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Der Historien- und Fresko-Maler Johann Holzer

Zusammenfassung

Eine biographische Skizze über den aus Burgeis stammenden Barockmaler Johann Evangelist Holzer (1709–1740). Dargestellt werden seine Jugend- und Studienzeit im Stift Marienberg, die Ausbildung bei Nikolaus Auer in St. Martin in Passeier sowie sein künstlerisches Wirken in Straubing und Augsburg an der Seite von Johann Georg Bergmüller.

Vollständige Transkription

Anhang.

Der Historien- und Fresko-Maler Joh. Holzer.

Zu den ausgezeichnetsten tirolischen Malern früherer Zeit gehörte Joh. Holzer, dessen Verdienste aber gerade in seinem Vaterlande weit weniger bekannt sind, als sie es zu seyn so sehr verdienen. Die Ursache davon ist wohl, daß dieser Künstler den größten Theil seines Lebens außer Tirol zubrachte, und daß darum seine Gemälde Größten Theils nur außer Tirol zu sehen sind. Deßhalb stellen wir hier kurz zusammen, was wir über ihn in verschiedenen deutschen Druckschriften zerstreut fanden. Unter diesen ist in Ansicht auf biographische Daten die wichtigste das „Kunst- und Ehrengedächtniß Herrn Joh. Holzers“ von Georg Chrsitoph Kilian, das zu Augsburg 1765 erschienen ist, und dem alle späteren Schriftsteller, die von Holzer geschrieben haben, gefolget sind. Wir konnten auch des dem Künstler gleichzeitigen Anton Roschmann, und dazu noch einige neuere bandschriftliche Nachrichten benützen, und dadurch Kilians Schrift theils ergänzen, theils auch berichtigen.

Johann Evangelist Holzer wurde den 24. Dez. 1709 zu Burgeis, einem Dorfe des k. k. Landgerichtes Glurns am Fuße des Berges, auf welchem das benediktiner-Stift Marienberg steht, geboren. Seine Eltern waren Christoph Holzer und Margarete, eine geborne Steck. Er war, wie Rembrand, eines Müllers Sohn; denn sein Vater war Klostermüller des genannten Stiftes. Wegen der vielen Talente, die er als Knabe verrieth, ließ ihn sein Vater, ein wohlhabender Mann, studiren, besonders da er dazu die nächste Gelegenheit hatte, indem im Kloster Marienberg damals, das Gymnasium zu Meran noch nicht errichtet war, lateinische Schulen gehalten wurden. Wenn in Tirol Landleute einen Sohn den Studien widmen, geschieht dieß gewöhnlich in der Absicht und Hoffnung, daß derselbe sohin den geistlichen Stand wähle, und dieß mag allerdings auch bei Holzers Eltern, wie Kilian bemerkte, der Fall gewesen seyn. So studirte nun der Knabe nach der damaligen Lehrart alle Gegenstände des Gymnasia-Unterrichts, selbst auch noch das philosophische Studium beginnend, mit dem besten Fortgange. Er erreichte dadurch den Besitz der lateinischen Sprache, so daß er sie ziemlich gut schrieb, und lateinische Bücher mit Leichtigkeit las und verstand. Eine vorzügliche Neigung verrieth er zur Poesie und zur Geschichte, und dazu kam ihm sein vortreffliches Gedächtniß sehr zu Statten. Nebenher lernte er in diesem Kloster auch die französische Sprache, in die er sich in den späteren Jahren erst eigentlich einübte, was ihm dann zum Umgange mit Fremden und Reisenden sehr vortheilhaft geworden ist.

Zur gleichen Zeit bemerkte man an ihm einen außerordentlichen angebornen Hang zu den zeichnenden Künsten, und er verwendete auf diese jede Stunde, die er dem Studiren entziehen konnte, so daß er deßhalb viele Vorwürfe erhielt, und ihm auch alle Hülfsmittel dazu entzogen wurden. Dieß änderte aber seinen Sinn so wenig, daß es ihn nur schärfte, und er sich selbst aus allerlei Stoffen Nothbehelfe bereitete, mit denen er auf Papier, Leinwand und Mauern zeichnete und malte. Dieß gelang ihm immer besser und so sehr, daß er, obwohl er ganz keinen Unterricht erhalten hatte, am Ende sogar Porträte und insbesondere auch das Porträt des damaligen Prälaten malte, und damit so viel Beifall ärntete, daß der Prälat und andere vernünftige Männer endlich seinen Vater beredeten, dem Genie seines Sohnes nicht länger zu widerstehen, und so wurde er endlich zu dem Maler Niklaus Auer in die Lehre geschickt.

Dieser Auer, geb. zu Meran den 4. Dezember 1690, hatte die Anfangsgründe der Kunst bei einem Maler seiner Vaterstadt gelernet, sich dann in München, wo ihn der churbaierische Hofrath Lechner, ein geborner Passeirer, unterstützte, und noch mehr in Augsburg, wo er einer der ersten Schüler des rühmlich bekannten Johann Georg Bergmüller war, ausgebildet, sich dann in sein Vaterland zurück gezogen, und aus Veranlassung seines Freundes, des Abtes Beda von Marienberg, zu St. Martin in Passeir niedergelassen, wo er den 19. April 1753 wohlhabend und allgemein geehrt gestorben ist. Er war ein immer mehr als mittelmäßiger Maler. Wie mehrere von ihm gemalte Altarblätter und andere Werke in den Kirchen von Passeir, im Kloster Marienberg und an mehreren Orten jener Gegend beweisen, und so hatte Holzer das Glück, sogleich in eine ziemlich gute Schule zu kommen.

Darin fing er erst an, ordentlich zeichnen zu lernen; es entwickelte sich aber auch sein großes Künstler-Genie in kurzer Zeit; er war sehr bald schon mehr Erfinder als Kopist, und er hatte seine, nach der damaligen Sitte bedungenen Lehrjahre kaum vollendet, als er schon von dem Maler Merz, der von der Geschicklichkeit und den Talenten des jungen Mannes Nachricht erhalten hatte, zu sich nach Straubing verschrieben wurde, um ihm in der übernommenen Ausmalung der Kirche zu Oberaltaich als Gehülfe zu dienen, was er mit Freunden annahm, und worin er dann auch die von ihm gehegten Erwartungen vollkommen und zur großen Zufriedenheit des Meisters erfüllte. Für ihn selbst gewährte diese Beschäftigung den großen Vortheil, daß er Gelegenheit fand, sich in der Freskenmalerei einzuüben, von der er hernach, wie der Hofrath Zapf sagt, gleichsam der Schöpfer in Deutschland geworden ist. Nach Lipowski hat er zu Straubing auch ein Altarblatt, den heil. Anton, für die dortige Franziskaner-Kirche gemalt. – Von da begab er sich nach Vollendung der Arbeit nach Augsburg, wo es damals für geschickte Künstler mehr Aussicht auf Verdienst und Unterstützung, als beinahe in irgend einer andern deutschen Stadt, gegeben hat. Er hatte sich dort, für sich arbeitend, nicht lange aufgehalten, als Bergmüller, da er einige Zeichnungen und Gemälde des jungen Künstlers zu Gesichte bekommen hatte, ihn sogleich an sich zu ziehen suchte, und bald in sein Haus aufnahm. Bergmüller hatte zu jener Zeit viele und große Arbeiten an Fresko-Malereien in Kirchen und öffentlichen Gebäuden, an Altarblättern und an andern bedeutenden Werken. Diese führte er mit großem Ausdrucke gemeinschaftlich mit Holzer aus, den er nicht als Skolar, sondern als seinen Freund und Gesellschafter, behandelte. Dieser bleib sechs Jahre, durch unermüdete Thätigkeit sich immer höher ausbildend, bei Bergmüller, studirte in dieser Zeit besonders die Werke von Rembrand, Van Dyk, Rubens und Paul Veronese, von denen damals in Augsburg bei Privaten noch mehrere Originale zu sehen waren, und fing da auch mit vielem Glücke an, die Radirnadel zu gebrauchen. Er radirte vierzehn sehr geschätzte, nun schon äußerst selten gewordene Blätter, in großer malerischer, der Rembrand´schen ähnlichen Manier, theils nach Bergmüller´schen, theils nach eigenen Erfindungen. Wir kennen noch aus der Roschmann´schen Kupferstichsammlung zwei andere von Holzer nach seiner eigenen Erfindung geätzt Stücke, das Fabrikswappen des Hauses Heinzelmann zu Kaufbeuren mit den Wappen der Familie und der Stadt und mit mehreren allegorischen Figuren; dann das Kloster St. Ulrich zu Augsburg, ebenfalls mit mehreren verzierenden Zusätzen. – Auch hat er in dieser und in der späteren Zeit eine große Anzahl an Entwürfen und Zeichnungen, meistens grau in grau, für Kunstverleger und Theses-Kupferstecher geliefert. – Bergmüller hatte ihn so lieb gewonnen, daß er an ihm seinen Tochtermann zu sehen wünschte und suchte. Dieser Antrag zerschlug sich aber, und war zugleich die Veranlassung, daß Holzer sich von dieser Familie trennte, und von nun an vier Jahre ganz selbstständig in Augsburg lebte.

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"Der Historien- und Fresko-Maler Johann Holzer." Der Bote für Tirol, 25. Januar 1830. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/25.01.1830/150636/4. https://www.meran-archive.com/de/artikel/1830-01-25-der-historien-und-fresko-maler-johann-holzer