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Funde auf dem Schnalser Ferner: Gebeine eines seit 1804 Vermissten

Zusammenfassung

Im August 1834 wurden auf dem Schnalser Ferner menschliche Gebeine und Eisenwaren entdeckt, die dem seit 1804 vermissten Schlossermeister Blasius Moriggl aus Schlanders zugeordnet werden konnten. Der Bericht beschreibt das Phänomen, wie der Verunglückte durch das Zusammenspiel von Gletscherbewegungen und Sommerhitze nach drei Jahrzehnten wieder freigegeben wurde.

Vollständige Transkription

Tirol.

Am 23. Aug. d. J. wurden auf der Oberfläche des Schnalser Ferners Menschengebeine und dabei Eisenwaaren nebst einigen Ueberresten von männlicher Kleidung gefunden. Die bei den Gebeinen gelegenen Eisenwaaren machten es nach allen Erhebungen sehr wahrscheinlich, daß jene die irdischen Ueberreste des schon im Jahre 1804 auf dem Schnalser Ferner verunglückten Schlossermeisters Blasius Moriggl von Schlanders seyen. Im Frühjahre 1804 machte ein Insasse von Sölden bei dem vorgenannten Schlossermeister in Schlanders die Bestellung einiger Schlösser und Fensterbeschläge für sein damals neu erbautes Haus mit dem Akkorde, daß ihm Letzterer die bestellten Waaren zwischen dem 15. Aug. und 8. Sept. desselben Jahres nach Sölden zu liefern habe. Moriggl war auch wirklich ungefähr um die bedungene Zeit mit dem bestellten Eisenzeug von Schlanders in der Absicht abgegangen, damit durch Schnals über den Schnalser Ferner und Vent nach Sölden zu kommen. Von jener Zeit an aber war er verschwunden, und keine Spur mehr von ihm aufzudecken, daher schon damals allgemein vermuthet wurde, daß er in eine Kluft des Ferners gesunken sey, und dort sein Grab gefunden habe. Daß der Verunglückte in eine Kluft des Ferners gefallen sey, und nicht auf dessen Oberfläche den Tod gefunden habe, läßt sich darum mit Zuverlässigkeit annehmen, weil er sonst schon lange hätte entdeckt werden müssen, da alljährlich zur Sommerszeit viele Leute den Weg über den gedachten Ferner machen. Durch welches Zusammenwirken der Naturkräfte aber derselbe aus dem Innern des Ferners nach so vielen Jahren wieder auf dessen Oberfläche gehoben wurde, und zwar gerade im heurigen ungewöhnlich heißen Sommer, ist eine Erscheinung, die sich als eine für den Forschungsgeist der Naturkundigen würdige Aufgabe darstellt. Auf den höchsten isolirten Kuppen der Oetzthaler Ferner werden nicht selten Steine gefunden, deren Daseyn auf jenen nicht anders erklärbar ist, als daß sie durch die von Zeit zu Zeit entstehenden Klüfte aus ihrem Grunde empor gehoben werden. Das im heurigen Sommer bei mehreren Fernern von Zeit zu Zeit beobachtete laute Krachen und die Erscheinung, daß einige während der langen Dauer der Hitze an ihrer Extension und äußerm Umfange merklich zugenommen haben, läßt auf ein gewaltiges Wirken von Kräften in ihren Tiefen schließen, deren nähere Enthüllung den Naturforschern vorbehalten ist.

1834 im Überblick

Das Jahr 1834 war in der Region von Naturereignissen, wissenschaftlichen Debatten und dem Aufstieg Merans zum Kurort geprägt. Während Murenabgänge und ein Erdbeben die Widerkraft der lokalen Bevölkerung forderten, boten alpine Erstbesteigungen wie die des Ortlers neue Perspektiven. Gleichzeitig spiegelte die Berichterstattung über milde Winter und meteorologische Theorien das breite Interesse an naturkundlichen Fragen wider.

Zitieren & Teilen

"Funde auf dem Schnalser Ferner: Gebeine eines seit 1804 Vermissten." Der Bote für Tirol, 23. Oktober 1834. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/23.10.1834/151131/1. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1834-10-23-funde-auf-dem-schnalser-ferner-gebeine-eines-seit-1804-vermissten