattinnen, Geschwister, Kinder und Enkel,
umschweben nun jubelnd den Selig-Verklärten.
Weinende Völker zittern im Schmerz, bethen in Demuth und
erneuern den Eidschwur der Treue!
Am Abende der Vigilien, dann bei den Exequien und den zugleich auf allen Altären gelesenen Seelenmessen hatten sich alle Civil- und Militärbehörden dieser Hauptstadt, die ständische Aktivität und mehrere Mitglieder des großen ständischen Ausschuß-Kongresses, die Mitglieder der Universität, und auf den beiden Oratorien Ihre Excellenz die Frau Gemahlin des Herrn Landesgouverneurs, sämmtliche Damen des k. k. adelichen Fräuleinstiftes und mehrere andere Damen des hiesigen Adels in tiefer Trauer versammelt, während der übrige Theil der Pfarrkirche von einer andächtigen, tief gerührten Volksmenge angefüllt war. Am Schlusse der Trauerandacht ward der in der unten folgenden Note abgedruckte Grabgesang unter Begleitung der Chormusik abgesungen *).
Inbrünstige, wohl von tausend Thränen unterbrochene Gebethe stiegen zum Allmächtigen auf, für die Seelenruhe des theuern Landesfürsten, dem Tirol so viele Liebe bewiesen, so viele Liebe von Ihm erfahren, der erst vor nicht vollen drei Jahren diese Seine treue Provinz besucht, und Sein geliebtes Bild in Allen Herzen zurück gelassen; für Ihn, der auf Erden schon in Gesinnung und That dem Himmel verwandt war! Und in den Herzen aller Stände regte sich der Wunsch, so herbem Verlust mehrere Tage der Trauer und öffentlicher Andacht zu widmen.
So veranstalteten dann die Herren Stände, Mittwoch am 11., der Magistrat dieser Hauptstadt Donnerstag am 12. d. M. einen eigenen feierlichen Trauergottesdienst, welch ersteren wieder der Abt zu Stams, letztern aber der Abt des Benediktinerstiftes zu Fiecht abhielt, in demselben Pfarrgotteshause; und sämmtliche k. k. Truppen der hiesigen Garnison, an ihrer Spitze die Generalität und die Herren Stabsoffiziere, hatten den 13. d. M. gewählt, um an gleicher heiliger Stätte für den Verewigten zu bethen, der im Krieg und Frieden theilnehmender Vater seiner treuen Kriegsheere gewesen.
Bei dieser militärischen Trauerfeier funktionirte der hier anwesende vormalige Abt des Stiftes Tepl, assistirt von den k. k. Regimentskaplänen des Kaiserjäger-Regimentes, des Infanterie-Regiments G. H. Baden, und des Dragoner-Regiments G. H. Toskana.
Auch die hiesige k. k. Leopold-Franzens-Universität wird in den ersten Tagen der kommenden Woche in ihrer Kirche eine Trauerandacht veranstalten, und im akademischen Saale das Andenken ihres erlauchten Wiederherstellers durch eine passende Rede feiern.
Gleichzeitig aber steigen von hundert und hundert Altären in Städten und Dörfern, in Thälern und auf den Bergen Tirols Gebethe zu dem Herrn - dem Belohner der Kaiser und Könige!
Also sind in Vaterlandes
Treu bewohnten Felsenklüften
Unter Bethen und in Thränen
Diese Tage hingegangen!
Seufzer, die sich aufwärts schwangen -
Wahrheit ist es und kein Wähnen -
Werden dort zu süßen Düften
Eines reinen Opferbrandes!
Und aus Oestreichs weiten Landen
Steht zu Ihm der Weg noch offen;
Regenbogenbrücken bauen
Sich vom Vater zu den Kindern,
Unsern Trennungsschmerz zu lindern,
Wenn wir gläubig Gott vertrauen,
Wiedersehen, muthig hoffen,
Treulich lieben Ferdinanden!
*) Ruhe sanft, der Du im Leben Stets das Gute nur geübt, Ruhm und Wohlfahrt uns
gegeben,
Nie ein Auge je betrübt, Segenbringend war Dein
Streben,
Und kein Fürst wie Du geliebt.
Ruhe sanft, Dein Name währe Bis die letzte Zeit entflicht, Und des Schmerzes bange
Zähre,
Die auf uns´rer Wange glüht, Werde Dir zur gold´nen Aehre, Wo die reinste Freude blüht. Ruhe sanft, die Frucht gedeihe Deiner tugendvollen Saat, Aus der mächt´gen Länder-Reihe Rage hoch hervor Dein Staat, Großgesäugt durch Lieb´ und
Treue,
Durch Dein Wort, und Deine
That.
Ruhe sanft, bis Dich zum Lohne Der Vergelter auferweckt,
Dir zu seinem Seraphs-Throne Mild die Hand entgegen streckt, Und die ew´ge Strahlen-Krone
Dann Dein edles Haupt bedeckt. E. v. Goetz.
1835 im Überblick
Das Jahr 1835 war im regionalen und habsburgischen Kontext von bedeutenden Weichenstellungen in der Infrastruktur und tiefgreifender Staatstrauer geprägt. Während im Frühjahr der Tod von Kaiser Franz I. offizielle Trauerfeiern und Nachrufe auslöste, standen strategische Verkehrsprojekte wie die Diskussionen über den alpinen Eisenbahnbau und die finanzielle Bilanz der Stilfserjoch-Militärstraße im Vordergrund. →
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"Trauerfeiern in Innsbruck für Kaiser Franz I.." Der Bote für Tirol, 16. März 1835. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/16.03.1835/151172/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1835-03-16-trauerfeiern-in-innsbruck-fuer-kaiser-franz-i